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Borkenkäfer: Zusätzliche Schutzmaßnahmen eingeleitet

Adulter Borkenkäfer im Fraßgang. ©Ralf Petercord (Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg)
21.08.2019

Im Nationalpark tritt das situative Borkenkäfermanagement in Kraft

Nationalparks dienen dem Schutz natürlicher Prozesse. Die großflächigen Prozessschutzgebiete sichern Lebensraum für viele spezialisierte und seltene Arten. Der einzige baden-württembergische Nationalpark liegt im Schwarzwald und nimmt 0,7 Prozent der Waldfläche des Landes ein – ein Drittel dieser Fläche wiederum unterliegt bislang dem Prozessschutz und wird als Kernzone bezeichnet. Hier greift der Mensch gar nicht mehr ein. Nur auf etwa einem Viertel der Nationalparkfläche darf dauerhaft eingegriffen werden. So auch im sogenannten Borkenkäfer-Pufferstreifen: Hier werden vom Borkenkäfer befallene Bäume entfernt.

„Die intensiven Maßnahmen im Pufferstreifen am Rand des Nationalparks dienen vor allem der Sicherung der angrenzenden Wirtschaftswälder. Seit dem Beschluss des entsprechenden Nationalparkmoduls im Jahre 2015 wird das Borkenkäfermanagement nun schon konsequent umgesetzt. Die Jahre seither haben bewiesen, dass das intensive Borkenkäfermanagement gut funktioniert“, erläutert Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl.

Die verbleibenden Flächen, also rund 45 Prozent des Nationalparks, gehören zur sogenannten Entwicklungszone. Hier kann das Nationalparkteam noch bis zum Jahr 2044 lenkend in die Entwicklung eingreifen. Dann gehen auch diese Gebiete endgültig in die Kernzone über. 2017 wurde das Borkenkäfermanagement mit einem weiteren Schutzmechanismus versehen. In einem zusätzlichen Beschluss des Nationalparkrates wurde das sogenannte situative Borkenkäfermanagement in der Entwicklungszone eingeführt. Das Ziel: die Funktionalität des Pufferstreifens langfristig zu gewährleisten.

„Sollte eine kritische Massenvermehrung der Borkenkäfer im Inneren des Nationalparks stattfinden, so können mit dem situativen Borkenkäfermanagement auch Maßnahmen in pufferstreifennahen Bereichen der Entwicklungszone durchgeführt werden. Dadurch wird einem Übergreifen auf den Pufferstreifen Einhalt geboten“, führt Jörg Ziegler, Fachbereichsleitung Wald und Naturschutz im Nationalpark, aus. „Im Gesamten also werden durch das intensive Management im Pufferstreifen die angrenzenden Nachbarwälder bereits geschützt, während über das situative Management in der Entwicklungszone der Pufferstreifen selbst in seiner Funktion erhalten werden soll.“

Die Beurteilung einer kritischen Vermehrungssituation erfolgt durch die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Zur Beurteilung der Gefahrenlage können Ergebnisse aus dem Monitoring und Abschätzungen des zu erwartenden Schwärmverlaufs und der Witterung herangezogen werden. Sobald eine kritische Situation zu entstehen droht, gibt die FVA eine Warnmeldung an den Nationalpark ab. Über die Aufnahme eines situativen Borkenkäfermanagements entscheidet dann eine Arbeitsgruppe, in der neben der FVA auch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg sowie die am Pufferstreifenmanagement beteiligten Forstbehörden vertreten sind.

Am 13. August hat die Arbeitsgruppe in einer Sondersitzung beschlossen, das situative Borkenkäfermanagement einzuleiten. Nach einer noch anstehenden Begehung und detaillierten Gebietsfestlegung werden Bäume, in denen der Borkenkäfer aktiv ist, dann bis zum November entnommen. Sobald keine Gefahr für den Pufferstreifen mehr existiert, können die eingeleiteten Maßnahmen wieder beendet werden. Auch darüber entscheidet die Arbeitsgruppe. Dann darf auch in der Entwicklungszone die Natur wieder die Waldentwicklung bestimmen.

Hintergrund
Im Nationalpark gilt das Motto „Natur Natur sein lassen“ – auch für den Borkenkäfer. Daher dürfen die Bäume in der Kernzone des Prozessschutzgebietes nach einem Käferbefall sterben und zerfallen. Viele teils seltene und gefährdete Tier-, Pflanzen- und Pilzarten leben im oder vom toten und morschen Holz oder profitieren von den lichteren Strukturen nach dem Absterben der Bäume. Für die Natur ist der Borkenkäfer also kein Problem. In Wirtschaftswäldern hingegen ist der Borkenkäfer als Schädling gefürchtet. Hier bedeutet der Befall, dass der Baum zu einem Zeitpunkt gefällt und verkauft werden muss, an dem dies nicht geplant war und Waldbesitzer deshalb Preisverluste hinnehmen müssen. Das intensive, dauerhaft durchgeführte Borkenkäfermanagement im 500 Meter breiten Pufferstreifen verhindert, dass der Käfer sich vom Nationalpark aus in angrenzende Wälder verbreitet. Der Pufferstreifen liegt dabei teils im, teils angrenzend an den Nationalpark – das Management wird vom Team des Nationalparks gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der außerhalb zuständigen Forstbehörden durchgeführt.