Mähen, Muhen oder Mulchen - was macht Wildwiesen wertvoll für Insekten und Pflanzen?

06.06.2022 von Stefanie Gärtner in Kategorie: Nationalparkforschung
Dr. Maria Georgi – Doktorin aus dem Nationalpark Schwarzwald - zum Thema ihrer Promotion, des ökologischen und naturschutzfachlichen Werts von Wildwiesen und deren Bewirtschaftung im Nationalpark Schwarzwald 

Was mit den Pflanzen und den auf oder von Wildwiesen lebenden Insekten passiert, je nachdem, wie man eine Wiese pflegt - mit dieser Frage beschäftigte sich Maria Georgi: Sie hat 2021 ihre Promotion zur Auswirkung unterschiedlicher Pflegekonzepte auf Pflanzen-Insekten Interaktionen abgeschlossen. Die Geländeuntersuchungen zu diesem an der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie der Universität Freiburg gelaufenen Projekt fanden auf Wildwiesen im Nationalpark Schwarzwald statt.

Hier stellt sie ihre Arbeit und die Ergebnisse kurz vor:

Maria, worum ging es in deiner Promotion? Was hast du gelernt und was möchtest du dem Nationalparkteam und der Öffentlichkeit mitgeben?

Zu Beginn meiner Doktorarbeit sind uns viele wichtige und bislang unbeantwortete Fragen zu Äsungsflächen für Wildtiere und im speziellen Wildwiesen eingefallen. Beispielsweise: Können Äsungsflächen im Wald überhaupt artenreich sein? Welche Rolle spielen sie für den Naturschutz und sind sie wertvoll genug, um erhalten zu werden?

Ein Nationalpark ist in erst Linie dazu da, die Natur sich selbst zu überlassen. In der Managementzone - im Falle des Nationalparks Schwarzwald sind das maximal 25 Prozent der Gesamtfläche - kann man wertvolle, pflegebedürftige Habitate aber auch gezielt erhalten. Überlässt man Wiesen auf einem Waldstandort sich selbst, werden sie sich vermutlich über kurz oder lang in den meisten Fällen zu Wald entwickeln. Um diese Entwicklung ganz genau zu beobachten, war es wichtig, kurz nach der Gründung des Nationalparks den Zustand möglichst aller Wildwiesen im Park zu erheben. Dies war ein kleiner Teil meiner Arbeit.

Meine Daten können nun bei Bedarf in den nächsten Jahren mit neueren Daten auf den Wiesen verglichen werden. So kann genau nachvollzogen werden, wie sich Wiesen im Wald weiterentwickeln, wenn sie sich selbst überlassen werden. Meine Untersuchungen zeigten, dass die Äsungsflächen bis zu 50 Pflanzenarten enthalten können, was man als sehr artenreich einstufen kann. Hinzu kamen einige Rote Liste Arten - sowohl bei den Pflanzen als auch bei den Insekten.

Doch wie sollen die Wildwiesen in der Managementzone gepflegt und damit in ihrer Wertigkeit erhalten oder verbessert werden?

Das war mein zweiter wichtiger Schwerpunkt innerhalb meiner Arbeit. Zunächst sei dazu gesagt, dass es abhängig von der Vegetation immer eine der lohnenswertesten Möglichkeiten ist, Offenland offen zu halten, in dem man ein- zweimal im Jahr mäht oder extensiv beweidet. Dies dann am besten mosaikartig, also nie die ganze Wiese auf einmal, damit sich die Insekten auf den nicht geschnittenen Teil der Wiese flüchten können.

Ist Mähen oder Beweiden aus verschiedenen Gründen nicht möglich, kann auch das Mulchen eine Alternative darstellen. Innerhalb meiner Arbeit habe ich nur das Mulchen untersucht. Da viele Wildwiesen in Europa nur gemulcht werden, wollte ich wissen, wie man Insekten am besten schonen kann, wenn man Mulchen muss.

Heraus kam, dass es von den Insektengruppen abhängt: Möchte man Bestäuber schonen, ist es sehr gut, im September zu mulchen. Möchte man solitär lebende und in kleinen Hohlräumen nistende Wespen schützen, ist es aber besser, im Juni zu mulchen. Auch für Schmetterlingsraupen und Pflanzenwespenraupen ist es besser, im Juni zu mulchen. Der Zeitpunkt hängt also vom Ziel ab. Nicht untersucht habe ich, ob ein Mulchen in Streifen die unterschiedlichen Bedürfnisse der Artengruppen erfüllen könnte. Die Vermutung liegt jedoch nahe.

Zusammenfassend ist zu sagen: Aus bereits vorhandener Literatur wissen wir, dass man eine Wiese mähen oder beweiden sollte, wenn es geht. Von meiner Arbeit wissen wir: Falls Mähen oder Beweiden nicht möglich ist und man mulchen muss, bietet sich das Mulchen eines Teils der Fläche im Juni an und des zweiten Teils dann im September. Im nächsten Jahr tauscht man die beiden Teile.

Das Team von Fachbereich 2 bedankt sich ganz herzlich bei Dr. Maria Georgi für ihren unermüdlichen Einsatz und die hervorragende und angenehme Zusammenarbeit!

P.S.: Wir werden mit der Veröffentlichung der einzelnen Artikel die Details hier präsentieren.

 

Georgi M (2021) Game meadow vegetation and effects of different management times on insects. Dissertation, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

 

Beschreibung des Projekts auf dem Forschungsserver

 

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