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Sporensammler: Was die Luft über die wohl geheimnisvollsten Lebewesen der Erde verrät

Luftanalysegerät: Sporensammler ©Flavius Popa (Nationalpark Schwarzwald)
08.11.2018

Weltweite Langzeit-Luftanalyse gibt Einblick in Vielfalt und geografische Verteilung der Pilze – auch im Nationalpark

Pilze sind die womöglich rätselhaftesten Lebewesen der Erde. Verborgen im Untergrund durchwächst und zersetzt ein Pilz in Form weit verzweigter Pilzfäden alles, was sich ihm nicht widersetzt: Erde, Holz, poröses Gestein, Pflanzen, Tiere, Menschen – für jeden Untergrund und jede Zellart gibt es Pilzarten, die sich hier wohlfühlen. „Pilze sind allgegenwärtig. Sie sind die heimlichen Herrscher unseres Planeten. Pilze recyceln Nährstoffe und führen diese wieder zurück in den Nährstoffkreislauf“, beschreibt Flavius Popa, Pilzexperte des Nationalpark Schwarzwald, eine wichtige Eigenschaft dieser faszinierenden Organismen. Pilze hätten, so Popa scherzhaft, auch Networking schon erfunden, lange bevor es den Business-Menschen gab: Manche Pilze verbinden sich unterirdisch kilometerweit mit Pflanzenwurzeln, es werden Botenstoffe und Nährstoffe ausgetauscht.

Wenn die äußeren Bedingungen gut sind, wachsen viele Pilze an die Oberfläche und bilden ihre charakteristischen Fruchtkörper aus – das, was wir gemeinhin als „Pilz“ bezeichnen. Im feuchten, milden Herbst beispielsweise sprießen Pfifferling, Krause Glucke, Steinpilz und Co. aus dem Untergrund. Sie sind zwar lediglich ein winziger Teil des gesamten Pilzes, dafür aber ein wichtiger für seine Vermehrung. Denn in diesen Fruchtkörpern bildet der Pilz seine Sporen aus, die dann vom Wind fortgetragen werden, um mit den Sporen der Artgenossen zu verschmelzen. Diese geschlechtliche Form der Vermehrung ist wichtig für Pilze, um den genetischen Austausch aufrecht zu erhalten. Genau hier setzt nun ein globales Forschungsprojekt an, bei dem auch der Nationalpark Schwarzwald mitmacht: Die Verbreitung von genetischem Pilzmaterial durch die Luft soll genutzt werden, um mehr über die wohl geheimnisvollsten Lebewesen der Welt herauszufinden.

Unter dem Motto „Gebt mir eine Luftprobe und ich werde herausfinden, welche Pilzarten in eurer Region gefunden werden können – genetische Identifizierung von Pilzarten aus Luftproben“ haben finnische Forscher der Universität Helsinki zur Teilnahme aufgerufen. Schätzungen für die weltweite Artenvielfalt von Pilzen bewegen sich zwischen 1,5 Millionen bis über 5 Millionen Arten – bisher wurden jedoch nur etwa 120.000 Arten näher beschrieben. Noch weniger weiß man allerdings über die weltweite geografische Verteilung von Pilzarten. Das globale Sporensammelprojekt (Global Spore Sampling Project - GSSP) beschäftigt sich nun mit genau dieser Frage. Von Grönland, Mittelamerika, Feuerland über Europa, Afrika, Asien und Australien wurden über 50 Sporensammler aufgestellt, die über ein Jahr lang wöchentlich Pilzsporen aus der Luft einsaugen. Diese werden dann mit Hilfe genetischer Methoden von dem Projektteam in Finnland analysiert und bestimmt.

Einer dieser Sporensammler steht auch im ehemaligen Bannwald Wilder See im Nationalpark Schwarzwald. Die Hoffnung von Mykologe Flavius Popa ist hoch, so mehr über die Vielfalt der hier vorkommenden Arten und deren Aktivität zu lernen. „Um ein Beispiel zu nennen: Bis heute weiß niemand, wann genau die Zitronengelbe Tramete ihre Fruchtkörper und Sporen über das Jahr verteilt bildet, obwohl der Pilz als Anzeigerpilz für einen wildnisnahen Wald durchaus im Fokus unserer Aufmerksamkeit steht.“

Wann mit der Auswertung der Proben aus dem Sporensammler im Nationalpark, der noch bis Herbst 2019 seine Sammeltätigkeit verrichtet, gerechnet werden kann, ist unbekannt. Und so sehr Flavius Popa auch gespannt auf die Ergebnisse ist, so sagt er auch: „Pilze gab es schon lange vor unserer Zeit – und sie werden sicher viele andere Lebewesen dieses Planeten überleben. Insofern haben auch wir Mykologen gelernt, geduldig zu sein und uns an der schier unerschöpflichen Wissensgrube zu freuen, die wir Bruchteil für Bruchteil entdecken dürfen.“








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