FÖJ & BuFDi: Ein Jahr im Dienste der Natur

17.12.2020 von Oliver Gewald in Kategorie: Blog, Freiwillig unterwegs

Mit dem FÖJ und dem BuFDi können junge Menschen ein Jahr lang im Nationalpark mitarbeiten. Wie sich dadurch ein Kalifornier und eine Weltenbummlerin aus Südfrankreich in den Schwarzwald verirrt haben, verrät euch Nationalpark-Blogger Oliver.

Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt von morgen aussieht. Ein tolles Credo, das die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach im Jahr 1893 für die Nachwelt festgehalten hat. Und vielleicht war dieser weise Satz noch nie so aktuell wie heute. Laut einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) ist der Klimaschutz für 45% aller Jugendlichen ein besonders wichtiges Anliegen. Sie wollen eine lebenswerte Erde – und sie wollen, dass heute der Grundstein dafür gelegt wird.

Das Übergangsjahr mit Lerneffekt

Was das nun mit dem Nationalpark zu tun hat, fragt ihr euch? Ganz einfach: Wo wird nachhaltiger Naturschutz schon besser gelebt als hier? Außerdem gibt’s für Jugendliche dort auch die einmalige Chance, sich ein Jahr lang dem Naturschutz zu widmen. Möglich macht es das so genannte FÖJ (Freiwilliges ökologisches Jahr) und der BuFDi (Bundesfreiwilligendienst): In diesem freiwilligen Jahr arbeiten Jugendliche und junge Erwachsene in den Fachbereichen des Nationalparks mit. Ziel ist es, den jungen Freiwilligen ökologische Zusammenhänge in der Natur näherzubringen. Eine Win-Win-Win-Situation also – für den Nationalpark, als auch für die Natur und für die jungen Leute. Während dieses Jahres erarbeitet außerdem jeder BuFDi und FÖJler ein eigenes Projekt, das er im Nationalpark realisiert.

Was sich die Freiwilligen in diesem Jahr ausgedacht haben, erzählten sie mir persönlich. Ich durfte vier der sechs FÖJler und BuFDis in ihrer WG in Seebach kennenlernen. Dabei habe ich erfahren, dass sich das Angebot auch in Kalifornien und Südfrankreich herumgesprochen hat und wie sich selbst echte Schwarzwälderinen und Schwarzwälder nochmal neu in ihre Heimat verlieben.

„Um Schnee zu sehen, muss ich zu Hause sehr weit fahren“

Ein Kalifornier im Nationalpark – die Geschichte von Nicolas Ebert (19) ist allein wegen seiner Herkunft spannend. „Es war ein sehr großer Kulturschock“, gibt er lachend zu. Kein Wunder: „Um Schnee zu sehen, muss ich zu Hause sehr weit fahren. Hier frieren mir an manchen Tagen echt meine Hände ab!“ Dass es bisher noch gar nicht richtig kalt war, sage ich ihm lieber nicht. Stattdessen möchte ich wissen, wie es ihn in den Schwarzwald verschlagen hat. „Ich habe deutsche Wurzeln und wollte diese Seite von mir besser kennenlernen“, erzählt er. Und seine Deutschkenntnisse wollte er verbessern – ich würde sagen: mission completed! Gleichzeitig nutzt er das FÖJ als Orientierung für seine berufliche Zukunft: „Ich interessiere mich sehr für Naturschutz und die Forschung“, erzählt er. „Das will ich hier besser kennenlernen und schauen, ob es zu mir passt.“ Sein Zwischenfazit nach fast drei Monaten: Es passt! In seinem Projekt möchte Nicolas einen Kurzfilm drehen, in dem er den Menschen die Natur und den Nationalpark näherbringt. Deshalb streift er schon fleißig mit seiner Kamera durch die Wälder. Hoffentlich hat er dann auch Handschuhe dabei!

