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Impressum

Nationalpark Schwarzwald
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Weidetiere erhalten besondere Lebensräume im Nationalpark

Ein Heckrind-Kalb im Nationalpark Schwarzwald.
19.07.2018

Arten- und Biotopschutz ist ein wichtiges Ziel des Schutzgebiets - das auch tierische Hilfe braucht

Sie sind wieder da und schon in ihre Fraßarbeit vertieft: Heckrinder, Langhaarziegen, Hinterwälder Rinder und Schafe. Entlang der Schwarzwaldhochstraße zwischen Alexanderschanze und Ruhestein können Spaziergänger immer wieder einen Blick auf die tierischen Helfer des Nationalparks werfen. Bis in den Herbst hinein haben Rind und Co. einiges zu tun, um die waldfreien Hochflächen von zu starkem Bewuchs freizuhalten. Ein besonderer Dienst in einem besonderen Teil des Nationalparks – den Grinden.

„Die Grindenfläche umfasst derzeit etwa zwei Prozent der gesamten Fläche des Nationalparks – sie soll dauerhaft um einen weiteren Prozentpunkt auf insgesamt rund 300-350 Hektar erweitert werden“, erklärt Marc Förschler, Leiter des Fachbereichs Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz. Um das Jahr 1800 herum umfassten die waldfreien Hochflächen noch rund 2.000 Hektar. „Um das besondere ökologische System auf den Grinden erhalten zu können, spielen die Weidetiere, für die in früheren Zeiten diese charakteristischen, waldfreien Bergweiden überhaupt erst geschaffen wurden, auch heute eine große Rolle.“

Teil des Gesetzes

Die Maßnahme der Offenhaltung der Grinden gehört zum Modul „Arten- und Biotopschutz“ im Nationalparkplan. Es dient dem Erhalt besonderer Lebensräume und geschützter Arten. Oftmals verbunden mit einem Eingriff, wie beispielsweise der Beweidung, der die natürliche Entwicklung unterbindet, die ansonsten im strikten Prozessschutz des Nationalparks vorgesehen ist. „Wir haben im Nationalpark hinsichtlich des Naturschutzes zwei große Aufgaben zu erfüllen: Einerseits soll Natur Natur sein dürfen, frei von menschlichen Einflüssen. Andererseits gibt es im Nordschwarzwald seltene und geschützte Arten und nur hier existierende Biotope. Die gilt es laut der gesetzlichen Bestimmungen zu bewahren.“

Vereinbar sind die beiden Ziele dann, wenn es um Arten geht, denen die fortschreitende Wildnis-Entwicklung nutzt. Andere Arten und Lebensräume hingegen können nur erhalten werden, wenn weiterhin lenkend eingegriffen wird. Die verschiedenen Schutzziele des Nationalparks sind entsprechenden Flächen zugeordnet: In der Kernzone wird die Natur sich selbst überlassen; in der Entwicklungszone darf noch bis zum Jahr 2044 regulierend eingegriffen werden – dann werden auch diese Flächen endgültig zur Kernzone; und in der Managementzone, die etwa 25 Prozent des Nationalparks ausmacht, kann der Mensch, wenn notwendig, langfristig eingreifen.

Viel zu tun schon vor dem Auftrieb

So wie auf den Grinden, wo die Heckrinder und Langhaarziegen von Sascha Hummel, die Hinterwälder Rinder von Gerold Wein und die Schafe von Ute Svensson der besonderen Landschaft auf rund 1.000 Metern Höhe auf die Sprünge helfen. „Im Zusammenspiel wirken unterschiedliche Graser besonders effektiv – was dem einen nicht schmeckt, ist dem anderen noch gut genug“, so Thomas Gamio, Forstwirt und Weidetierbeauftragter des Nationalparks. 

Bereits lange bevor das erste Tier die Weiden in diesem Jahr betreten hat, haben ihn und seinen Helfer, den Bundesfreiwilligendienst-Leistenden Max Lang, die Vorbereitungen auf Trab gehalten. „Es gab im Winterhalbjahr große Schäden an den Zäunen. Auch haben wir Weideflächen erweitert, neue Gebiete hinzugenommen und Wildschleusen eingerichtet, die Rothirsch, Reh, Wildschwein und kleinere Wildtiere ungehindert passieren können.“

Mittlerweile ist die feste Weidefläche, die Gamio vonseiten des Nationalparks mitbetreut, auf rund 83 Hektar mit 43 Rindern und Ziegen angewachsen. Hinzu kommen die Schafe: „Mit den Schafen hatten wir immer die wenigste Arbeit, weil die Schäferin selbständig über die Flächen zieht.“ Doch seit diesem Jahr kommt der verstärkte Herdenschutz hinzu: „Jede Fläche, auf der die Schafe verweilen, muss mit speziellen Zäunen gesichert werden.“ Die möglicherweise eines Tages auch hier auftauchenden Wölfe sollen die Umzäunung weder überspringen noch untergraben können.

Trotz des hohen Aufwands mag Gamio den Job und die viele Zeit im Freien mit den Tieren. „Es ist immer eine Überraschung, wie die Herden zusammengesetzt sind, wenn sie im Frühjahr auf die Weiden gebracht werden. Da kann es in der Eingewöhnung spannend werden, wenn wie in diesem Jahr ein paar Jungbullen die Herde der Heckrinder aufmischen. Bei den Hinterwäldern hingegen verlief es vergleichsweise ruhig – hier sind die Damen in diesem Jahr unter sich.“

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Hintergrund

Modul Arten- und Biotopschutz

Grundlage für das Modul sind gesetzliche Vorgaben des länderübergreifenden, europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 – einer Kombination aus Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und Vogelschutz-Richtlinie – sowie des Naturschutzgesetzes des Landes Baden-Württemberg und des Nationalparkgesetzes. Inhalte des Moduls sind unter anderem Artenschutz durch Prozessschutz, Optimierung des Grindenbandes, Auerhuhn-Habitatpflege, Restauration von Mooren und Gewässern, Besucherlenkung, Einrichtung von Rückzugsräumen für verschiedene Tierarten und der Aufbau eines Monitorings besonders seltener Arten wie beispielweise Auerhuhn oder Dreizehenspecht.

Nationalparkplan

Der Nationalparkplan ist das Betriebshandbuch des Nationalparks Schwarzwald. Dieses muss laut Nationalparkgesetz bis Ende 2018 fertig sein. Die einzelnen Themenfelder – Module genannt – werden mit Beteiligung der Region bearbeitet und vom Nationalparkrat entschieden.

Terminhinweis
Eine gute Gelegenheit, die Grinden und die Weidetiere zu erleben gibt es am Samstag, 18. und Sonntag, 19. August beim traditionellen Grindenfest. Unter anderem mit Exkursionen zu den Weidetieren, einem Bauernmarkt, Kinderprogramm und einem ökumenischen Gottesdienst. Mehr unter www.nationalpark-schwarzwald.de/veranstaltungskalender








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