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Oliver Gewald

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Ein Wettermessnetz, das seines Gleichen sucht

Warum es im Nationalpark Schwarzwald nicht nur Bäume, sondern auch Computer gibt

14.01.2020 von Oliver Gewald in Kategorie: Blog
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Warum es im Nationalpark Schwarzwald nicht nur Bäume, sondern auch Computer gibt

Geograph Christoph Dreiser sitzt in seinem Büro im Nationalpark Schwarzwald. Drei Bildschirme zeigen Diagramme, bunte Kartenausschnitte und Rohdaten von Wetterstationen. Hier, direkt neben dem früheren Hotel an der Alexanderschanze, ist seine Schaltzentrale. Der Bereich, in dem er arbeitet, nennt sich Umweltmonitoring und Geodatenmanagement und gehört zum Fachbereich 2 – Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz. Im ganzen Nationalpark werden Daten gesammelt, sei es von Pflanzen, Pilzen oder Tieren – und eben auch vom Wetter. Das Team, dem auch Christoph Dreiser angehört, sammelt diese Daten und wertet sie aus.

 

 

Das klingt jetzt erstmal nicht nach den typischen, wilden Jobs, die man beim Nationalpark vor Augen hat – und tatsächlich sitzt Christoph Dreiser vergleichsweise viel hinter dem Schreibtisch: „Ich arbeite sehr viel indoor, was in unserem Fachbereich ungewöhnlich ist“, erklärt er. Doch schaut man sich mal genauer an, womit sich Christoph Dreiser und seine Kolleginnen und Kollegen so beschäftigen, wird klar: Umweltmonitoring und Geodatenmanagement ist ein sehr computerlastiger Bereich. Das Team erstellt beispielsweise Datenbanken und geographische Informationssysteme oder programmiert Apps. Aus Luftbildern und Laserscandaten entstehen am Rechner Landschaftsmodelle, die unter anderem zeigen, welcher Lebensraum sich für welche Tierart eignet. Und dann wurde hier auch ein System zur Erfassung von Wetterdaten aufgebaut: ein dichtes und für diese Landschaftsform repräsentatives Messnetz.

 

Wetterbeobachtung hat Tradition in Süddeutschland

Die systematische Wetterbeobachtung hat seine Wurzeln tatsächlich in Süddeutschland: Bereits 1781 errichtete Johann Jakob Hemmer an der kurfürstlichen Akademie der Wissenschaften in Mannheim das erste Messnetz mit einheitlichen Instrumenten und Methoden. 39 weltweit verteilte Messstationen entstanden – aber nur eine einzige überlebte die Wirren von Revolutionen und Kriegen und erhebt seit 1781 ununterbrochen Daten: die Station Hohenpeißenberg. Die dem Nationalpark am nächsten gelegene Messstation in Freudenstadt erfasst das Wetter immerhin schon seit 1881 – viele Jahre später kam eine Station auf der Hornisgrinde dazu. Im Nationalpark selbst gab es bis 2016 lediglich eine Regenmessstation am Ruhestein. Christoph Dreiser und seine Kolleginnen und
Kollegen haben das geändert.

Aber wie kommt man nun dazu, sich in den Höhen des Nordschwarzwalds mit dem Wetter zu befassen? Irgendwo in Ecuador hat sich Christoph Dreiser vor vielen Jahren entschieden, Geograph zu werden. Zuvor studierte er BWL, nach seinem Vordiplom war er mit dem Rucksack in Südamerika unterwegs. Die Faszination der tropischen Natur dort habe ihn dazu veranlasst, einen anderen Berufsweg einzuschlagen. Doch sein Weg führte nicht direkt in den Nationalpark – stattdessen lernte er nach seinem Studium in der früher noch als Entwicklungshilfe bezeichneten internationalen Zusammenarbeit viel von der Welt kennen. Dass er heute ausgerechnet im Schwarzwald sesshaft geworden ist, liegt auch an der Besonderheit des Projektes: „Ein Nationalpark ist ein ganz spezielles Naturschutzgebiet – zumal im dicht besiedelten Süddeutschland. Da ist doch klar, dass man das gerne macht!“

 

Einmalig in Deutschland

Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2015 begann Christoph Dreiser, das Wettermessnetz mit den inzwischen 20 solarstromversorgten, gezielt im Park installierten Helferlein zu konzipieren. Die Stationen stehen seit 2016 in Tälern, auf Bergrücken, Hängen oder an so genannten Karen – also in der von ehemaligen Gletschern ausgeschabten, charakteristischen Landschaftsform. Die Geräte stehen an diesen ausgewählten Punkten, um jedes klimatische Extrem im ganzen Gebiet abbilden zu können. Das Ziel: Das Wetter an wirklich jedem Ort im Nationalpark bestimmen zu können.

Keine leichte Aufgabe, immerhin muss Christoph Dreiser und seine Kolleginnen und Kollegen rund 10.000 Hektar abdecken – das sind ungefähr 14.000 Fußballfelder! Bei dieser Größe ist das Wettermessnetz im Nationalpark etwas, das deutschlandweit seines Gleichen sucht: „Im Nationalpark wird die Natur sich selbst überlassen. Unsere Artenexperten beobachten Pflanzen, Pilze und Tiere an 210 dauerhaften Beobachtungspunkten. Die Daten, die hier zusammenkommen, können wir mit unseren Wetterbeobachtungen kombinieren. Wir gehen davon aus, dass wir so besser nachvollziehen können, wieso sich die Vegetation an verschiedenen Standorten unterschiedlich entwickelt und welchen Einfluss das Wetter auf die Entwicklung hat“, erklärt Christoph Dreiser. „Langfristige Veränderungen können wir erst feststellen, wenn die Messreihe einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Das ist aber auch nicht weiter schlimm. Je länger die Messreihe geht, desto besser ist sie.“ Von Klima würde man ohnehin erst ab 30 Jahren durchgängiger Wetterbeobachtung reden. Es spricht also einiges dafür, dass sich Christoph Dreiser noch länger mit dem Wetter im Nationalpark Schwarzwald beschäftigen wird.

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