Borkenkäfer bleibt gemeinsame Sache

23.07.2026 von Pressestelle in Kategorie : Nachrichten
  • gemeinsame Pressemitteilung von ForstBW und Nationalpark

    Die Flächen sind neu verteilt, die Claims frisch abgesteckt – das gemeinsame Ziel im Pufferstreifen rund um den Nationalpark bleibt aber unverändert. „Der Schutz der umliegenden Wälder war von Anfang an unsere Prämisse, an der wir alles ausgerichtet haben“, sagt Frieder Hepperle, Leiter des Forstbezirks Mittlerer Schwarzwald bei ForstBW. Es geht dabei um den Schutz vor einem sehr kleinen Käfer mit Durchschlagskraft: dem Borkenkäfer, genauer gesagt, dem Buchdrucker, der Fichten befällt.

    Als der Nationalpark 2014 gegründet wurde, war die Angst der umliegenden Waldbesitzer groß, dieser Schädling könnte sich im Nationalpark ungehindert ausbreiten und von dort auch in den benachbarten Wirtschaftswälder Schäden verursachen. „Diese Sorge haben wir von Anfang an sehr ernst genommen – und gemeinsam in einer Arbeitsgruppe mit ForstBW, der Stadt Baden-Baden und weiteren Akteuren eines der modernsten und ausgefeiltesten Managementverfahren überhaupt entwickelt“, sagt Nationalparkleiter Berthold Reichle. Die Eckpfeiler: Ein 500 Meter breiter Pufferstreifen, engmaschige Kontrollen im Gebiet, unterstützt durch digitale Technik und die Vorgabe, befallene Bäume innerhalb von 14 Tagen aus dem Wald zu entfernen. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg mit Sitz in Freiburg beobachtete genau, wie gut die Theorie in der Praxis funktioniert. „Und ich denke, wir können sehr zufrieden sein“, sagt Thorsten Schaupp, Referatsleiter Wald- und Wildtiermanagement im Nationalpark. 2500 Hektar verantwortete der Nationalpark, 3100 Hektar ForstBW und 340 Hektar das Forstamt Baden-Baden. Mit der Erweiterung des Nationalparks hat sich das nun seit 1. Januar geändert – der Pufferstreifen liegt nun zum Großteil in der Verantwortung von ForstBW.

    Entscheidungswege werden kürzer, Claims mit neuem Zuschnitt

    „Aber an dem Managementverfahren wird sich nichts ändern“, sagt Frieder Hepperle. Die Entscheidungswege werden etwas kürzer, die sogenannten Claims sind neu zugeschnitten. Bisher tagte in der Saison monatlich eine Arbeitsgruppe mit allen Beteiligten, die durchaus auch mal um Lösungen und Kompromisse ringen musste. Im Rahmen der Nationalparkerweiterung wurde das Borkenkäfermanagement zudem räumlich optimiert, d.h. die sog. Claims wurden neu zugeschnitten und die Logistikkette dadurch verbessert. „Wir haben in unseren Organisationen unterschiedliche Zielsetzungen, im Borkenkäfermanagement ziehen wir aber an einem Strang“, sagt Hepperle. ForstBW führt einen nachhaltigen Wirtschaftsbetrieb, der Nationalpark hat das Motto „Natur Natur sein lassen“ als oberstes Ziel. „Auch beim Borkenkäfermanagement hat der naturschutzfachliche Aspekt für uns eine große Bedeutung“, sagt Berthold Reichle.

    Was sich durch den neuen Zuschnitt auch geändert haben könnte, ist der Blick der Waldnachbarn auf das Management. „Wir sind, wie die privaten und kommunalen Forstbetriebe im Umfeld, selbst ein Wirtschaftsbetrieb und haben ein großes Eigeninteresse, dass sich die Borkenkäfer in der Region nicht massenhaft vermehren“, sagt Hepperle. Und weiß gleichzeitig die Arbeit des Nationalparks sehr zu schätzen. „Wir haben gegenseitig viel voneinander gelernt – was der Nationalpark zum Beispiel für den Auerhuhnschutz entwickelt hat, bringt alle Akteure im Schwarzwald bei dem Thema weiter.“ Auch Thorsten Schaupp ist optimistisch, dass das gemeinsam entwickelte Borkenkäferkonzept auch mit neuem Zuschnitt weiterträgt. Und der Nationalpark kann sich noch mehr auf die Perspektive konzentrieren, die der Naturschutz auf den kleinen Käfer hat: „Ein Strukturbildner, der quasi Lebensräume für weitere Arten schafft und damit eine wichtige Rolle im Lebenskreislauf des Waldes spielt“, sagt Berthold Reichle. Und damit einen Wald fördert, der möglicherweise widerstandsfähiger für gefräßige Schädlinge ist.

     


    Hintergrund

    •          Borkenkäfermanagement findet im Pufferstreifen des Nationalparks statt, dieser umfasst rund 5740 Hektar (4.500 (vorher: 3.100) Hektar werden von ForstBW betreut, 900 (vorher: 2.500) Hektar von der Nationalparkverwaltung, 340 Hektar vom Forstamt Baden-Baden)

    •          Wissenschaftlich begleitet wird das Borkenkäfermanagement durch die Abteilung Waldschutz der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg. Für den Newsletter zur Borkenkäfersituation können sich Interessierte hier anmelden:
    www.fva-bw.de/top-meta-navigation/fachabteilungen/waldschutz/newsletter-bestellung


    Die Pressemitteilung vom 23. Juli 2026 als PDF zum Herunterladen: Mit neuer Aufteilung und viel Erfahrung: Borkenkäfer bleibt gemeinsame Sache (PDF, 0.3 MB)

    Sollte das PDF nicht mehr an dieser Stelle zum Download zur Verfügung stehen, fragen Sie gerne in unserer Pressestelle nach: pressestelle@nlp.bwl.de

    Die Bilder, die Sie unter folgendem Link herunterladen können, dürfen Sie gerne im Rahmen Ihrer Veröffentlichung zum Thema mit Nennung der Bildquelle kostenfrei verwenden:

    Weitere Fotos zum Nationalpark Schwarzwald finden Sie in der Fotomediathek, ebenfalls auf unserer Website. Hier können Sie auch die Nutzungsbedingungen für diese Bilder als PDF einsehen und herunterladen: 

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