Zum Autor

Ayhan Altan

Bloggt im Auftrag von Kresse & Discher für den Nationalpark Schwarzwald.


Fragen zum Thema?

Nationalpark-Pressestelle

Tel.: +49 7449 92998-14
pressestelle@nlp.bwl.de

Freundeskreis: So sieht Begeisterung aus

03.08.2020 von Ayhan Altan in Kategorie: Blog
Zurück

Der Freundeskreis des Nationalpark Schwarzwald war eine treibende Kraft bei der Entstehung des Schutzgebiets und steht dem Park auch heute noch eng zur Seite. Aber wer sind die Menschen hinter dem Freundeskreis? Ich durfte einige Mitglieder kennenlernen und bekam interessante Einblicke in die Beweggründe für ihr Engagement. 

 

Aber erstmal: Was ist der Freundeskreis überhaupt und was tut er? 

 

Ich muss zugeben, so ganz sicher war ich mir auch nicht, bevor ich mich in das Thema eingelesen habe. Doch relativ schnell wurde mir klar, dass hier der Name Programm ist. Kurz gefasst, handelt es sich beim Freundeskreis um eine Gruppe von Befürwortern und Unterstützern des Nationalparks. Freunde eben. Kooperieren, fördern, engagieren und informieren – das sind die wichtigsten Schlagworte, die den Vereinszweck des Freundeskreises beschreiben. Im Infokasten sind alle wichtigen Eckdaten, Aufgaben und Ziele des Freundeskreises zusammengetragen. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Freundeskreises.

Gegründet im Dezember 2011

Sitz Baiersbronn

Rund 900 Mitglieder

 

Vereinszweck: Akzeptanz des Nationalpark Schwarzwald stärken  

kooperieren, fördern, engagieren und informieren

Der Vereinszweck soll verwirklicht werden durch:

  • Öffentliche, kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen zu Umwelt-, Natur- und Artenschutz
  • Beratende Tätigkeit
  • Konzeption und Realisierung von Bildungsveranstaltungen
  • Unterstützung und Organisation praktischer Natur- und Umweltschutzarbeit

Förderungen sonstiger Naturschutzmaßnahmen

„Der Nationalpark ist stark in der Region verankert“

 

Das sagt Martin Ehrlinger. Der gebürtige Offenburger hat nach seinem Biologiestudium viele Jahre als Biologe in der Bestandsaufnahme der Natur gearbeitet. Danach arbeitete er zwölf Jahre lang als Umweltpädagoge und baute unter anderem das ökologische Bildungszentrum in München auf. Seit 2015 ist er hauptamtlicher Mitarbeiter des Nationalpark Schwarzwald und sitzt im geschäftsführenden Vorstand des Freundeskreises.

Eins kann ich aus dem Gespräch mit Martin Ehrlinger vorwegnehmen: Er ist nicht nur selbst von der Natur und Landschaft des Nationalparks fasziniert. Er gibt seine Begeisterung für dieses Thema auch gerne weiter. So berichtete er mir von vielen interessanten Projekten und Veranstaltungen des Freundeskreises, die jetzt alle hier im Einzelnen gar nicht vorgestellt werden können. Er konnte mir allerdings einen sehr guten Überblick über die Entwicklung des Freundeskreises geben.

Gestartet ist der Freundeskreis als Kampagnenverein. Am Anfang ging es vor allem um die Frage: „Wird es einen Nationalpark geben?“ Der Freundeskreis leistete hier sehr viel Informations- und Aufklärungsarbeit. Nachdem das große Ziel 2014 erreicht worden war, entwickelte sich der Freundeskreis weiter zu einem Förderverein. Martin Ehrlinger beschreibt die neuen Herausforderungen folgendermaßen: „Auf was kann sich der Freundeskreis konzentrieren und wie kann er die Nationalparkidee weiter unterstützen?“. Daraus sind letztlich die vier Säulen kooperieren, fördern, engagieren und informieren hervorgegangen, die jetzt, so Martin Ehrlinger, mit Leben gefüllt werden. Er selbst setzt sich stark für Förder- und Bildungsprogramme ein.
 

