Die Ermöglicherin

28.06.2024 von Iris Lemanczyk, Andreas Forch in Kategorie : Blog
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    …. habt ihr’s verstanden? Svenja Fox begrüßt uns im Nationalpark in Deutscher Gebärdensprache. Sie möchte den Nationalpark für Taube Menschen (► mehr zu Begriffen und Selbstverständnis der Community hier) erlebbar machen, und kümmert sich in einem kleinen Team um Barrierefreiheit und Zugänglichkeit generell, nicht nur für Gehörlose. Was sich im Nationalpark mit all seinem Totholz, seinen steilen Pfaden und Baumstämmen, die quer übern Weg liegen, erst mal schwierig bis unmöglich anhört.

     

    „In der Natur zu sein tut mir gut“

    Svenja ist in erster Linie Wildnispädagogin. „Mir selbst tut es total gut, in der Natur zu sein, sowohl körperlich, als auch psychisch“, sagt sie. „Je mehr ich in der Natur bin, desto mehr hab ich Mitgefühl und Verständnis andere Menschen und Orte- was Voraussetzung ist für eine nachhaltige Lebensweise. Das möchte ich auch Kindern und Jugendlichen ermöglichen.“ Gerade Kindern und Jugendlichen, in deren Alltag die Natur keine große Rolle spielt. „Eines unserer Ziele in der Wildnisbildung ist die Anregung nachhaltig zu leben und auch mal auf Dinge zu verzichten“, sagt sie. „Leider macht Verzicht vielen Angst und ist negativ besetzt. Doch wenn wir draußen unterwegs sind, merken wir, dass wir gar nicht viel brauchen.“

    Sogar die Handys werden auf einmal immer unwichtiger. An vielen Plätzen gibt es eh kein Netz, dafür gibt es viel zu entdecken, sodass viele sogar vergessen, Fotos zu machen. Wenn coole Jugendliche, die anfangs sagen „Was für ein Scheiß!“ am Ende zu Svenja kommen und meinen „War gar nicht so schlimm“, dann ist das einer dieser Momente, die sie zufrieden machen. Und mir macht sie damit Lust, an solch einem Tag mal dabei zu sein.

    Die Einzige

    Natürlich ist die Sache mit der Deutschen Gebärdensprache besonders spannend. Dank Svenja ist der Nationalpark Schwarzwald der einzige Nationalpark in Deutschland mit Angeboten in Deutscher Gebärdensprache, die von einer Mitarbeiterin durchgeführt werden. Ich frage Svenja, wie sie zur Gebärdensprache gekommen ist, denke dabei an ein gehörloses Familienmitglied oder so. Pustekuchen!

    „Mit zwölf habe ich im Kino den Film ‚Jenseits der Stille‘ gesehen. Der hat mich so beeindruckt, dass ich unbedingt die Deutsche Gebärdensprache lernen wollte“, sagt sie. Ich hab den Film von Caroline Link damals auch gesehen. Es geht um ein hörendes Mädchen, Lara, und ihre gehörlosen Eltern. Lara entdeckt die Welt der Musik, in die ihr ihre Eltern nicht folgen können. Mich hat der Film damals auch sehr beeindruckt, hab kurz darüber nachgedacht, wie das wäre, die Deutsche Gebärdensprache zu beherrschen. Aber schnell war der Gedanke verflogen.

    Nicht so bei Svenja. Mit 14 saß sie in der Volkshochschule in ihrer Heimatstadt Frankfurt in ihrem ersten Kurs zur Deutschen Gebärdensprache. Sie hat alle Kurse belegt, doch sich nie getraut, ihr Wissen anzuwenden. Mit 17 hat sie dann aufgehört.

    Natur, Bildungsarbeit, Deutsche Gebärdensprache

    Aber wie der Zufall so spielt… als sie zum Studium nach Berlin kam, lernte sie jemanden kennen, der das mit der Deutschen Gebärdensprache toll fand. Also wiederholte sie die Kurse - und blieb bei der Deutschen Gebärdensprache. „Es ist total schön, dass ich hier in meinem Job alles vereinen kann: Natur, Bildungsarbeit und Deutsche Gebärdensprache“, sagt sie.

    Mit Tauben Menschen - das große T und der Begriff ist übrigens eine positive Selbstbezeichnung - draußen zu übernachten ist nicht viel anders als mit Hörenden. „Wir brauchen ein größeres Feuer, um uns und unsere Gebärden am Lagerfeuer zu sehen. Für viele Menschen mit denen wir draußen übernachten ist es die erste Nacht unter freiem Himmel. Für taube Menschen kommt noch hinzu, dass sie die Geräusche des Waldes nicht hören. Ob es noch ein wenig mehr Mut braucht als tauber Mensch draußen zu schlafen? Vielleicht. Ich weiß es nicht.“

    Eines ihrer Lieblingsprojekte

    Außer sich um Barrierefreiheit und Wildnispädagogik zu kümmern, ist Svenja Fox noch „Ermöglicherin“ bei den Young Explorers. Ein stetig wachsendes Netzwerk junger Leute, die sich für die Natur vor der Haustür, für Natur- und Klimaschutz und eine zukunftsfähige Gesellschaft einsetzen.

    Einmal im Jahr gibt es das einwöchige Young Explorer Camp für 16- bis 19-Jährige im Nationalpark, bei dem die Natur vor allem durch Medien, also durch Film und Fotografie entdeckt wird. „Das ist eines meiner Lieblingsprojekte. Ich bin im Camp dabei, um Absprachen zu treffen und um Freiräume zu ermöglichen. Hier gestalten junge Menschen wirklich selbst. Meine Aufgabe ist es nur, die Möglichkeiten dafür zu öffnen.“


    Veranstaltungen in Deutscher Gebärdensprache

    Die nächste Wildnisübernachtung für Familien in Deutscher Gebärdensprche findet am 10./11. August statt. Das Angebot richtet sich an gehörlose und hörende Menschen mit DGS-Kompetenz und wird in Gebärdensprache durchgeführt.

    Weitere Informationen und Anmeldung im Veranstaltungskalender.

    Am 19. Oktober findet eine Führung in Deutscher Gebärdensprache zum Wilden See statt. Auch hier gibt es weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmekdung im Veranstaltungskalnder.

    1 Kommentar

    29.06.2024 um 01:45 Uhr von Gast:

    Toller Service
    Als hörender Mensch denkt man oft gar nicht daran, dass gehörlosen Menschen viele Dinge verschlossen bleiben. Wichtiger Beitrag zur Inklusion!
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    Zur Person

    Iris Lemanczyk

    Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

     

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    Andreas Forch

    Arbeitet mit Bloggerin Iris im Team und macht die Bilder und Videos für ihre Blogbeiträge.