Wie viele Menschen besuchen den Nationalpark?

18.07.2022 von Dominik Rüede in Kategorie: Nationalparkforschung

Im Nationalpark Schwarzwald gibt es nicht den einen Zugang, sondern man kann auf sehr vielen Wegen in den frei zugänglichen Park gelangen. Nun stellt sich die Herausforderung, das Besuchsaufkommen trotzdem seriös abzuschätzen. Im Nationalpark Schwarzwald kommt dabei eine Kombination aus automatischen (Zählgerätenetz) und manuellen (flächigen Gesamterhebungen) Verfahren zum Einsatz. Eine solche Kombination verschiedener Methoden ist notwendig, weil aufgrund der Anzahl an Parkeintrittsmöglichkeiten nicht an allen Eingängen ganzjährig durchgängig gezählt werden kann.

Seit Juli 2018 gibt es ein Zählgerätenetz im Nationalpark (Abbildung). Diese Geräte sind an 13 Standorten platziert und mit einem Wärmesensor bestückt, der sogar erkennt, in welcher Richtung daran vorbeigelaufen wird.

Ab und an muss überprüft werden, ob die Technik funktioniert. Dies geschieht dadurch, dass man die Zählgerätsdaten mit den Daten vergleicht, die parallel dazu durch Menschen erfasst wurden. Zudem durchlaufen die Zählgerätsdaten einen Plausibilitätscheck.

Flächige Gesamterhebungen gab es z.B. am 14.10.2018 und bei gebietsweiter Schneelage am 20.01.2019. Von jedem Zählpunkt wurden die Durchgänge der Streckenabschnitte addiert, bei denen ein erstmaliger Parkeintritt angenommen wurde. Dadurch, dass an einem Zähltag auch die Zählgerätsdaten vorliegen, können diese mit den manuell erhobenen Daten ins Verhältnis gesetzt werden. Dieser Multiplikator wird dann gemeinsam mit den vorhandenen Zählgerätsdaten genutzt, um das gesamte Besuchsaufkommen z.B. für ein Jahr abzuschätzen.

Im ersten Erhebungsjahr von Juli 2018 bis Juni 2019 kann somit von ca. 778.000 Besuchen ausgegangen werden (siehe Abbildung). Im Jahr darauf waren es schon 834.000 Besuche und für Juli 2020 bis Juni 2021 gehen wir sogar von 1.064.000 Besuchen aus.

Darüber hinaus verdeutlichen die Zählgerätsdaten, dass die Hauptsaison von April bis Oktober dauert und am Wochenende fast so viele Besuche zu verzeichnen sind wie an den restlichen Wochentagen zusammen (siehe Abbildung).

Dadurch, dass bei den flächigen Gesamterhebungen auch die Art der Nutzung erfasst wird (konkret: wandern, Rad fahren oder Ski), gehen wir davon aus, dass über das Jahr gesehen ungefähr 85% der Besuchenden wandernd, 10% per Rad und 5% auf Skiern unterwegs sind. Dies ist natürlich auch von der Wetter- und Schneelage einer Saison abhängig.

 

Was bedeutet das für die Nationalparkverwaltung?

Für das Parkmanagement sind diese Erkenntnisse wichtig, weil die Ranger und Rangerinnen so besser einschätzen können, wann und wo Besuchende unterwegs sind. Zudem werden die Daten als Grundlage für die Besucherlenkung sowie für die Angebots- und Infrastrukturentwicklung verwendet.

Darüber hinaus fließen diese Daten in die Planung und Umsetzung weiterer Erhebungen ein, also zum Beispiel, wenn wir die Besuchenden nicht nur zählen, sondern auch befragen.

Rüede D, Krüger F (2021) Abschätzung des Besuchsaufkommens in einem Großschutzgebiet - Fallstudie Nationalpark Schwarzwald. Natur und Landschaft 96(8):377-384

 

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