So wirst du zum Spurensucher

Mit Experte Rafael Kratzer unterwegs

25.02.2021 von Team Wildnisbildung in Kategorie: WibiDigi

Die Sonne scheint durch die schneeverhangenen Bäume, der Schnee glitzert eben und ruhig. Direkt am Fuß einer mächtigen Fichte ist das einheitliche Weiß unterbrochen. Eine Spur? Oder ist doch nur etwas Schnee vom Ast gefallen, der ein Loch in der Schneedecke hinterlassen hat?

Bei genauerem Hinsehen ist klar: Es ist nicht nur ein Tapser. Von der Fichte zieht sich eine Spur meterlang durch den frischen Schnee und endet wieder an einem Baum. Was ist hier passiert? Es braucht Aufmerksamkeit und auch ein bisschen Hintergrundwissen, um solche Geheimnisse des Waldes lüften zu können.

Um die Grundlagen zu lernen, nimmt Wildtierbiologe Raffael Kratzer dich mit auf Spurensuche. Er ist Experte für Wildtiere und erforscht mit Wildtierkameras und Spurenlesen die Verbreitung und das Verhalten wilder Tiere im Nationalpark Schwarzwald. Schau rein!

Was ist eine Spur?

Spuren sind viel mehr als der einzelne Abdruck einer Pfote oder eines Hufes. Spuren verratenetwas über die Anwesenheit eines Tieres. Und das Schöne an Spuren ist, auch wenn man die Tiere nicht direkt sieht, weiß man, dass sie da waren und, wenn wir weg sind, wahrscheinlich auch wieder kommen werden. Also was sind jetzt alles nochmal Spuren?

  • Abdrücke von Pfoten, Hufen im Schnee, Lehm, Schotter oder Sand
  • Kratzspuren, zum Beispiel an Bäumen
  • Kot, also die Ausscheidung von Tieren
  • Bissspuren, zum Beispiel eine abgekaute Knospe eines Baumes oder an der Rinde
  • Haare

Spuren erzählen Geschichten

Wer mit Raffael unterwegs ist, kann den Eindruck gewinnen, dass er anders sieht als wir. Oder mehr. Eine Spur erzählt für ihn eine Geschichte. Die Spur kommt nicht aus dem Nichts, sondern kommt aus einer Richtung und verläuft in eine Richtung. Was wir an einer Stelle entdecken können, ist immer nur ein kleiner Ausschnitt oder ein Puzzlestück. Ein Hinweis auf die größere Geschichte. Das Tier hat zu diesem Zeitpunkt etwas gemacht. Um eine Spur lesen zu können, braucht ihr deshalb auch Wissen über die Tiere: wie sie leben, wie sie sich ernähren und bewegen, wie ihr Tritt aussieht, wie weit auseinander ihre Schritte sind, und noch vieles mehr.

Für den Anfang ist es schon ganz schön schwierig, überhaupt darauf zu kommen, welches Tier eine Spur hinterlassen hat. Diese Fragen können euch helfen:

  • Wie ist die Form des Abdrucks?
  • Wie groß ist der Abdruck?
  • Ist die Form klar erkennbar?
  • Sind Krallen erkennbar?
  • Ist der Abdruck zweigeteilt? Das nennt man dann Schalen, wie sie zum Beispiel Rehe, Hirsche und Wildschweine haben.
  • Wie weit sind die einzelnen Abdrücke der Spur auseinander?
  • Wie verläuft die Spur? Geht sie gerade durch den Wald oder geht sie Zickzack von Punkt zu Punkt?

 

Ganz schön viele Fragen, was?

Es ist nicht wichtig, alles zu beantworten zu können. Ein erfahrener Spurenleser wie Raffael hat dafür Jahrzehnte geübt. Aber mit ein bisschen Übung könnt ihr schon bald unterscheiden, ob da ein Reh oder ein Marder unterwegs war. Wer ganz viel übt, kann schließlich sogar solche Fakten aus der Spur lesen:

  • Tierart
  • Geschlecht des Tieres
  • Alter des Tieres
  • Wann war das Tier hier (Alter der Spur)
  • Geschwindigkeit des Tieres
  • Was hat es gemacht: Nahrungssuche, zielstrebiges Fortbewegen?
  • War ein anderes Tier beteiligt?

Selber Spuren suchen

Wenn du selber Spuren suchen willst, kannst du eigentlich zu jeder Jahreszeit starten. Im Winter, in einer geschlossenen Schneedecke findest du schnell Abdrücke, was einfach Spaß macht. Häufig sind die Abdrücke aber schon wieder zugeschneit oder angeschmolzen - und dann ist es schwierig zu sagen, welches Tier die Spur hinterlassen hat.

Ohne Schnee findest Du Trittspuren zum Beispiel an nassen Stellen, wo es lehmig ist, oder auch in losem Schotter oder auf der Wiese. Diese Spuren sind manchmal etwas schwieriger zu finden, aber zum Beispiel im Lehm sehr gut erkennbar. Dort halten sie sich manchmal über Wochen.

Worauf du achten musst

  • Schau dir die ganze Spur an: Woher kommt sie, wohin geht sie?
  • Nimm einen Meterstab zum Messen mit: Wie groß ist der Abdruck? Wie weit sind die Tritte voneinander entfernt?
  • Mit einem Handy oder einer Kamera kannst du deine Funde gut festhalten. Und so kannst du zu Hause nachschlagen, wenn du kein Buch über Spuren dabei hast.
  • Du solltest die Spur ein paar Meter verfolgen. Aber achte darauf: Im Nationalpark Schwarzwald darfst du nicht abseits der Wege gehen. Bist du in einem nicht geschützten Gebiet, kannst du auch ein bisschen weiter gehen.

Zum Üben gibt es von der Zeitschrift Geo ein kleines Quiz für Jugendliche und Erwachsene und ein leichteres Quiz für Kinder.

Wer genau hinschauen möchte findet beim Jagdverband eine gute Übersicht über die heimischen typischen Tiere und ihre Spuren.

 

Wir wünschen dir viel Spaß beim Spuren finden!

Wenn du einen Fund gemacht hast, schicke uns gerne deine Bilder an wildnisbildung@nlp.bwl.de und poste es unter #wibidigi auf Instagram und Co.

Und wer bis hier gelesen hat: Die Situation vom Anfang des Artikels ist häufig bei Spuren des Eichhörnchens zu beobachten. Sie hüpfen entweder von Baum zu Baum oder kommen von einem Baum, springen durch den Schnee und klettern bei einem anderen Baum wieder nach oben.

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Zum Autor

Team Wildnisbildung

Begeistert im Nationalpark für Wildnis – und bloggt für euch, um Eindrücke aus dem Nationalpark zu euch nach Hause und Anregungen in euren Alltag zu bringen.

Tel.: +49 7842 9 96 54 25
wildnisbildung@nlp.bwl.de

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