Leichte Sprache schafft Teilhabe – auch im Nationalpark

21.08.2026 von Iris Lemanczyk in Kategorie : Blog

Wenn ich das Wort „Barrierefreiheit“ höre, sehe ich das Bild von einer Rampe. Barrierefreiheit ist aber auch Leichte Sprache. Sie ermöglicht Menschen mit Lernschwierigkeiten einen gleichberechtigten Zugang zu Informationen. In diesem Jahr ist Leichte Sprache ein Schwerpunkt im Nationalpark.

 

Neue Angebote in Leichter Sprache

Dafür entstehen für die Ausstellung im Nationalparkzentrum und auf der Website neue Angebote in Leichter Sprache. Außerdem gibt es die erste Tandem-Führung mit der ehrenamtlichen Rangerin Anette Burkholder und mit Jan Schlewing, der in der Lebenshilfe in Bühl arbeitet. „Ich kann viel reden. Ich bin der Beste dafür“, sagt er nach dem Probetag selbstbewusst. „Natürlich mache ich das zusammen mit Anette.“

Die Tandem-Führung richtet sich an Besucherinnen und Besucher für die unsere Alltagssprache oft schwer verständlich ist. Das sind Menschen mit Unterstützungsbedarf, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen oder auch Menschen mit Demenz.

Kurze Sätze, keine Fremdwörter

Im Internet hab ich die Zahl gefunden, dass 14 Millionen Menschen in Deutschland auf Leichte Sprache angewiesen seien. Doch einen uneingeschränkten Anspruch auf jeden Text in Leichter Sprache haben sie nicht. „Dabei ist Leichte Sprache oftmals Voraussetzung dafür, an gesellschaftlichen Leben und an Information teilzuhaben. Das ist genauso wichtig wie etwa eine Rampe“, erklärt Sandra Olbrich, Beauftragte für Inklusion und Barrierefreiheit im Nationalpark. Leichte Sprache besteht aus einem Regelsystem mit kurzen Sätzen, bekannten Wörtern, Fremdwörter werden erklärt. Es ist eine aktive Sprache, möglichst ohne Passiv-Formulierungen.

 

Kostproben gefällig?

Auf der Nationalpark-Website steht:

Die hohe Biodiversität im Nationalpark entsteht durch vielfältige Lebensräume, die sich aus natürlichen Prozessen wie Sturm, Zerfall und Wachstum ergeben.

Übersetzt in Leichte Sprache heißt es:

Im National·park leben viele verschiedene Tiere und Pflanzen.

Das nennt man Arten·vielfalt.

Alte Bäume sterben und zerfallen.

Neue Pflanzen wachsen nach.

So entstehen neue Lebens·räume für viele Arten.

Wunderst du dich über die Punkte zwischen Nationalpark und Lebensräume?

„Das ist der sogenannte Mediopunkt bei zusammengesetzten Wörtern. Er macht die Wörter leichter lesbar“, erläutert Sandra, die auch Übersetzerin für Leichte Sprache ist. Leichte und Einfache Sprache sind übrigens nicht dasselbe. Einfache Sprache ist zwar leicht verständlich, aber ohne Regelwerk.

 

Profi mit Prüfgruppe

Für das Umschreiben der Texte in Leichte Sprache gibt es nicht nur ausgebildete Profis, sondern oft auch eine Prüfgruppe, die aus Menschen mit Unterstützungsbedarf besteht. Sie lesen die Texte und prüfen, ob sie sie tatsächlich verstehen.

 

Die Tandem-Führung

Eine tolle Idee ist die Tandem-Führung, bei der Menschen mit Behinderung selbst die Führung im Nationalpark übernehmen. Schon nach dem Probetag ist Jan Schlewing begeistert. „Wir sind auf dem Spechtpfad. Ich sage den Leuten, was ein Nationalpark ist. Und ich zeige ihnen, welche Tiere hier leben“, erklärt der 23-Jährige.

Über den Specht wusste Jan schon was. Vom Hirschkäfer und der Gebirgsheuschrecke hat er in der Vorbereitung auf die Führung erfahren.

Jan liebt die Natur, genauso wie Anette. „Die Teilhabe von Menschen mit Förderbedarf ist für mich selbstverständlich und hat mich als Biologielehrerin in einer integrativen Schule geprägt. Die Idee einer Tandem-Führung hat mich sofort begeistert. Die Inhalte gemeinsam mit einem Stellvertreter aus der Zielgruppe auf Augenhöhe zu entwickeln, finde ich schön“, sagt die ehrenamtliche Rangerin.

 

Beide brennen für die Natur

Schon bei ihrem ersten Treffen hatten die beiden ein positives Gefühl. „Jan brennt wie ich für die Schönheit und die Belange der Natur. Und genauso für die Möglichkeit eigenes Wissen weiterzugeben und zum Schutz der Natur beizutragen.“

Jan fügt hinzu: „Ich mag es, wenn es in der Natur schön still ist. Und ich mag wandern. Und eine schöne Aussicht. Und wenn die Natur sauber ist, wenn kein Müll rumliegt.“ Jan freut sich, dass Anette mit ihm zusammen die Führung macht. „Wenn ich was vergesse, fällt das bestimmt der Anette ein.“

„Jan und ich ergänzen uns prima. Er ist ein engagierter Partner, der die Zielgruppe für Leichte Sprache authentisch anspricht. Gleichzeitig kann er darauf bauen, dass ich ihn als gleichberechtigten Partner achte“, sagt Anette.

 

Mehr Teilhabe

Die Tandem-Führung sowie Leichte Sprache auf Website und in der Ausstellung sind im Nationalpark ein weiterer Schritt hin zu mehr Teilhabe für Menschen mit Unterstützungsbedarf.

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Zur Person

Iris Lemanczyk

Iris Lemanczyk

Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

 

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