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Oliver Gewald

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Vom Seemann zum Ranger

12.03.2020 von Oliver Gewald in Kategorie: Blog
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Warum ein echter Schwarzwälder zunächst die Welt bereist, um dann als ehrenamtlicher Ranger die Natur zu schützen.

Hermann Naegele zieht nochmal die Schnürsenkel fest. Auf seinem Hut sitzt die kleine Anstecknadel mit dem Logo des Nationalparks Schwarzwald. Draußen beginnt es gerade zu schneien, eine Seltenheit in diesem Winter. Trotzdem scheint sich Hermann Naegele still in sich hineinzufreuen, dass er nun mehrere Kilometer vom Ruhestein zum Schliffkopf wandern darf. Während andere Menschen bei diesem Wetter nicht mal das Sofa verlassen würden, ist der gebürtige Schwarzwälder gerne im Nationalpark unterwegs.


Als Seemann durch die Welt

Das Wetter hat Hermann Naegele noch nie gestört. In jungen Jahren zog es ihn hinaus in die Ferne. Als Seemann hat er alle Kontinente dieser Erde bereist. „Im brasilianischen Urwald oder in Japan auf dem Fujiyama – damals gab es noch sehr lange Liegezeiten. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, viele Kontinente wirklich zu erleben.“ Dennoch ist er nach all den Jahren in den Schwarzwald zurückgekehrt. Die Heimat habe wieder an ihm gezogen, erzählt er mir. Ein Grund dafür liegt heute vor seiner Haustür in einem Seitental des Mitteltals: der Nationalpark Schwarzwald.

Als der Nationalpark erstmals ins Gespräch gekommen ist, habe er für sich persönlich abgewogen: Ist das sinnvoll? „Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass wir viel zu wenig für die Natur tun. Ich persönlich wollte mich da einbringen.“ Und so ist er seit Tag eins dabei.


Eine Ausbildung gehört dazu

Mittlerweile geht er, je nach Jahreszeit, fast jeden zweiten Tag in den Nationalpark. Neben den Gebietskontrollen übernimmt er im Winter auch mal Schneeschuhwanderungen, im Sommer Führungen durch den Park. Für den Dienst als ehrenamtlicher Ranger wurde er speziell geschult. In der Ausbildung lernen alle Anwärter auf einen Rangerjob, auf was es im Nationalpark ankommt und wie der Kontakt zu den Besucherinnen und Besuchern hergestellt werden kann. Ehrenamtliche, die gerne Führungen übernehmen möchten, werden ebenfalls speziell ausgebildet. Neben den monatlichen Fortbildungen erhalten alle ehrenamtlichen Ranger auch einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs mit Fokus auf den Outdoor-Bereich.

Steht keine besondere Führung an, macht Hermann Naegele – wie heute – eine Wegekontrolle, um Ansprechpartner für die Gäste des Parks zu sein und sie bei Verstößen gegen die Regeln im Schutzgebiet auch aufzuklären. Wir wandern vom Nationalparkzentrum Ruhestein bis zum Schliffkopf. Es geht teilweise steil nach oben, auf dem schneebedeckten Boden ist das ganz schön anstrengend. Vorbei an einer Skisprungschanze und über in den Weg gewachsene Bäume geht es bis zu einer Ebene über dem Hotel Schliffkopf. Grandiose Aussicht inklusive.
 

„Kinder vergessen das nie“

Unterwegs geht Hermann Naegele nochmal genauer darauf ein, wieso er ehrenamtlicher Ranger geworden ist. „Was mir sehr am Herzen liegt, ist die Bildung: Kinder auf die Natur vorzubereiten oder ihnen die Chance zu geben, beispielsweise in den Trekking-Camps eine Nacht im Nationalpark zu verbringen.“ Neben den üblichen Aufgaben der Ehrenamtlichen, kümmert Hermann Nägele sich nämlich auch mit um zwei der drei Trekking Camps im Nationalpark Schwarzwald. „Das ist unglaublich wichtig“, erklärt er mir während eines steilen Aufstiegs, der uns beiden sehr zu schaffen macht. Trotz der Anstrengung ist es ihm wichtig, mir dieses Anliegen näherzubringen. „Wenn Kinder eine Nacht im Wald übernachten dürfen, vergessen sie das nie. So werden sie auch an die Natur herangeführt, dafür sensibilisiert“, schnauft er, völlig außer Atem.

Die Aufgabe des ehrenamtlichen Rangers ist für Hermann Naegele viel mehr als nur ein Hobby. Ich spüre: Neben der großen Verbundenheit zur Natur liegen ihm auch der Bildungsauftrag und der Naturschutz am Herzen. Dabei in den schönsten Ecken des Schwarzwaldes unterwegs sein zu dürfen, ist ein wunderschöner Randaspekt.

Auch wir werden an diesem Tag für unsere Wegekontrolle belohnt. Auf dem Schliffkopf, direkt über dem dortigen Hotel, hört der starke Schneefall auf, sogar die Sonne kommt kurz raus. Ich blicke über den verschneiten Schwarzwald, Wolken ziehen durch die Spitzen der Tannen – und ich verstehe, warum Hermann Naegele ehrenamtlicher Ranger geworden ist.

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