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Nationalpark Schwarzwald
Schwarzwaldhochstr.2
77889 Seebach}
07449 - 92998 0
07449 - 92998 499
info@nlp.bwl.de

Kontakt

Ansprechpartner "Soziokulturelles Monitoring":

Bei Fragen zum soziokulturellen Monitoring können Sie sich gerne an unsere zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden.


Dr. Kerstin Botsch
Soziokulturelles Monitoring, Forschung zu Partizipation und Akzeptanz
Tel.: +49 7442 18018 340
kerstin.botsch[at]nlp.bwl.de


Dr. Susanne Berzborn
Soziokulturelles Monitoring, Forschung zu Partizipation und Akzeptanz, Erholung und Gesundheit
Tel.: +49 7442 18018 341
susanne.berzborn[at]nlp.bwl.de

Soziokulturelles Monitoring

"Soziokulturelles Monitoring" – was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Im Allgemeinen bedeutet Monitoring, bestimmte Themen im Zeitverlauf wiederholt zu untersuchen. Damit können wir feststellen, ob – und wenn ja, was – sich verändert. Im soziokulturellen Monitoring beobachten, beschreiben, dokumentieren und analysieren die Forscherinnen und Forscher kulturelle und gesellschaftlich relevante Themen. Das kann beispielsweise die Frage nach der Bedeutung der Natur für die Menschen sein. Das soziokulturelle Monitoring soll sowohl gesellschaftliche Vorstellungen und Erwartungen gegenüber dem Nationalpark – und damit auch gegenüber der Natur im weitesten Sinne – als auch soziale Praktiken im Nationalpark zu verschiedenen Zeitpunkten erfassen. Hier geht es also darum zu untersuchen, wer was in der Natur macht und welchen Sinn er oder sie damit verbindet. Mit diesem Instrument könnten aktuelle und zukünftige Ansprüche an den Nationalpark erkannt und nach Möglichkeit auch berücksichtigt werden.

Im Zentrum der Forschung stehen die Wahrnehmung der Menschen und die Erwartungen, die daraus resultieren. Was man sich dabei unter Natur vorstellt, kann ganz unterschiedlich aussehen und hängt von kulturellen und historisch gewachsenen, also sozialen Gegebenheiten ab. Auch aktuelle Lebensumstände prägen die jeweiligen Vorstellungen von Wald: Ob man in einer Großstadt in einem Büro arbeitet oder im ländlichen Raum zu Hause ist, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Einfluss auf die Einstellung zur Natur. Einhergehend mit den Lebensumständen sind auch die Bedürfnisse und Erwartungen an die Natur und an den Nationalpark ganz verschieden.

Das soziokulturelle Monitoring basiert auf drei Säulen. Mit jeder Säule wird – mit jeweils eigenen sozialwissenschaftlichen Methoden und spezifischen Fragestellungen – eine Facette der Mensch-Natur-Beziehung erforscht. Jede Säule des soziokulturellen Monitorings bringt, gleich einem Puzzlestück, Ergebnisse und Erkenntnisse zum Gesamtbild der Mensch-Natur-Beziehung. Zusammengenommen bilden sie das soziokulturelle Monitoring des Nationalparks Schwarzwald.

Drei Säulen des soziokulturellen Monitorings

Säule 1

REPRÄSENTATIVE, QUANTITATIVE ERHEBUNGEN
 

Methode

Repräsentative Bevölkerungsumfragen, zum Beispiel Telefonbefragungen durch unabhängige Institute
 

Säule 2

UNTERSUCHUNG VON SPRACHE UND DISKURS
 

Methode

"Sequentielle" sprachliche Analysen von Metaphern und Diskursen nach methodischen Vorgaben

Säule 3

QUALITATIVE BEFRAGUNGEN UND FALLSTUDIEN
 

Methode

Hauptächlich "face-to-face" Befragungen, biografische Interviews, leitfadengestützte Interviews und Go-along-Interviews

Ziel

  • Erkenntnis über Wahrnehmung und Erwartung
  • Überprüfen von Annahmen
  • Zusammenhänge zwischen Einstellung und soziodemografischen Merkmalen (zum Beispiel Alter, Geschlecht, Einkommen)
  • Kontinuierliches Messinstrument (Monitoring)

Ziel

Untersuchung der Sprache zeigt, wie etwas repräsentiert wird

  • Untersuchung vorbewusster Einstellungen und hintergründiger Vorstellungsmuster
  • Aufzeigen von Deutungshoheiten

Ziel

Wie nehmen Menschen etwas wahr? Welche individuelle Bedeutung hat es für den Menschen?

