Zum Autor

Flavius Popa

Pilzexperte des Nationalpark Schwarzwald

Tel.: +49 7442 18018 240
flavius.popa@nlp.bwl.de

Der Leuchtende Prachtbecher

Der Pilz des Monats Juni 2020

01.06.2020 von Flavius Popa in Kategorie: Pilz des Monats
Zurück

In unserer Kategorie "Der Pilz des Monats" stellt Ihnen Mykologe Flavius Popa jeden Monat einen Pilz vor, der im Nationalpark Schwarzwald vorkommt.

Der Pilz des Monats ist dieses Mal der Leuchtende Prachtbecher (Caloscypha fulgens Pers.) Boud. oder doch Geniculodendron pyriforme G.A. Salt oder beides?

Wie kann ein Pilz zwei Namen haben, die Eindeutigkeit sollte doch durch den lateinischen Namen gegeben sein? Anhand des Leuchtenden Prachtbecherlings möchte ich gerne eine der Schwierigkeiten der Klassifizierung von Pilzen erläutern. Der Pilz des Monats Juni ist eine sehr auffällige und durch seine auffällige Farbe - leuchtend Orange in Kombination mit einer olivgrünen Außenseite - bei uns nahezu unverwechselbare Pilzart. Die Farbe ist auf verschiedene Betacarotine zurückzuführen, eine Gruppe von Farbstoffen, die auch für die gelbe bis rote Farbe von Obst und Gemüse verantwortlich sind. Der Leuchtende Prachtbecher ist ein sogenannter Streuabbauer. Er kommt nur an Tanne in montanen Tannen- und Tannenmischwäldern auf kalkhaltigen Böden vor und ist deshalb im Nationalpark Schwarzwald nur entlang geschotterter Wege zu finden. Der diesjährige Fund war der Erstfund des Leuchtenden Prachtbecherlings im Nationalparkgebiet. Die Art ist deutschlandweit nicht häufig und auf der Roten Liste Deutschland als stark gefährdet (2) vermerkt.

Aber wieso hat die Art zwei lateinische Namen?

Viele Pilze haben die Möglichkeit, neben sexuellen Sporen, die oft in Fruchtkörpern gebildet werden (Teleomorph), auch asexuelle Sporen (Anamorph) zu produzieren. Diese sind alle genetisch gleich, also Klone, und haben die Funktion der Massenverbreitung von genetischem Material, während die sexuellen Sporen der Fortpflanzung und dem genetischen Austausch dienen. Das, was wir als Schimmel kennen, ist oft eine typische asexuelle Verbreitungsform von Pilzen. Da die beiden Stadien sexuell und asexuell meist sehr unterschiedlich aussehen, wurden sie in der Vergangenheit oft separat voneinander beschrieben. So haben viele Pilze zwei Namen erhalten, einen für ihr sexuelles Stadium und einen für ihr asexuelles. Mit Hilfe moderner genetischer Untersuchungsmethoden konnte man die Zusammengehörigkeit vieler Stadien feststellen. Inzwischen arbeitet man daran, die zwei Namen wieder zu einem Namen zusammenzuführen, was aber zu vielen Fragen und Problemen führen kann, zum Beispiel, welcher Name soll beibehalten werden?

Im Fall des Leuchtenden Prachtbecherlings ist es sogar noch komplizierter. Das asexuelle Stadium Geniculodendron pyriforme wurde bisher ausschließlich in Nordamerika beschrieben und ist in Europa nur durch Verschleppung von Nadelbaumsaatgut aus Nordamerika nachgewiesen. In Nordamerika ist Geniculodendron pyriforme ein Forstpathogen an Nadelbäumen. In einer Untersuchung konnte eine erhebliche genetische Variation zwischen Funden von verschiedenen Standorten in Nordamerika und Europa nachgewiesen werden. Bisher fehlt aber eine Arbeit, die die Funde aus verschiedenen Teilen Nordamerikas und Europas vergleichend untersucht. So bleibt offen, ob der Leuchtende Prachtbecher und das zugehörige asexuelle Stadium aus Nordamerika dieselbe Art wie die europäische ist.

Kommentare

Aktuell sind noch keine Kommentare vorhanden.

Hinterlasse uns einen Kommentar:

Verbleibende Zeichen: 600