Kursänderung: Hohe See statt tiefer Wald

03.02.2021 von Pressestelle in Kategorie: Nachrichten

Nationalparkleiter Wolfgang Schlund zieht sich ins Private zurück und geht auf große Segeltour/ „Träume soll man leben, solange es geht“

Er ist einer der beiden Kapitäne des Nationalparks Schwarzwald – und nun geht er dort von Bord, um ein anderes Schiff zu besteigen und zu neuen Ufern aufzubrechen. „Mit einem Segelboot die Welt zu bereisen, das war schon als Kind mein großer Traum“, sagt Wolfgang Schlund. Nun will er ihn sich endlich erfüllen. Allerdings nicht – und das ist ihm ganz wichtig – weil ihn seine jetzige Aufgabe nicht erfüllt hätte. Im Gegenteil. „Ich habe einen Traumjob und gebe ihn nur auf, weil ich versuchen möchte, noch einen anderen Traum zu leben“, erklärt Schlund.

Ein Träumer sei Schlund aber keineswegs, betont Umweltminister Franz Untersteller, der zuständige Minister für den Nationalpark: „Ich habe ihn als einen sehr pragmatischen Menschen kennengelernt, mit klarem Blick auf das, was nötig ist, aber ebenso auf das, was am Ende möglich ist. Der Nationalpark mit seinem neuen Nationalparkzentrum hat sich auch durch ihn und vor allem mit ihm zu einem Aushängeschild der baden-württembergischen Naturschutzpolitik entwickelt. Was wir heute im Schwarzwald haben ist ‚eine Spur wilder‘ und ein großer Gewinn für das Land, die Menschen und die Natur.“

Auf einer gemeinsamen Wanderung am 10. März im Nationalpark hat Untersteller Wolfgang Schlund verabschiedet. „Der Nationalpark ohne Wolfgang Schlund ist eigentlich undenkbar“, sagte er. „Er hat ihn mit konzipiert, aus der Taufe gehoben, populär gemacht und weiterentwickelt. Mit Thomas Waldenspuhl zusammen ist oder war Wolfgang Schlund bis heute das Gesicht und die Seele des Nationalparks.“

Untersteller dankte Schlund für sein jahrelanges leidenschaftliches Engagement für Natur- und Artenschutz im Schwarzwald. Schon lange vor der Nationalparkgründung habe er sich mit ganzer Kraft vor allem aber mit viel Ruhe und Gelassenheit für das Projekt eingesetzt: „Schlund hat von Anfang an unermüdlich geworben und mit viel Fingerspitzengefühl Brücken gebaut zwischen Gegnern und Befürwortern des Nationalparks. Das war gerade in der Anfangszeit ungemein wichtig für den Erfolg des Projekts.“

Auf Wolfgang Schlunds Lebensweg gab es vor dem nun bevorstehenden Segelabenteuer ein paar andere wichtige Stationen. Die Liebe zur Natur verbindet alle. Das Biologiestudium in Tübingen, „das große Glück, gemeinsam mit meiner Frau das Naturschutzzentrum am Ruhestein aufbauen zu dürfen“. Um schließlich, ab dem 1. Januar 2014, gemeinsam mit seinem Nationalparkleiterkollegen Thomas Waldenspuhl, als Gründungsväter den ersten Nationalpark Baden-Württembergs auf den Weg zu bringen. „Da ist auf jeden Fall ein großer Traum in Erfüllung gegangen“, blickt Wolfgang Schlund zurück. Eine spannende, manchmal auch verrückte Zeit sei das gewesen. Gemeinsam mit der Region dieses Naturschutzprojekt zu entwickeln und die Weichen für die Zukunft des Nationalparks zu stellen – „das hat mir sehr viel Freude gemacht“.

„Den Weggang von Wolfgang Schlund bedauere ich außerordentlich“, sagt Dr. Klaus Michael Rückert, Vorsitzender des Nationalparkrates. „Die Nationalparkregion ist ihm zu großem Dank verpflichtet: Mit seinem hohen Sachverstand und viel Herzblut hat er das Naturschutzzentrum und später den Nationalpark aufgebaut und geprägt. Seine Sensibilität für die Bedürfnisse der Menschen in unserer Region hat entscheidend zum Erfolg beider Naturschutzprojekte beigetragen. Ich werde nicht nur seine Verlässlichkeit, sondern insbesondere auch seine Menschlichkeit sehr vermissen.“

Doch „Träume soll man leben, solange es geht“, sagt Schlund; deshalb sei der Rückzug ins Private, wenn beruflich alle Ziele erreicht seien, jetzt der richtige Schritt. 2016 bot sich Wolfgang Schlund die Gelegenheit, ein altes Segelboot zu kaufen: Seither restaurierte er die Colette, so der Name des Schiffs, mit seinem Sohn „in jeder freien Minute“. Erste Touren auf Rhein und Mosel, später auf der Ostsee machten Lust auf mehr. Und Träume verfliegen zu lassen ohne wenigstens alles versucht zu haben, sie Wirklichkeit werden zu lassen, das liegt nun mal nicht in der Natur des scheidenden Nationalparkleiters.

„Wie ja auch der Traum vom Nationalpark, für dessen Entstehung er engagiert gearbeitet hat: Nun steht er als ein Leuchtturm in der Naturlandschaft Baden-Württembergs“, sagt Thomas Waldenspuhl, der ab April nun also ohne seinen langjährigen Kollegen und Freund den Nationalpark weiterleiten wird. „Ich werde ihn vermissen, ersetzbar ist niemand. Das liegt in der Einzigartigkeit menschlicher Persönlichkeit. Aber ich freue mich darauf, wenn er mit sicherlich faszinierenden Geschichten aus aller Welt den Schwarzwald wieder besuchen kommt. Träume zu besitzen ist unendlich wichtig. Einen Traum zu verwirklichen, dafür muss man den richtigen Zeitpunkt abpassen. Jeder Mensch ist selbst verantwortlich für sein gelingendes Leben. Ich gönne und wünsche Wolfgang von Herzen ein solches.“


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