Bergwacht Schwarzwald: Die Lebensretter aus der Berghütte

26.10.2020 von Oliver Gewald in Kategorie: Blog

Wenn im Nationalpark ein Unfall passiert, ist die Bergwacht Schwarzwald zur Stelle. Nationalpark-Blogger Oliver hat die Retter in ihrer Station besucht – und erklärt, warum neben dem Retten von Leben der Naturschutz an erster Stelle steht

Urig sieht sie aus, die kleine Schwarzwaldhütte am Skilift Ruhestein. Ein alter Kachelofen beheizt den Raum, der mit altem Holzmobiliar ausgestattet ist. Bilder aus den Alpen finden sich neben Urkunden und Wimpeln an den Wänden wieder. Mittendrin: Kartenspiele und ein Kalender mit Bildern eines Rettungshubschraubers in Aktion. Die Bergrettungswache der Bergwacht Schwarzwald am Ruhestein könnte aus einem Heimatfilm der ARD stammen. Doch was sonst gerne an einem Sonntagabend auf deutschen Fernsehgeräten flimmert, ist in der Station der Ortsgruppe Obertal der Bergwacht Schwarzwald Realität. Hier, in direkter Nachbarschaft zum neuen Nationalparkzentrum am Ruhestein, treffe ich mich mit Florian Gaiser, Melf Satzky und Cindy Lienert.

„Die Bergwacht ist unser Hobby“

„Apfelschorle?“, fragt Florian Gaiser freundlich. Wer kann dazu in dieser Kulisse schon nein sagen? So kommen wir an diesem Freitagabend ins Gespräch, während draußen die letzten Wanderer von ihrer Tour zurückkehren. Direkt von seiner Arbeit als Kaufmann sei er gekommen, erzählt er. Das überrascht mich. Schließlich ist es doch das gängige Bild, dass die Bergwacht ihre Tage in urigen Hütten wie dieser verbringt und nur darauf wartet, mit dem Hubschrauber zum Einsatz zu fliegen. „Die Bergwacht ist unser Hobby. Wir machen das ehrenamtlich“, interveniert Gaiser. „Wenn ein Einsatz kommt, verlassen wir dafür unseren Arbeitsplatz oder unterbrechen unseren Feierabend, unser Wochenende.“ Oft sind er und seine Kolleginnen und Kollegen auch an Sonn- und Feiertagen in der Bergrettungswache. Ich habe nicht den Eindruck, dass ihn das stört.

Zwischen Karten spielen und Leben retten

Möglichkeiten, sich hier oben die Zeit zu vertreiben, scheint es genug zu geben. „Dann sitzen wir hier, trinken Kaffee und spielen Karten“, erzählt Gaiser. „Dabei entwickelt sich eine gute Kameradschaft.“ Ernst wird es erst, wenn das Telefon klingelt. Dann muss es schnell gehen – denn vom verunglückten Motorradfahrer bis zum gestürzten Wanderer ist alles möglich. Für diesen Fall wird am frühen Morgen alles vorbereitet, um direkt ausrücken zu können. Doch wann wird die Bergwacht gerufen? „Eigentlich immer dann, wenn der straßengebundene Rettungsdienst nicht mehr an den Patienten drankommt“, erklärt Florian Gaiser. Damit gehört der gesamte Nationalpark zum Einsatzgebiet der Bergwacht.

Gut gerüstet durch eine umfangreiche Ausbildung

Um sich in diesem Gebiet zurechtzufinden, muss jeder Anwärter eine umfangreiche Ausbildung absolvieren – und das ehrenamtlich! Sowohl für den Winter, als auch für den Sommer gibt es daher spezifische Prüfungen. „Im Wintertest wird geprüft, ob man sich im alpinen Gelände bewegen kann.“ Dabei muss auch ein Anstieg mit Ski und mit Schneeschuhen absolviert werden. Gleichzeitig wird die Fähigkeit, Karten lesen zu können, geprüft. Im Sommer folgt dann eine Ausbildung in der Notfallmedizin. Florian Gaiser: „Wir sind damit im notfallmedizinischen Bereich sehr gut ausgebildet. Lediglich Zugänge legen und Medikamente verabreichen dürfen wir nicht.“ Dafür kommt der Notarzt mit in das unwegsame Gelände, wenn es um die Bergung eines Patienten geht – genauso wie der Rettungshubschrauber oder die Rettungshunde. Wenn Bedarf besteht, kann die Bergwacht diese anfordern.

Die Gemeinschaft sorgt für Erfolg

Ganze 50 bis 80 Mal im Jahr rückt die Bergwacht der Ortsgruppe Obertal für Einsätze aus – im Schnitt ist das also ein Notruf pro Woche. Und das in der Freizeit! Ich bin immer noch beeindruckt, dass Florian, Melf und Cindy diese Bürde ehrenamtlich tragen. Ich möchte herausfinden, was sie dazu antreibt. Dabei fällt immer wieder ein Wort: Gemeinschaft. „Ohne sie hätten wir nicht den Erfolg. Wir verstehen uns blind und können uns vertrauen. Das hilft bei den Einsätzen“, sagt Florian Gaiser. Auch Melf sieht das ähnlich: „Wir sitzen hier mit verschiedenen Menschen zusammen, man isst zusammen, trinkt Kaffee und spielt Karten. Gleichzeitig haben wir eine große Verantwortung, die wir mit Stolz tragen.“ Und für Cindy hat das Engagement auch ortsbezogene Gründe: „Es ist unsere Heimat. Wir sind hier aufgewachsen, mein Vater war schon in der Bergwacht.“

Im Auftrag des Naturschutzes

Der Heimat etwas zurückgeben – einst war das sogar der Grund, wieso die allererste Bergwacht gegründet wurde. In München hatte es sich damals eine Gruppe von Menschen zum Auftrag gemacht, die Natur in den Alpen zu schützen. „Ordnung, Sitte und den Anstand im Gebirge“ wiederherzustellen sei damals das Ziel gewesen. Ganz so streng formuliert es Florian Gaiser heute nicht mehr – zumal es beim Nationalpark natürlich auch Spezialisten dafür gäbe. So sei es im Endeffekt dennoch das gleiche Ziel, das sowohl der Nationalpark als auch die Bergwacht verfolge. Und so verbindet beide Institutionen auch noch ein bisschen mehr, als nur die direkte Nachbarschaft am Ruhestein.

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Zum Autor

Oliver Gewald

Bloggt im Auftrag von Kresse & Discher für den Nationalpark Schwarzwald.


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