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Pilzherbstschule

Mykologe Flavius Popa beim Mikroskopieren. ©Carmen Richter (Nationalpark Schwarzwald)
03.12.2018

Deutschlandweit einzigartiges Format vernetzt Forschernachwuchs / Pilzkenner treffen sich alle zwei Jahre abwechselnd im Nationalpark und in Hornberg / Premiere im vergangenen Jahr brachte interessante Funde

Die Ausbeute ist beachtlich: Bei der Premiere der Pilzherbstschule im Nationalpark haben junge Forscherinnern und Forscher aus ganz Deutschland insgesamt 240 Pilzarten im Schutzgebiet bestimmt. „Mehr als 20 von ihnen waren bis dahin im Nationalpark noch nicht nachgewiesen worden“, sagt Flavius Popa, Sachbereichsleiter Mykologie und Bodenökologie im Nationalpark Schwarzwald. Der Biologe hatte die viertägige Veranstaltung im Herbst 2017 organisiert – mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, der Universitäten Marburg und Kassel, der Pilzlehrschau Hornberg sowie des Naturkundemuseums Karlsruhe.  

„Wir wollten vor allem jungen Fachleuten in diesem Gebiet Gelegenheit geben, sich auszutauschen, zu vernetzen und etwas über die Artenvielfalt der Pilze, sowie deren Bestimmung und Kultivierung zu lernen“, erklärt Popa die Idee. Neben der Theorie in Workshops und Vorträgen blieb an vier Tagen auch reichlich Zeit, die praktischen Fähigkeiten im wilder werdenden Nordschwarzwald zu erproben. Gar nicht so einfach, denn oft liegt die Tücke im sehr winzigen Detail. So stieß die Exkursionsrunde beispielsweise auch auf den Breitsporigen Mehlscheiben-Zitterling. „Das ist ein Pilzparasit, der nur auf der Orangenen Mehlscheibe zu finden ist – und erst unter dem Mikroskop kann man erkennen, ob er es wirklich ist oder doch eine sehr ähnliche Nachbarart“, erläutert der Pilzexperte.

Zu den Nationalpark-Neuheiten, die die Pilzschüler fanden, gehört zum Beispiel der Sternsporige Laubtrüffel, der auf dem Wildnispfad entdeckt wurde. „Das ist eine Art, die in Symbiose mit Laubbäumen lebt“, sagt Flavius Popa.  Der Sternsporige Laubtrüffel gehört zur Verwandtschaft der Röhrlinge und wird beispielsweise durch Nager verbreitet, die die Fruchtkörper essen und die Sporen über ihren Kot verteilen. „Um trüffelartig wachsende Pilzarten aufzuspüren, braucht man neben guter Artenkenntnis auch etwas Glück“, erzählt Popa. Denn anders als bei vielen anderen Pilzarten wächst beim Trüffel auch der Fruchtkörper unterirdisch. Nur, wenn ein kleines Stück des Pilzes aus dem Boden schaut, kann man ihn entdecken – oder wenn man mit einiger Erfahrung potentielle Trüffelstellen erkennt und dort gezielt nachgräbt.

Nach der gelungenen Premiere war klar, dass dieses deutschlandweit einzigartige Format unbedingt wiederholt werden soll. „Die Pilzherbstschule wird nun alle zwei Jahre stattfinden – immer im Wechsel hier im Nationalpark und in der Pilzlehrschau Hornberg“, berichtet Popa.

Hintergrund
Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere und bilden in der Biologie eine eigene Gruppe. Das, was landläufig als „Pilz“ bezeichnet wird, ist nur der meist oberirdisch wachsende Fruchtkörper. Der weitaus größere Teil des Pilzes lebt im Verborgenen: Das sogenannte Myzel kann sich viele Meter weit erstrecken. Es gibt Pilze, die in nutzbringender Gemeinschaft mit anderen Lebewesen leben und Nährstoffe austauschen. Es gibt Pilze, die sich als Parasiten auf und in anderen Lebewesen ansiedeln und ihren Wirten schaden. Für den Nationalpark besonders charakteristisch sind Pilze, die organisches Material zersetzen, wie Totholz. Weil es in einem Prozessschutzgebiet viel Totholz gibt, siedeln hier auch besonders viele Pilzarten, die auf Totholz angewiesen sind. Einige von ihnen, wie zum Beispiel die Zitronengelbe Tramete, werden auch als Urwaldzeiger genutzt. Im Gebiet des Nationalparks wurden insgesamt bislang ungefähr 1.050 Arten nachgewiesen, darunter auch zahlreiche Urwaldzeigerarten. Doch die tatsächliche Artenzahl dürfte um ein Vielfaches höher liegen – und auch Neuentdeckungen von bislang unbekannten Arten sind nicht unwahrscheinlich.

 

Foto: Mykologe Flavius Popa beim Mikroskopieren. ©Carmen Richter (Nationalpark Schwarzwald)








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