 

„Eine krasse Erfahrung!“

 

So beschreibt Hubert Reif die Gründungszeit des Nationalpark Schwarzwald. Sieben Jahre ist es jetzt her, dass sich der Landtag von Baden-Württemberg für den Nationalpark ausgesprochen hat. Aber wie war die Stimmung damals und was hat sich seither verändert? Hubert Reif ist von Anfang an dabei und erzählt mir von seiner persönlichen Erfahrung. Der 66-Jährige hat Biologie auf Lehramt studiert. Er arbeitete in dritter Generation als Talsperrenwärter an der Schwarzenbach-Talsperre und sitzt im geschäftsführenden Vorstand des Freundeskreises. 

„Krass“ – sei das Wort, dass die Anfänge der Nationalpark-Debatte wohl am besten beschreibe, sagt Reif. „Ich hätte nie gedacht, dass Leute wegen dem Nationalpark so massiv auftreten. Es gab eine regelrechte Bewegung, die sich gegen den Nationalpark formiert hat.“  Autoaufkleber und Plakate gegen den Nationalpark, Buh-Rufe und massive Anfeindungen waren nur einige Beispiele, die er auch selbst erleben musste. Die Diskussion sei insgesamt „sehr emotional" geführt worden, was es ihm und anderen Befürwortern nicht einfach gemacht habe, sich als Nationalparkfreunde „zu outen“. Es habe sich eine klare Gegnerschaft gebildet, die zumindest auf regionaler Ebene, die Mehrheit gehabt habe.

Letztlich konnte nur die Entscheidung auf Landesebene das scheinbar Unmögliche schaffen, und der Nationalpark wurde Wirklichkeit. Für Hubert Reif die einzig richtige Entscheidung. Die schlechte Stimmung habe sich anschließend "ganz schnell gelegt“, erinnert sich Hubertus Reif. Vor allem die Tourismusbranche habe einen schnellen Schwenk hinbekommen und profitiere mittlerweile sehr stark vom Nationalpark. Insgesamt hat sich seiner Meinung nach eine positive Haltung dem Nationalpark gegenüber entwickelt. Diese habe man, so Hubert Reif, auch der Aufklärungsarbeit des Freundeskreises mit zu verdanken.

 

„Wir wollten zeigen, was da im Verborgenen liegt“

 

Der 26 Jahre alte Filmproduzent und Regisseur Simon Straetker brachte den Menschen die Schönheit der Natur auf eine ganz besondere Weise nahe. Mit seinen vier Kurzfilmen „Die vier Jahreszeiten“, die mit der Gründung des Nationalparks entstanden sind, zeigte er die verborgenen Schätze des Nationalparks. Damit wollte Simon Straetker die Akzeptanz des Nationalparks, die ja zu Beginn noch sehr unterschiedlich war, stärken.

Wer Lust hat, kann sich die Filme auf abenteuerschwarzwald.com anschauen. Eins sei schon mal verraten: Gänsehaut garantiert! Es lohnt sich, die Natur in all ihren Farben, Formen und Facetten auf sich wirken zu lassen.

Seine Leidenschaft für Filme und Natur brachte Simon Straetker auch im Young Explorers Programm des Freundeskreises zusammen. Ihm sei es einfach wichtig, Menschen für Naturschutz zu begeistern. Vor allem Jugendliche möchte Simon Straetker für den Nationalpark sensibilisieren. Aber was genau ist das Young Explorers Programm? Das Projekt umfasst ein Jahresprogramm, mit dem im Sommer stattfindenden Young Explorers Camp als Hauptbestandteil. Das Abenteuercamp basiert darauf, den Nationalpark eine Woche lang zu erkunden und entdecken und Wissenswertes über die Natur zu lernen. Neben dem Camp finden über das Jahr verteilt verschiedene weitere Aktionen statt.  Bei allen verbindet das Young-Explorers-Team wichtige Erkenntnisse der Natur mit spielerischen Elementen, die es den Jugendlichen einfach machen, das Thema aufzunehmen. Simon Straetker: „Wir sind auf einem guten Weg, eine tolle Gemeinschaft von jugendlichen Naturschützern aufzubauen. Wir möchten auch zu einem Vorbildprojekt für andere Nationalparks werden, vor allem was die Altersgruppe angeht. Unser Ziel ist es, da auch eine Gemeinschaft aufzubauen.“

