Barrierefreiheit und Wildnis: kein Widerspruch, ein Weg

29.09.2021 von Pressestelle in Kategorie: Veranstaltungen

Kommunale Behindertenbeauftragte des Landes tagen am  30. September im neuen Nationalparkzentrum am Ruhestein

 

Barrierefreiheit inmitten wilder werdender Natur – das klingt erstmal wie ein schwer aufzulösender Widerspruch. „Aber unser Anspruch war es von Anfang an, nicht einfach nur gesetzliche Mindeststandards zu erfüllen, sondern den Nationalpark wirklich für alle Menschen erlebbar zu machen – und die Grenzen des Machbaren stellen wir dabei immer neu in Frage“, sagt Kerstin Ensinger, die den Sachbereich Erholung und Tourismus im Nationalpark leitet und Mitglied der Arbeitsgruppe Inklusion ist.

 

„Es ist erfreulich, dass in den letzten Jahren die Angebote im Nationalpark für Mobilitätseingeschränkte, Seh- und Hörbehinderte, Menschen mit sprachlichen, kognitiven oder anderen Einschränkungen entweder von Beginn an mitgedacht oder stetig ausgebaut wurden. Das ermöglicht jedem ein individuelles Naturerlebnis“, lobt Petra Mumbach, kommunale Behindertenbeauftrage vom Landkreis Rastatt. Auf ihre Initiative hin haben sich die Behindertenbeauftragen der an den Nationalpark grenzenden Stadt- und Landkreise bereits 2017 vernetzt, um gemeinsam mit dem Nationalparkteam Angebote zu verbessern, zu bewerben und neue Möglichkeiten auszuloten.

 

Ganz neue Möglichkeiten, Wildnis barrierefrei zu erleben, bietet das im Frühsommer eröffnete Nationalparkzentrum am Ruhestein. Wie sehr das gelungen und was hier möglich ist, wollen die kommunalen Behindertenbeauftragten des Landes am Donnerstag, 30. September, nun live bei ihrer Jahrestagung testen. „Wir möchten hier auch gerne bei neuen Angeboten beraten“, sagt Anita Diebold, kommunale Behindertenbeauftragte des Ortenaukreises. „Und es gibt auch im Umfeld noch viel zu verbessern, zum Beispiel bei der barrierefreien Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr oder barrierefreien Angeboten in Gastronomie und Hotellerie.“ Gerade in Zeiten der Pandemie sei die Naherholung ein wichtiges Anliegen bei Menschen mit Behinderung und Ihren Angehörigen, betont Anita Diebold.

 

Die Besonderheit des Nationalparks als Ausflugsziel ist den Beauftragten dabei sehr bewusst. „Hauptziel des Schutzgebiets ist es, dass die Natur sich neu ausrichten, ohne menschliches Eingreifen entwickeln kann. Da kann nicht alles barrierefrei gestaltet werden. Aber wir sehen das große Bemühen der Nationalparkverwaltung, so viele Barrieren wie möglich aus dem Weg zu räumen“, sagt Petra Mumbach. Zum Beispiel mit der besonderen Wildnisübernachtung für Familien, die Pädagogin Svenja Fox in Gebärdensprache führt – diese wurde 2019 sogar als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

 

„Für uns gilt bei diesem Thema generell: Wir fokussieren uns auf Chancen, nicht auf Grenzen“, erklärt Kerstin Ensinger. Ohne dabei die konkreten Baustellen aus dem Blick zu verlieren: „Die Toilette für Alle kommt noch, das Blindenleitsystem in der Ausstellung ist in Arbeit“, sagt Ensinger. Inklusion sei eben ein fortlaufender Prozess, „und das ist auch genauso gewünscht: Wir möchten nicht Vorgaben abhaken, sondern gemeinsam mit dem Thema unterwegs sein und uns immer weiter dem großen Ziel annähern, selbstbestimmte Zugänge und Teilhabe zu ermöglichen.“

 

Mehr zum Thema Barrierefreiheit im Nationalpark erfahren Sie hier.

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