Waldkiefer
Die Art des Monats Dezember 2024
Alle Jahre wieder stellen wir im Dezember eine immergrüne Art vor. Diesmal die schauen wir uns die Waldkiefer an, die auch als Föhre, Forle oder Forche oder Gewöhnliche Kiefer bekannt ist. "Gewöhnlich" vermutlich deshalb, weil sie in Deutschland die einzige weit verbreitete heimische Kiefernart ist.
Woran erkennt man die Waldkiefer?
Von anderen Nadelbaumarten lassen sich Kiefern gut unterscheiden, da ihre Nadeln gebündelt wachsen (Abb 1). Über die Anzahl der Nadeln, die an einem Punkt wachsen lassen sich wiederum verschiedene Kiefernarten unterscheiden. Bei der Waldkiefer sind es immer zwei. Ein Nadelpaar ist um die Längsachse verdreht und kann dadurch nicht zu „einer Nadel“ zusammengefasst werden. Die 20 bis 75 Millimeter langen und zwei Millimeter breiten Nadeln fallen nach drei bis vier Jahren zusammen mit dem dazugehörenden Kurztrieb ab. Bei Luftverunreinigung kann das schon nach zwei Jahren passieren. Außerdem können die Nadeln unter diesen Bedingungen auch kürzer bleiben. Auch die Färbung der Nadeln ist vom Standort und der Baumvitalität beeinflusst und kann von Gelbgrün bis Blaugrün variieren. Junge Triebe sind gelblich gefärbt.
Die Rinde ist im Kronenbereich fuchsrot und reflektiert Sonnenlicht weshalb sie auch als Spiegelrinde bezeichnet wird. Ältere Borke wird grau und bildet Platten die durch tiefe Furchen getrennt sind. Die Form der Baumkrone ist im Alter oft asymmetrisch.
Die Waldkiefer kann 600 (– 1000 je nach Literatur) Jahre alt werden, eine Wuchshöhe von 35 Meter erreichen, auf guten Standorten auch über 40 Meter. Der Stammumfang kann einen Meter erreichen. Unter forstwirtschaftlicher Nutzung werden die Bäume in der Regel nach 100 bis 120 Jahren geerntet. Die Waldkiefer war wie die Gemeine Fichte über Jahrhunderte ein wichtiges Standbein der Forstwirtschaft und nach der Fichte die zweithäufigste Baumart in Deutschland. Die Fichte in den Mittelgebirgen und eher im Süden Deutschlands, die Kiefer in tieferen Lagen aber vor allem auch auf den nährstoffarmen Böden des Norddeutschen Tieflandes. Mit der Abkehr von der Nadelbaum-Altersklassen-Bewirtschaftung geht der Anteil der beiden Baumarten stetig zurück.
Wo finden wir die Waldkiefer?
Am Ende der letzten Eiszeit breiteten sich Baumarten aus ihren Rückzugsgebieten südlich der Alpen wieder nach Norden aus. Die Waldkiefer war eine der ersten Baumarten, die die eisfreie Tundra besiedeln konnte. Daher wird der Zeitraum 12500 bis 8000 vor Chr. auch als subarktische Birken-Kieferzeit bezeichnet.
Die heutige, natürliche Verbreitung reicht in Europa und Asien vom Polarkreis in Skandinavien ins nördlichen Mittelrussland, ins östlichen Mitteleuropa und in die Randgebiete der Alpen. Sie besiedelt die Höhenlagen vom Meeresspiegel bis in subalpine Lagen. Heute ist die Baumart in Mitteleuropa nicht mehr so dominant wie gegen Ende der Eiszeit. Im Gegenteil: ohne die Unterstützung des Menschen würde die Wald-Kiefer von schattentoleranten und konkurrenzstärkeren Baumarten auf sehr feuchte oder sehr trockene und vor allem auch nährstoffarme Standorte zurückgedrängt.
Wie verbreitet sich die Waldkiefer?
