Wie uns der Nationalpark etwas über den Frieden lehrt

27.11.2020 von Oliver Gewald in Kategorie: Blog

Zwischen all der Idylle lassen sich im Nationalpark Spuren aus längst vergangenen Tagen entdecken, die heute als Mahnmale des Friedens dienen. Nationalpark-Blogger Oliver begibt sich auf Spurensuche.

Während einer Wanderung im Nationalpark ist so einiges zu entdecken. Ob die unberührte Wildnis des Bannwaldes, das harmonische Orchester der Vögel in den Baumkronen oder herrliche Ausblicke über die Gipfel des Schwarzwaldes. Sorgen verschwinden hier wie im Flug. Doch wenn ich als Nationalpark-Blogger eines gelernt habe, dann ist es der Blick für das Verborgene. Und wenn man ganz genau hinschaut, eröffnen sich ungeahnte Welten – unter anderem auch aus einer Zeit, in der Frieden ein Privileg war.

Schon die Habsburger zogen durch den Nationalpark

Doch der Reihe nach. Wer damals im Geschichtsunterricht ganz genau aufgepasst hat, der weiß: Der Nationalpark hat schon so einiges auf dem Buckel. Die bergige Gegend, in der sich heute Naturliebhaber ihre Prise Erholung holen, war nicht immer so ruhig und friedlich. Vor fast 300 Jahren zogen hier nicht Wanderer durch die Wälder, sondern die Truppen der Habsburger und der Bourbonen. Diese großen Streitmächte bekämpften sich über viele Jahrhunderte – und der Nationalpark lag genau zwischen den beiden Machtzentren Paris und Wien. Auch wenn das Gelände für einen militärischen Streifzug zunächst unwegsam erscheint: Der kürzeste Weg führte tatsächlich mitten durch den Südteil des heutigen Nationalparks.

Ein unscheinbares Sechseck im Wald

Doch lässt sich davon heute überhaupt noch etwas im Nationalpark entdecken? Einer, der sich ganz genau mit der militärischen Geschichte des Nationalparks auskennt, ist Friedrich Wein. Der Architekt hat sich auf historische Gebäude spezialisiert – und damit auch auf Bunkeranlagen. Ihn treffe ich an einem Ort, an dem von einem ehemaligen Militärstützpunkt zunächst keine Spur mehr zu sehen ist. An einem Wanderweg, der hinter der Oppenauer Steige in die Tiefen des Waldes hineinführt, wartet Friedrich schon auf mich. Wir gehen ein paar Meter den Weg entlang, bis der Bunkerexperte abrupt stehen bleibt. „So, da sind wir schon“, sagt er plötzlich. Wir stehen vor einem offenen Feld – und außer einem einsamen Baum ist hier nichts zu sehen, was auf militärische Überreste schließen lassen würde. „Vor 226 Jahren wurde hier ein Bunker gebaut“, erklärt Friedrich. 226 Jahre!? Kein Wunder also, dass hier mittlerweile die Natur wieder die Oberhand gewonnen hat. Der Ort ist so unscheinbar, dass während unseres Interviews sogar Touristen anhalten und nachfragen, was es denn hier zu fotografieren gäbe. So ganz genau kann ich es ihnen selbst nicht erklären. Denn außer dem längst überwucherten Graben, der sich um den früheren Bunker zieht, ist nichts mehr zu sehen.

Wie der zweite Weltkrieg die Schwarzwaldhochstraße prägte

„Sowas gibt es im ganzen Nationalpark“, erzählt Friedrich, als wir zurück zum Auto gehen. Schanzen- und Bunkeranlagen, ehemalige Feldlager. Es sind Einrichtungen, die entscheidend in die sonst nahezu unberührte Natur des Nationalparks eingegriffen haben. Doch es sind nicht nur die militärischen Bauwerke an sich, die den Schwarzwald geprägt haben. Auch die Infrastruktur, wie wir sie heute kennen, wurde entscheidend durch Kriege beeinflusst. „Nehmen wir die Schwarzwaldhochstraße“, führt Friedrich an. „Sie wurde nach dem ersten Weltkrieg gebaut – damals noch rein aus touristischen Gründen.“ Deshalb sei der erste Abschnitt der Strecke auch gen Westen ausgerichtet, um so einen schöneren Ausblick zu bieten. „Als der zweite Weltkrieg begann, wurde die Straße jedoch verstärkt nach Osten gelegt. So hatte der Gegner keine Einsicht in die Truppenbewegungen.“

Das unscheinbare Mahnmal auf der Hornisgrinde

Ich begleite Friedrich weiter zur Hornisgrinde. Hier, unweit des Nationalparks, verbirgt sich wohl die Sichtbarste aller militärischen Überreste. Den Älteren unter uns wird der höchste Berg des Nordschwarzwaldes noch als Sperrgebiet in Erinnerung sein – für mich, der im Jahr 1995 geboren wurde, eine nahezu utopische Vorstellung. Auch an diesem sonnigen Tag im Oktober tummeln sich hunderte Touristen um den Hornisgrindeturm. Sie schlendern auf dem Berggipfel herum, genießen die Aussicht, machen Bilder. Ungeachtet bleibt dabei jedoch eines: Der Eingang zum französischen Bunker gegenüber der Grindehütte.

Fast das ganze Jahr über bleibt die Tür geschlossen, der Bunker im Verborgenen. Doch an einigen wenigen Tagen öffnet Friedrich Wein die Tore. Mithilfe von historischen Aufzeichnungen, Ausstellungsstücken und großem Fachwissen möchte er dann über das informieren, was sich hier, auf über 1000 Metern Höhe, versteckt. Denn für Friedrich sind die Bunker mehr, als nur marode Gebäude. Vielmehr sind es Mahnmale des Friedens. „Wir sind im Frieden aufgewachsen. Wir wissen das gar nicht genug zu schätzen – und wir müssen alles daran setzen, dass das so bleibt.“

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Zum Autor

Oliver Gewald

Bloggt im Auftrag von Kresse & Discher für den Nationalpark Schwarzwald.


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