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Nationalpark Schwarzwald
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Forscher ziehen erste Zwischenbilanz

Jörn Buse und Marc Förschler erklären eine Käferfalle im Nationalpark.
24.06.2019

Mehr als 4400 Tiere, Pilze und Pflanzen haben Experten bereits im Nationalpark nachgewiesen. In den ersten fünf Jahren seit der Gründung ging es vor allem darum, Grundlagen für künftige Forschung zu schaffen.

Seit fünf Jahren gibt es den Nationalpark Schwarzwald – für die Forscherinnen und Forscher ein guter Zeitpunkt, um eine erste Zwischenbilanz zur Biodiversität in dem jungen Schutzgebiet zu ziehen. „Wir haben bisher mehr als 2.100 Tierarten, davon 1.400 Insektenarten, mehr als 1.050 Pilzarten, fast 600 Farn- und Blütenpflanzen sowie mehr als 200 verschiedene Flechten und fast 400 Moosarten im Nationalpark erfasst“, berichtet Nationalparkleiter Dr. Wolfgang Schlund. Das sind rund 20 Prozent der in Baden-Württemberg insgesamt vorkommenden Tier-, Pilz- und Pflanzenarten.

Für Umweltminister Franz Untersteller ist das Zwischenergebnis ein Beleg für die herausragende Bedeutung, die der Nationalpark für den Erhalt der Biodiversität in Baden-Württemberg einnimmt: „Die Bedeutung wird noch weiterwachsen“, sagt Untersteller, „die Entwicklung des Nationalparks steht ja erst am Anfang. Aber auch die jetzt schon bekannten Besonderheiten in der Tier-, Pilz- und Pflanzenwelt des Nationalparks belegen die Vielfalt der Flora und Fauna im Schutzgebiet. Sie ist in höchstem Grade schützenswert.“

Die wertvollsten Arten unter den Insekten und Spinnentieren sind vor allem sogenannte Reliktvorkommen von überwiegend im hohen Norden und den Hochgebirgen verbreiteten Arten, wie der Blockhalden-Wolfspinne, des Pechbraunen Bartläufers oder des Boschs Berg-Dammläufers, den es weltweit nur in Baden-Württemberg gibt. Unter den Pilzen fanden sich auch Arten, die sich nur unter urwaldähnlichen Bedingungen entwickeln, zum Beispiel die Zitronengelbe Tramete. „Nach einem ersten Fund am Wilden See noch im Gründungsjahr des Nationalparks haben wir mittlerweile ein weiteres Vorkommen dieser spannenden Art im Gebiet entdeckt“, berichtet Dr. Flavius Popa, Mykologe im Nationalpark. Der kleine Pilz kommt nur unter Bedingungen vor, die durch große Mengen an Totholz gekennzeichnet sind, wie sie typischerweise dann entstehen, wenn sich die Natur frei entwickeln darf.

Veränderungen messbar machen

„Die grundlegende Erfassung der Arten im Schutzgebiet ist wichtig, um langfristig zu dokumentieren und zu verstehen, wie sich die Biodiversität bei einer natürlichen Waldentwicklung und im Zuge des zunehmend spürbaren Klimawandels verändert“, erklärt Dr. Marc Förschler, der den Fachbereich Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz im Nationalpark Schwarzwald leitet. „Es gibt in Deutschland nur sehr wenige so umfassende Langzeitstudien zur Biodiversitäts-Entwicklung, wie wir sie hier im Nationalpark durchführen können“, ergänzt Dr. Stefanie Gärtner, zuständig für die Erfassung der Flora im Prozessschutz-Gebiet. Seit Gründung des Schutzgebiets 2014 ist die Sammlung dieser Daten eine der Kernaufgaben des Nationalparkteams.

Neben der Erfassung einzelner Artengruppen laufen seit 2017 standardisierte Erhebungen auf dauerhaft markierten Flächen. „Durch diese verschiedenen Untersuchungen wissen wir bereits viel mehr über den hiesigen Bestand an Tier-, Pilz- und Pflanzenarten“, erläutert Dr. Jörn Buse, Sachbereichsleiter für wirbellose Tiere und Biodiversität im Nationalpark. Beispielsweise waren bis zur Ausweisung des Nationalparks weniger als 300 Käferarten aus dem Gebiet bekannt – nun sind bereits mehr als 750 nachgewiesen.

Mehr Wildnis könnte neue Urwaldzeigerarten bringen

Trotz gezielter Suche fanden sich unter den Käfern im Nationalparkgebiet bislang keine Urwaldrelikte. „Das hängt vermutlich mit der weitgehenden Entwaldung dieses Gebiets vor 200 bis 300 Jahren zusammen“, erklärt Buse. Er und seine Kollegen rechnen aber in den kommenden Jahren mit Nachweisen vieler weiterer, bisher im Nordschwarzwald noch unbekannter Arten. Vor allem bei den Insekten sind einige artenreiche Gruppen, wie die Zweiflügler, die Zikaden, die Wanzen und auch die Hautflügler noch weitestgehend unbearbeitet. „Im Nationalpark dürfte es sicherlich insgesamt etwa 3.000 Insektenarten geben“, sagt Buse. „Auch bei den Pilzen erwarten wir mit steigendem Totholz und älter werdenden Baumbeständen noch spannende Urwaldzeigerarten wie beispielsweise den Rosenroten Baumschwamm“, ergänzt Popa.

Hintergrund

Vor Gründung des Nationalparks 2014 beschränkten sich die naturkundlichen Erfassungen im Nordschwarzwald auf einzelne Artengruppen, die vor allem im Rahmen des EU-LIFE Projektes „Grindenschwarzwald“ vom damaligen Naturschutzzentrum Ruhestein erhoben wurden. Diese zu ergänzen und zu systematisieren ist eine Aufgabe der Nationalparkverwaltung. In den ersten fünf Jahren wurde das Arteninventar umfassend erfasst um Basiswissen für kommende Forschungen zu schaffen. Und das nicht nur im Wald, sondern auch auf den besonderen Standorten des Nordschwarzwalds, wie den Grinden, Blockhalden, Karseen und Missen. Auf dieser Grundlage können zukünftig auch die Wirkungen des Klimawandels auf die Artenzusammensetzung analysiert werden. All diese verschiedenen Erkenntnisse dienen Naturschutz und Forstwirtschaft außerhalb der Schutzgebietsgrenzen als wertvolle Referenz.