Bestäubung und Samenverbreitung erfolgt alleine über den Wind. Das ermöglicht eine schnelle und unabhängige Besiedlung offener Flächen nach Waldbrand oder Kahlschlag. Für Keimung und das schnelle Jugendwachstum braucht diese Pionierbaumart vor allem viel Licht. Daher finden wir Kiefern heute an Waldrändern und entlang von Wegen. Die Art kommt mit weniger Wasser aus als alle anderen heimischen Baumarten.
Um im kalten aber auch trockenen Klima im Norden und vor allem im Osten zu bestehen, haben sich bei Kiefern verschiedene Anpassungen entwickelt. So ist der Bau der Nadelblätter an Trockenheit angepasst, besonders an Frosttrocknis auch als Winterdürre bezeichnet. Wenn Pflanzen Photosynthese betreiben geben sie über die Blätter Feuchtigkeit an die Luft ab. Wenn bei gefrorenem Boden kein Wasser nachgeliefert werden, kann kommt es zu Trockenschäden. Die Nadeln sind ledrig und relativ dick. Zusätzlich sind die Spaltöffnung an den Blattunterseiten tief eingesenkt, um Verdunstung zu reduzieren. Auch die Nadelspitzen dienen der Wassergewinnung, indem sie als Kondensationspunkte die Taubildung fördern. Die Pfahlwurzel kann bis in fünf Meter Tiefe reichen. Die Symbiose mit Wurzelpilzen fördert die Nährstofferschließung im Waldboden. Nicht zuletzt schützt die dicke Borke alter Kiefern vor Wetterextremen aber auch zu einem gewissen Maße vor Waldbrand.
Welche Bedeutung hatte die Waldkiefer in der Region und im Nationalpark?
In den Hochlagen des Nordschwarzwaldes sehen wir nach wie vor Waldbilder wie in Abb 5. Durch die forstwirtschaftliche Nutzung im Nordschwarzwald wurde eine regionale Variante der Waldkiefer selektiert, die besonders wertvolles, weil geradschaftiges Holz produziert, die sogenannte Schwarzwälder Höhenkiefer, lokal auch als Enztalkiefer bekannt.
Die Kiefer produziert viel Harz zum Schließen von Wunden. Bernstein ist fossiles Kiefernharz. Im Nationalpark Schwarzwald finden wir Gewannbezeichnungen wie Kieneck oder den Kienweg. Der Hausberg von Freudenstadt heißt Kienberg. Kiefer, wahrscheinlich abgeleitet von „Kien“-Föhre, „Kienbaum“ oder „Kien tragendem Baum, diente zur Produktion sogenannter Kienspäne, etwa drei Millimeter dicke und bis zehn Zentimeter lange Holzstreifen. Solche Kienspäne waren seit der Altsteinzeit bis ins 19. Jahrhundert in Mittel- und Nordeuropa oft das einzige Beleuchtungsmittel. Das Baumharz konnte auch direkt gewonnen werden. Am unteren Stammteil wurde die Rinde entfernt und der Stamm fischgrätartig eingeritzt, das im Frühjahr ausfließende Harz wurde in Töpfen aufgefangen (siehe Abb 4). Ein guter Pechbaum lieferte bis zu drei Kilogramm Harz pro Jahr, welches zum Abdichten oder auch als Grundstoff für Lacke, Leime und für viele andere Artikel verwendet wurde. Weiterhin wurde der Ruß, der beim Verbrennen von Kiefernholz entstand, zur Herstellung von Farben, Tusche, Druckerschwärze und Schuhcreme genutzt. Während es für diese Produkte heute synthetischen Ersatz gibt, wird Kiefernnadelöl auch heute noch in Bade- und Saunazusätzen verwendet.
Heute freuen sich nicht nur die Auerhähne, die die Kiefern mit ihren dicken Ästen oft als Schlafbaum nutzen, sondern auch wir Menschen am Anblick der dicken Kiefern mit ihren asymmetrischen Kronen.
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