 

„Natur und menschliches Dasein zusammenzubringen, ist eine Notwendigkeit.“

 

Für Hubertus Welt wird mit dem Nationalpark "der Wille der Menschen, wenigstens einen kleinen Teil der Natur zu erhalten beziehungsweise ihr zurückzugeben Wirklichkeit". Deshalb lebt und liebt der leidenschaftliche Naturschützer den Slogan „Natur Natur sein lassen“ und setzt sich seit Einrichtung des Nationalparks stark dafür ein. Er möchte seinen persönlichen Teil dazutun und die Verbindung zwischen menschlichem Dasein und Natur fördern. Seit einigen Jahren sitzt der 67-Jährige im geschäftsführenden Vorstand des Freundeskreises und versucht, wichtige Themen, die den Nationalpark tangieren oder die Bevölkerung bewegen zu erkennen und in Aktionen für den Freundeskreis umzusetzen.

Was ihn dabei antreibt? Ganz klar: Die Akzeptanz des Nationalparks in der Bevölkerung weiter zu erhöhen. Vier Punkte liegen ihm dabei besonders am Herzen:

  • Punkt 1: Noch mehr Naturbildung, insbesondere für junge Menschen. Und da stellt das neue Informationszentrum, das für Ende 2020 geplant ist, einen großen Schritt dar.
  • Punkt 2: Ranger weiterhin unterstützen. Die von freiwilligen und hauptamtlichen Rangern geführten Führungen vermitteln wichtige Erkenntnisse über Zusammenhänge in der Natur, die weiter gefördert werden müssen. 
  • Punkt 3: Zusammenschluss der aktuell getrennten Nationalparkteile. Noch besteht der Nationalpark aus zwei Teilen, die räumlich voneinander getrennt sind.
  • Punkt 4: Erkenntnisse, die sich aus dem geschützten Gebiet entwickeln, sollen der Allgemeinheit und besonderen Interessengruppen vermittelt werden. Damit gewinnt der Nationalpark Strahlkraft über seine Grenzen hinaus in das normale Leben der Menschen.

 

„Wir haben derzeit auf Facebook rund 5000, auf Instagram 1000 und auf Twitter 500 Follower.“

 

So sehen die aktuellen Zahlen auf den Social-Media-Plattformen des Freundeskreises aus. Dafür verantwortlich ist unter anderem Martin Rebbe. Der 49 Jahre alte Krankenpfleger für Onkologie ist als ehrenamtlicher Ranger tätig und kümmert sich auch um den Social-Media-Bereich des Freundeskreises. Dabei versucht er, mit seinen Kolleginnen und Kollegen die Themen des Nationalparks in der Öffentlichkeit zu verbreiten. „Wir streben an, auf Facebook und Twitter täglich zu posten und auf Instagram zweimal die Woche.“ Dabei soll der Nationalparkgedanke in die Öffentlichkeit getragen und so die Arbeit des Freundeskreises unterstützt werden.

Woher kommt seine Leidenschaft für Naturthemen? Auf meine Frage, wie seine persönliche Bindung zum Nationalpark sei, antwortet er mit seinem großem Hobby Astronomie. Astronomie und Nationalpark? Am Anfang dachte ich, ich hätte mich verhört, als Martin Rebbe, die Worte „Forschung“ und „Astronomie“ im Kontext Nationalpark nannte. Aber dieses Interesse an naturwissenschaftlichen Themen brachte ihn letztlich zum Nationalpark. Besonders den Gedanken der „citizen science“ (Bürgerwissenschaft) im Nationalpark findet er sehr spannend und begleitet seither die Arbeitsgemeinschaft „Biologische Vielfalt“.

 

Mein Eindruck vom Freundeskreis: So sieht Begeisterung aus! Ich durfte verschiedene Mitglieder persönlich kennenlernen und das Engagement und vor allem die Leidenschaft für den Nationalpark hautnah erfahren. Fünf Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, die am Ende doch ein gemeinsames Ziel haben: die Nationalparkidee vorantreiben. Und das auf ihre eigene persönliche Weise.

 

 

Kommentare

Aktuell sind noch keine Kommentare vorhanden.

Hinterlasse uns einen Kommentar:

Verbleibende Zeichen: 600