Running for Rangers: Muskelkater für den guten Zweck

26.08.2021 von Oliver Gewald in Kategorie: Blog

Am 31. Juli war World Ranger Day. An diesem Tag wird an die Arbeit von Rangerinnen und Rangern auf der ganzen Welt erinnert. Im Nationalpark fand in diesem Jahr deshalb erstmals ein Spendenlauf statt – Nationalpark-Blogger Oliver Gewald war dabei

„Komm schon, noch ’ne Runde“, schallt es in den Wald hinein. Die Beine werden langsam schwer, die Lunge brennt, wie auch die Waden – und der Durst wird mit jedem Schritt größer. Diese Motivation kommt genau zur richtigen Zeit! Ein kleiner Zwischenstopp am Startpunkt, um mir den nächsten Stempel abzuholen – kleine Erfrischung inklusive. Und weiter geht’s – schließlich klingelt mit jeder Runde die Kasse, ruft mir mein Gewissen wieder ins Gedächtnis. Die nächsten fünf Kilometer im Nationalpark warten.

Zugegeben: Als passionierter Fußballer habe ich mir die Entstehungsgeschichte dieses Blogbeitrags einfacher vorgestellt. Ein Spendenlauf im Nationalpark, das werde ich ja wohl packen – dachte ich. In fast schon jugendlicher Naivität habe ich dabei völlig außer Acht gelassen, dass es in den Höhenlagen des Schwarzwalds ja auch so etwas wie Steigungen gibt. Ein Kreisliga-Spiel auf den kleinen, flachen Fußballplätzen des Kinzigtals und ein Spendenlauf über Stock, Stein und Steigung im Tonbachtal – das ist doch ein klitzekleiner Unterschied! Doch genug gejammert. Zurück zum Thema.

Im Zeichen der Rangerinnen und Ranger

Dass ich an diesem Samstag bei hochsommerlichen Temperaturen meine Runden im Nationalpark gedreht habe, war kein Zufall: Am 31. Juli wird jährlich der World Ranger Day gefeiert. Ins Leben gerufen wurde dieser Tag von der „Thin Green Line Foundation“ – eine Stiftung, die auf die Arbeit von Rangerinnen und Rangern auf der ganzen Welt aufmerksam machen möchte. Deshalb finden an diesem Tag weltweit verschiedenste Aktionen statt, unter anderem auch im Schwarzwald. Florian Hofmann ist Ranger im Nationalpark und hat den World Ranger Day auch zuvor schon mit kleineren Aktionen unterstützt. „Als ich 2019 jedoch bei einer internationalen Konferenz in Nepal zu Gast war, habe ich gemerkt: Wir müssen da noch mehr machen“, berichtet der 30-Jährige.

Etwa über 1.000 Rangerinnen und Ranger kamen weltweit in den vergangenen zehn Jahren bei ihrer Arbeit ums Leben. „Wir möchten zeigen, wie gefährlich, aber auch wie besonders dieser Beruf sein kann.“ Wie er nun auf die Idee kam, einen Spendenlauf im Nationalpark zu organisieren? „Nun ja – Running for Rangers, das klingt doch toll, da will man doch mitmachen“, erzählt Florian Hofmann mit breitem Grinsen. „Außerdem müssten wir Ranger doch fit sein! Wenn da einige mitlaufen, wird sicherlich ein guter Betrag zusammenkommen. Ich werde jedenfalls alles dafür geben.“

Über Stock, Stein und Steigung

„Müssten“ fit sein – gutes Stichwort. Das müsste ich eigentlich auch. Ausgestattet mit Startnummer, Kamera und einer gehörigen Portion Motivation mische ich mich also unter meine Mitstreiter an der Rangerhütte im Tonbachtal. Von hier aus sollte es einmal den Bachlauf talabwärts entlang zu einer kleinen Holzbrücke gehen, bevor uns der Weg wieder an einen kleinen Brunnen unterhalb der Hütte zurückführt. Voller Energie starten wir die erste Runde – und ich muss sagen: Im Nationalpark zu joggen, das hat was! Um mich herum zwitschern die Vögel, während die Baumkronen in schwindelerregender Höhe genügend Schatten spenden. Daran könnte ich mich gewöhnen!

„Echt gute Zeit für den ersten Kilometer“, ruft mir Claudio Schneider zu, der zu diesem Zeitpunkt neben mir läuft. Wenige Runden später sollte sich das allerdings erledigt haben – der Nationalpark-Mitarbeiter ist passionierter Läufer und hat sich das Ziel gesetzt, an diesem Tag einen Halbmarathon zu laufen; ein Ziel, von dem ich mich spätestens nach der ersten Überquerung der Brücke am Flusslauf verabschiedet habe. Dass ich den ganzen Weg, den ich in den letzten 2,5 Kilometer bergab gerannt bin, nun auch wieder nach oben laufen muss, habe ich bis dato verdrängt.

Ein Muskelkater, der sich lohnt

Und so muss ich mir eingestehen, dass ich mit jeder Runde ein Stück weiter hinter Claudio zurückfalle. Mein auf 90 Minuten Standfußball trainierter Körper rebelliert – „seit wann machen wir hier Dauerlauf?“, rufen mir meine Muskeln förmlich zu. Ein Segen, wenn endlich wieder der Brunnen unter der Rangerhütte in Sichtweite ist. Hier gibt’s für alle Teilnehmenden nach jeder Runde einen Stempel – und der bedeutet bares Geld für Rangerinnen und Ranger auf der ganzen Welt. Das gibt nicht nur ein kurzes Gefühl, sondern auch die Möglichkeit zu einem Päuschen. Und glaubt mir, das hatte ich wirklich bitter nötig!

Einen Vergleich zu Claudio habe ich nach einigen Runden nicht mehr gezogen. 26 Kilometer wird er am Ende gelaufen sein – und damit sein Ziel des Halbmarathons tatsächlich erreicht haben. Und auch Florian hat im Schatten des Dauerläufers fleißig seine Runden gedreht. Sein persönliches Ziel, so viele Kilometer wie möglich zurückzulegen, hat er erreicht – und damit dazu beigetragen, dass stolze 900 Euro an diesem sonnigen Samstag im Tonbachtal erlaufen wurden. Mit diesem Wissen erträgt sich der Muskelkater am nächsten Tag doch gleich viel besser.

Kommentare

Aktuell sind noch keine Kommentare vorhanden.

Hinterlasse uns einen Kommentar:

Verbleibende Zeichen: 600

Zurück

Zum Autor

Oliver Gewald

Bloggt im Auftrag von Kresse & Discher für den Nationalpark Schwarzwald.


Fragen zum Thema?

Nationalpark-Pressestelle

Tel.: +49 7449 92998-14
pressestelle@nlp.bwl.de