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Stille Nacht? Gesprächige Vielfalt!

Impression von einer Wildnisübernachtung DGS. ©Daniel Müller (Nationalpark Schwarzwald)
Gruppenbild nach der Übergabe. Vorderste Reihe, v. l.: Thomas Waldenspuhl, Leiter Nationalpark, Stephanie Aeffner, Landes-Behindertenbeauftragte, Svenja Fox, Wildnispädagogin, Hans-Peter Matt, Beauftragter für Barrierefreiheit. ©Franziska Schick (NLP)
09.04.2019

Wildnisübernachtung in Deutscher Gebärdensprache erhält Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Am Lagerfeuer sitzen, Gedanken unterm Sternenhimmel austauschen und den Mut haben, mitten im dunklen Wald einzuschlafen: Das Veranstaltungsangebot, im Nationalpark eine mehrtägige Wanderung zu unternehmen und unter freiem Himmel zu übernachten, lockt viele Wagemutige an. Gehörlose Menschen allerdings stoßen schnell an Barrieren, die den Austausch erschweren – wenn es Svenja Fox nicht gäbe. Sie ist im Team der Wildnisbildung des Nationalparks Schwarzwald aktiv und führt Besuchergruppen durch den Park. Dabei kann sie mehr als nur mündlich kommunizieren: Sie kann auch die Hände sprechen lassen, weil sie die Deutsche Gebärdensprache (DGS) beherrscht. Mit der Kombination aus Fachwissen und Sprachkenntnis sorgt sie für ein einzigartiges Angebot für mehr Barrierefreiheit im Nationalpark. Das findet auch die UN-Dekade Biologische Vielfalt und zeichnet Fox Angebot, die Wildnisübernachtung in DGS, als ein besonderes Projekt für mehr Vielfalt aus.

„Das Angebot ist eine große Bereicherung für Gehörlose“, so Stephanie Aeffner, Landes-Behindertenbeauftragte, bei der Übergabe der Auszeichnung an Svenja Fox. „Sie leisten hier gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen großartige Arbeit für mehr Inklusion!“ „Das Angebot von Frau Fox ist ein wertvoller Mosaikstein in unseren Bemühungen, Natur für alle erlebbar zu machen – Menschen mit Handicap sind keine Sonderfälle“, sagt auch Thomas Waldenspuhl, Leiter des Nationalparks Schwarzwald. „Um noch gezielter auf Barrierefreiheit hinarbeiten zu können, kämpfen wir für eine Stelle für Inklusion, die wir gerne ab dem Jahr 2020/2021 besetzen würden.“ Diese Bemühungen kann Stephanie Aeffner nur gutheißen: „Im Nationalpark bin ich deshalb so gerne, weil Inklusion hier wirklich gelebt wird. Um die vorbildliche Arbeit des Teams weiterführen und bestehende Barrieren weiter abbauen zu können, unterstütze ich den Antrag der Nationalparkleitung voll und ganz!“

„Im Moment ist diese sehr gedankenintensive Anpassung von Veranstaltungen an das Können oder das gezielte Interesse einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebunden“, so Thomas Waldenspuhl. Gemeinsam schafft das Team der Besucherinformation immer wieder individuelle Möglichkeiten, Menschen mit sehr unterschiedlichen Behinderungen an den Veranstaltungen im Park teilhaben zu lassen. Ob es rollstuhlgerechte Wege sind, die eingeschlagen werden, ob es inhaltliche Änderungen sind, sodass andere Sinne als das Sehen angesprochen werden, oder Führungen in anderen Sprachen – das Team versucht alles, was möglich ist, um die gängigen Angebote auf unterschiedliche und oft bunt zusammen gewürfelte Zielgruppen zuzuschneiden.

„Unser Ansatz ist es, allen Menschen das Erleben der wilder werdenden Natur zu ermöglichen“, erklärt Svenja Fox die grundsätzliche Ausrichtung der Arbeit im Nationalpark. „Jeder, der ein Angebot besuchen möchte, kann sich bei uns anmelden. Dann überlegen wir, wie eine Teilnahme möglich gemacht werden kann.“ Hans Peter Matt, der Beauftragte für Barrierefreiheit im Nationalpark, ergänzt: „Die Anstrengungen, die das Team hier unternimmt, sind vorbildlich. Und ich glaube, dass wir auch weiterhin immer wieder neue, gute Angebote schaffen können – und dass es wichtig ist, dafür eine Stelle intern zu haben.“

Auch deshalb ist die Übergabe der Auszeichnung „Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ durch die Landes-Behindertenbeauftragte an Svenja Fox wichtig, um das Augenmerk der Öffentlichkeit stärker auf gelingende Inklusion zu richten. „Es wurden noch keine anderen, gleichartigen Veranstaltungen ausgezeichnet – es ist ein einzigartiges Angebot!“, so Aeffner bei der Übergabe. „Klar wird nie alles für alle gehen, aber Barrieren werden durch solche besonderen Projekte Stück für Stück abgebaut – hin zu einem selbstverständlichen Miteinander.“ Die Wildnisübernachtung DGS darf diesen Titel nun für die kommenden zwei Jahre tragen. Fox: „Wir sind sehr stolz auf die Auszeichnung. Sie lenkt das Augenmerk der Öffentlichkeit ein wenig stärker auf die Möglichkeiten jeder und jedes Einzelnen, sich mit seinen Fähigkeiten und Ideen für ein weiteres Stück gelingende Inklusion einzusetzen.“

Hintergrund:
Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte lenkt sie den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die Vielfalt bietet. Gleichzeitig zeigen die ausgezeichneten Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung oder der Vermittlung biologischer Vielfalt praktisch aussehen. Neben der Wildnisübernachtung DGS von Wildnispädagogin Svenja Fox wurde 2018 mit dem von Psychologin Kerstin Ensinger entwickelten Gesundheitstag bereits eine weitere Veranstaltung des Nationalparks Schwarzwald als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Mehr Informationen zur Dekade gibt es hier.

Die vielfältigen Veranstaltungen des Nationalparks – natürlich auch den Gesundheitstag und die Wildnisübernachtungen DGS – sowie eine Möglichkeit, sich als Gruppe für individuell geplante Veranstaltungen anzumelden, findet man auf der Webseite des Nationalparks Schwarzwald.