  • Verstehen sozialer Sachverhalte und subjektiver Sichtweisen
  • Aufzeigen unterschiedlicher Verständnisse von Wirklichkeit
  • Verstehen der (individuell oder kollektiv) zugeschriebenen Bedeutung

Soziokulturelles Monitoring im Nationalpark Schwarzwald

Repräsentative, quantitative Befragungen

Mit repräsentativen Erhebungen können wir vermutete Zusammenhänge (Hypothesen) überprüfen, etwa zwischen Meinungen und soziodemografischen Merkmalen - beispielsweise den Zusammenhang zwischen Alter und der Bewertung des Nationalparks. Mit diesen Daten wollen wir verallgemeinerbare Aussagen treffen und Zusammenhänge erklären. Um verallgemeinerbare Aussagen treffen zu können, müssen viele Menschen befragt werden (beispielsweise "Anzahl der Menschen, die den Nationalpark regelmäßig besuchen").

Üblicherweise werden für quantitative Befragungen Interviews mit Hilfe eines Fragebogens durchgeführt. Die Befragungen finden per Telefon oder online, manchmal auch face-to-face, also im persönlichen Gespräch, statt. Sie sind meist vollstandardisiert und strukturiert. Das bedeutet, dass die Voraussetzungen bei der Beantwortung von Fragen für alle Befragten möglichst identisch sind: Wortlaut, Reihenfolge der Fragen und Antwortvorgaben (z.B. Bewertungsskala) sind für alle gleich.  

Untersuchung von Sprache und Diskursen

Die Tatsache, dass Merkmale wie Geschlecht, Wohnort oder Einkommen einen Einfluss auf unser tägliches Erleben und unsere Wahrnehmung haben, ist auch außerhalb der Sozialwissenschaften anerkannt. Darüber hinaus strukturiert und prägt zudem die Sprache und die Art ihrer Verwendung unser Denken und Alltagshandeln. Ein sehr wirkmächtiger Aspekt von Sprache, der uns unter anderem hilft, die teilweise sehr unterschiedlichen Beziehungen von Menschen zur Natur zu verstehen, kennen die meisten eher aus dem Deutschunterricht: Metaphern. Metaphern sind sprachliche Stilmittel, bei denen ein Wort (oder eine Wortgruppe) in einen anderen Bedeutungszusammenhang übertragen wird. Häufig ist der Gebrauch von Metaphern im alltäglichen Sprachgebrauch fest verankert, so dass es manchmal auch schwerfallen kann, Metaphern zu erkennen, beispielsweise bei Metaphern wie "die Sonne lacht" oder "Tischbein".

Die Bedeutung von Metaphern lässt sich an vielen Beispielen zeigen. Im Kontext von Krebserkrankungen findet sich häufig die Metaphorik des "Krieges", wenn es darum geht, gegen die Erkrankung zu "kämpfen". Geht es um Flüchtlinge, finden sich häufig Metaphern aus dem Bereich der Naturkatastrophen, wie "Flut, Welle, Lawine". Metaphern sagen folglich etwas über unsere Kultur aus. Die sprachlichen Bilder, die wir wie selbstverständlich verwenden, verraten sehr viel darüber, was wir wie bewerten und welchen Zusammenhang wir zwischen den Dingen sehen. Eine Analyse der Sprache im Zusammenhang mit Natur hilft uns, das Mensch-Umwelt-Verhältnis besser zu verstehen. Arbeiten hierzu stehen im Nationalpark noch aus. Einen Einblick in diese Forschungsrichtung liefert folgender Aufsatz: „Metaphorische Repräsentation des Waldes“ (Botsch et al. 2014)