Die Heimat neu kennenlernen

Etwas näher zum Schwarzwald ist Nina Rosenlicht (18) aufgewachsen. Die frischgebackene Abiturientin kommt aus Emmendingen – echte Berührungspunkte mit den heimischen Wäldern hatte sie zuvor aber dennoch nicht. „Ich wusste nicht einmal, dass es hier einen Nationalpark gibt“, gibt sie zu. „Für mich war der Schwarzwald bis dahin einfach ein Wald, der schon immer da war.“ Mit der Zeit hat sie die Wälder rund um die BuFDi-WG in Seebach aber besser kennen- und damit auch lieben gelernt.
Für den BuFDi hat sie sich vor allem entschieden, um eine Orientierung für ihre berufliche Zukunft zu bekommen. „Hier kann ich mich aktiv für die Natur einsetzen und bin viel draußen. Das gefällt mir total.“ Nach dem freiwilligen Jahr im Nationalpark soll ein Studium folgen – in welcher Fachrichtung weiß sie noch nicht. Bei der Entscheidungsfindung soll ihr daher der BuFDi helfen. Bis es so weit ist, arbeitet sie unter anderem daran, den Luchspfad zu erneuern.

„Ich wollte unbedingt in die Berge“

Einfach ein entspanntes Jahr haben und dabei auch noch etwas über die Natur und sich selber lernen – das sind die Ziele von Jonas Wolf (18) während seines FÖJ im Nationalpark. „Ich wollte unbedingt in die Berge und mit Kindern arbeiten“, berichtet der gebürtige Freiburger. Im Fachbereich 43 kümmert sich Jonas um Gruppenführungen, arbeitet viel mit Kindern. Das hat es ihm mittlerweile sogar so sehr angetan, dass er sich das auch in Zukunft vorstellen kann: „Erlebnispädagogik interessiert mich sehr. Bislang macht es mir total Spaß!“

Diese Begeisterung möchte der Abiturient auch an die Besucherinnen und Besucher weitergeben. In seinem FÖJ wirkt er an einem Actionbound mit – quasi eine Art Geo-Caching. Bei dieser Tour durch den Nationalpark müssen mit Hilfe einer App an verschiedenen Punkten Aufgaben gelöst werden. Damit soll dann ein ganzes Tagesprogramm für eine Gruppe organisiert werden können. Der erste Testlauf ist schon geplant – mit Jonas Hilfe soll das Projekt nun fertiggestellt und optimiert werden. Unterstützt wird er dabei von Kollegen und Kolleginnen aus dem Nationalpark sowie der PH Ludwigsburg.

Von Nicaragua in den Schwarzwald

Was hat Audrey Mazza (25) als erstes gegoogelt, nachdem sie vom Angebot im Nationalpark erfahren hat? „Wetter Schwarzwald“, sagt sie lachend. Kein Wunder, schließlich kommt Audrey aus dem sonnigen Südfrankreich – aber sie ist auch eine echte Weltenbummlerin! Vor eineinhalb Jahren hat sie ihr Master-Studium beendet. „Danach habe ich etwas Abwechslung gesucht und bin viel herumgereist“, erzählt sie. Antrieb für ihre Reisen war häufig ein Umwelt- bzw. Naturschutzprojekt, in das sie involviert war. Zuletzt war sie dafür sogar in Nicaragua unterwegs – mehr Kontrast zum Nationalpark geht nicht!

„Ich habe eher einen wissenschaftlichen Hintergrund, daher möchte ich lernen, wie man mit Kindern arbeitet. Ich finde es sehr wichtig, sie dafür zu sensibilisieren, was Natur ist und was wir dort tun und lassen sollten. Das ist der Grund, wieso ich das hier machen wollte.“ Trotz der vielen Reisen war es für sie eine große Herausforderung, sich zu Beginn im Nationalpark zurechtzufinden: „Ich habe kein Wort Deutsch gesprochen!“ Mittlerweile ist Audrey angekommen – und auch das Wetter wird für die sonnenverwöhnte Französin langsam zur Gewohnheit. „Wenn die Reise cool ist und die Leute nett sind, rückt das Wetter in den Hintergrund.“

Wer noch mehr über die Arbeit der BuFDis und FÖJler im Nationalpark erfahren möchte, sollte in den nächsten Wochen und Monaten einen genauen Blick auf die Webseite werfen. Denn Nicolas, Nina, Jonas und Audrey wollen euch ab sofort persönliche Einblicke in ihr Leben im Nationalpark geben.

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Zum Autor

Oliver Gewald

Bloggt im Auftrag von Kresse & Discher für den Nationalpark Schwarzwald.


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