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Schwarzwald-Talk: Wald, Wohl und Werte

Wald – Quelle der Erholung. ©Daniel Müller (Nationalpark Schwarzwald)
28.05.2019

Was für einen Wald wollen wir, welchen Nutzen können wir aus einem sich selbst überlassenen Wald ziehen und wie wertvoll ist uns ein solcher, wilder werdender Wald? Das waren die Fragen, die beim vergangenen Schwarzwald-Talk am 21. Mai im Raum standen. Die Talkrunde bestand aus der Juristin und Autorin Dr. Melanie Adamek, dem Zoologen Dr. Christof Schenck und dem Ökologen Dr. Lutz Spandau. Moderiert wurde der Abend von Claus-Peter Hutter, dem Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg.

"Der Wald ist sehr wichtig für die Gesundheit der Menschen. Er hat eine enorme Heilungskraft", so Melanie Adamek einleitend. Dass dies keine unbewiesene Behauptung ist, belegen inzwischen zahlreiche medizinische und psychologische Studien zur Wirkung von Aufenthalten in der Natur auf die geistige und körperliche Gesundheit des Menschen. Auch war bei den rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörern, die der Diskussion aufmerksam folgten, Zustimmung zu diesem Satz anzusehen. Jeder, der mit dem und im Wald groß geworden ist, kennt schließlich das gute Gefühl der Erholung auf einem aufmerksam wahrgenommenen Waldspaziergang, was heutzutage oft auch als "Waldbaden" bezeichnet wird. Doch braucht es für diesen positiven Effekt einen streng geschützten Wald wie den Nationalpark Schwarzwald?

Christof Schenck würde diese Frage sicherlich mit einem klaren Ja beantworten. "Die deutschen Wälder sind massiv anthropogen. Und es ist wichtig, gerade auch den Kindern zu zeigen, wie der Wald einmal war, um ökologische Themen wie beispielsweise die Biodiversität erklären zu können." Denn nur wer die Zusammenhänge begreifen könne, werde bereit sein, die für unser eigenes Überleben so wichtigen ökologischen Systeme in ihrer Ganzheit zu betrachten und zu schützen. Dabei vertrat er die Meinung, dass es eindeutig Aufgabe der Politik sei, hier die Weichen zu stellen und die richtigen Vorgaben zu machen.

Auch Lutz Spandau zeigte sich überzeugt: "Wald ist Zukunft!" Allerdings müsse man vor jedem Aktivismus klären, welche Inhalte wichtig seien, schließlich gebe es unterschiedliche Definitionen und Wahrnehmungen eines Waldes. Schützen komme immer vor Nutzen - dazu müsse man aber auch in einer Sprache sprechen, die die Menschen verstehen - und man solle froh sein über jeden Menschen, den man in den Wald bekomme.

Dass das ein verwirrender Spagat sein kann, empfanden zumindest einige Zuhörerinnen und Zuhörer so. Einerseits solle der Nationalpark die Natur vor dem Menschen schützen, andererseits werde versucht, den Menschen in den Wald zu bekommen, damit er erleben und begreifen kann, wie wertvoll wilder werdender Wald ist. Doch trotz dieses letztlich schwer zu lösenden Widerspruchs, der wohl immer nur mit Kompromissen ausbalanciert werden kann, kam die Veranstaltung bei den Gästen in Kappelrodeck gut an. Der regional bekannte Umweltaktivist Walter Trefz meinte in der abschließenden Publikumsrunde, dass das Angebot eines "Therapieraums Wald" für Politiker wohl eine gute Idee sei, um ein größeres Verständnis für den wertvollen Naturraum Wald zu wecken.

 

Hintergrund:
Der Schwarzwald-Talk:
Die Dialogreihe der Akademie für Natur- und Umweltschutz des Umweltministeriums Baden-Württemberg und des Nationalparks Schwarzwald lädt in loser Folge zu spannenden Diskussionen ein. Prominente Gäste führen an unterschiedlichen Orten Gespräche zu Themen wie Wildnis und Wissen oder Kultur und Natur.

Die Talkgäste:
Dr. Melanie Adamek ist Juristin. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich mit dem Phänomen Waldbaden, japanisch Shinrin Yoku, und hat ein vielbeachtetes Sachbuch zum Thema veröffentlicht. Ihr geht es um das Im-Wald-Sein im Sinne von „sich darauf einlassen, wahrnehmen und präsent sein“. Der Biologe Dr. Christof Schenck wusste schon als Kind, dass sein Leben nur mit Tieren denkbar ist. Doch noch nie gab es so viele Menschen, noch nie wurden die Lebensräume so grundlegend verändert. Dem versucht er als Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt a. M. entgegenzuwirken – zum Schutz für Wildtiere und ihre Lebensräume. Dr. Lutz Spandau ist Landschaftsarchitekt und Ökologe. Seit 1991 ist er Vorstand der Allianz Umweltstiftung und für die Konzeption und Struktur der Stiftung und der Förderprojekte verantwortlich. Er ist Träger des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.