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Naturschutz und Naturerlebnis in besonderen Zeiten

27.05.2020 von Pressestelle in Kategorie: Nachrichten
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Natur vor der Haustür wichtiger denn je für Gesundheit/ Artenschutz benötigt Rücksicht und Zurückhaltung

Der Frühling geht langsam in den Sommer über, die Pfingstferien stehen bald an. Soweit, so normal. Doch im Jahr 2020 ist nichts wie sonst. Homeschooling, Homeoffice und starke Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens lassen derzeit Nerven blank liegen. Wann Reisen ohne Auflagen wieder möglich sein werden, ist noch nicht abzusehen. Deshalb nutzen viele Menschen die Möglichkeit, wenigstens die nahegelegene Natur ausgiebig zu genießen. Das ist auch im Nationalpark zu spüren.

„Auf unseren Gebietsrundgängen merken wir, dass derzeit viele Menschen auf Ziele im Inland ausweichen“, so Patrick Stader, Leitender Ranger des Nationalparks Schwarzwald. „Es sind zwar kaum Gäste aus dem Ausland unterwegs, dafür aber eben mehr Menschen aus der Region und aus ganz Deutschland. Auch einige, bei denen man den Eindruck gewinnt, dass sie normalerweise wohl eher selten im Wald wandern gehen. Wir haben – auch wegen des anhaltend guten Wetters – also weiterhin ein hohes Besuchsaufkommen und müssen auch häufig auf unsere Regeln und das richtige Verhalten im Schutzgebiet hinweisen. Dazu kommen natürlich noch die Corona-Verordnungen des Landes: Mindestabstände müssen eingehalten werden und die Gruppengröße muss den geltenden Regeln entsprechen. Meist zeigen sich die Menschen verständnisvoll, aber manchmal bleiben Diskussionen nicht aus.“

Für die Gesundheit ist es dabei wichtiger denn je, Natur und Wildnis positiv erleben zu können. „Gerade jetzt fühlt es sich wie ein Tapetenwechsel an, draußen in der Natur zu sein“, so Psychologin Kerstin Ensinger, die im Nationalpark Schwarzwald die sozialwissenschaftliche Forschung leitet. „Der digitalen Welt den Rücken kehren, den Blick schweifen lassen, sich von allen Sinnen berühren lassen, sich durchpusten lassen, tief durchatmen: Das sind ungemein wichtige Erlebnisse! Natur hilft uns so dabei, notwendige Erholungsprozesse anzustoßen und Stress abzubauen. Wenn wir einen Wald betreten, der schon deutlich wildere Strukturen hat, tauchen wir richtiggehend in eine andere Welt ein. Das lässt uns psychische Distanz erleben. Wir haben das Gefühl, weg vom Alltagsgeschehen zu sein“, sagt Kerstin Ensinger.  

Doch die Sehnsucht des Menschen nach diesem Naturerlebnis kann – bei Fehlverhalten – einen hohen Preis für die Artenvielfalt im Nationalpark bedeuten. Marc Förschler, Leiter der naturwissenschaftlichen Forschung, registriert das hohe Besuchsaufkommen im Nationalpark Schwarzwald mit gemischten Gefühlen. „Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen die Natur erleben wollen. Aber der Stress für die Tiere steigt derzeit ungemein an“, erläutert der Biologe. „Bodenbrüter wie Waldschnepfen, Auerhühner und verschiedene Pieper-Arten sind beispielsweise immer noch mit Brut und Aufzucht beschäftigt. Die zahlreichen Menschen verursachen Störungen, die die Tiere nicht richtig zur Ruhe kommen lassen und mitunter sogar ihre Vermehrung gefährden. Dabei sind nicht nur viele Wanderer unterwegs – E-Bikes ermöglichen es auch immer mehr Radfahrern, die Höhenunterschiede zu meistern und im Nationalpark zu radeln. Und nachts sieht man dann Wohnmobile auf den Parkplätzen stehen. So wird es für die Tiere zunehmend schwer, ein ruhiges Plätzchen zu finden, das ist leider die Kehrseite der Medaille.“

Das durch SARS-CoV-2 auf den Kopf gestellte Leben wird noch lange viel Zurückhaltung im Alltag erfordern. Gleichzeitig darf man aber auch die Bedürfnisse der Natur nicht aus dem Blick verlieren. Denn mittlerweile ist klar: „Zu einer modernen Gesundheitsfürsorge gehört auch der Schutz von Wildnis und Ökosystemen – das Erlebnis intakter Natur reduziert Krankheitsrisiken“, sagt Kerstin Ensinger. „Derzeit ist es deshalb wichtiger denn je, die Regeln im Nationalpark zu beherzigen: Bleiben Sie auf den Wegen und nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine. Das sind die einfachsten Verhaltensregeln, um die Natur, die für den Menschen mindestens so wichtig ist wie für alle anderen Lebewesen, mit dem Respekt zu behandeln, der ihr zusteht“, so Patrick Stader.


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