Der Begriff Diskurs hat unterschiedliche Bedeutungen. Wir verwenden ihn nicht nur im Sinne von Diskussionen über wichtige Fragen der Zeit ("gesellschaftlicher Diskurs"), sondern – vergleichbar mit den Metaphern – auch als eine Art "Denksystem", das Wahrheiten über etwas produzieren kann. Mit einem ganz allgemeinen Diskursbegriff gehen wir folglich davon aus, dass soziale Wirklichkeit durch sprachliche beziehungsweise kommunikative Praktiken hergestellt wird. Diskurse wirken demnach nicht nur als Meinungsbildung, sondern sie wirken auch auf Identitäten und Strukturen ein. Das Verhältnis ist aber wechselseitig. Dabei tragen wir der Tatsache Rechnung, dass Natur ein universelles Thema ist, das jeden etwas angeht, ob hier oder auf der anderen Seite des Globus. Deshalb müssen Diskurse auch in ihrer globalen Einbettung gesehen werden. Denn weder Tiere noch Umweltverschmutzung noch Ideen, warum Umwelt geschützt werden sollte, kennen Grenzen.

Qualitative Befragungen und Fallstudien

Bei qualitativen Befragungen steht das "Wie", also die ganz persönliche, subjektive Wahrnehmung von einzelnen Personen im Vordergrund, beispielsweise: Wie nehmen Menschen den Wald wahr? Welche (subjektive) Bedeutung hat die Natur für den Menschen – und wie zeigt sich das? Sozialwissenschaftliche Forschung hat immer wieder sichtbar gemacht: Es gibt nicht die eine einzige richtige Art und Weise, Natur zu beschreiben und zu verstehen, stattdessen greifen Menschen ganz selbstverständlich auf ganz unterschiedliche "Sinn-Universen" zurück, um über ein und dasselbe zu sprechen. Ist, beispielsweise, der Wald vor der eigenen Haustür Holzlieferant und Wirtschaftsfaktor, ist er ein Raum für Müßiggang, Einkehr und Rückzug vom stressigen Alltag? Ist er ein wichtiges Ökosystem oder ist er die finstre Heimat von Wölfen, Räubern oder gar Waldgeistern, in der man nichts zu suchen hat? Teilweise überschneiden sich diese Universen, teilweise ergänzen sie sich, teilweise widersprechen sie sich aber auch ganz entschieden. Deswegen geht es hier zunächst nicht darum, zu bewerten, welche Sicht "recht hat", sondern darum, zu sammeln, zu systematisieren und damit zu verstehen, was unterschiedliche Menschen überhaupt meinen, wenn sie von Natur oder dem Nationalpark sprechen.

Vorab festgelegte Theorien oder Hypothesen zu untersuchen ist auch mit qualitativen Methoden möglich, die Stärken liegen aber woanders. Das Ziel qualitativer Untersuchungen ist, explorativ, also Neues erkundend, vorzugehen, um Erklärungsmodelle entwickeln zu können. Diese können wiederum mit quantitativen Methoden überprüft werden. Mit qualitativen Methoden kann das subjektive Verständnis beziehungsweise die Vielfalt von Meinungen zu bestimmten Themen aufgezeigt werden.

Qualitative Forschung arbeitet mit einer ganzen Bandbreite an Methoden. Sie reichen von nicht-strukturierten, also offenen Interviews bis hin zu leitfadengestützten Befragungen. Gleichzeitig spielen auch (teilnehmende) Beobachtungen oder Experimente eine große Rolle. In den meisten Fällen werden umfassende Dokumente, Interviews oder Beobachtungen beschrieben, verschriftet (im Falle von Interviews), interpretiert und analysiert. Die Ergebnisse qualitativer Arbeit zeichnen sich durch eine besondere Tiefe, zum Beispiel individueller Meinungen oder ausführlicher Beschreibungen, aus. Aus den Erkenntnissen lassen sich in vielfältiger Weise Beurteilungskriterien oder Folgemaßnahmen ableiten. Sie sind deshalb besonders wertvoll.

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