Weidenmeise
Die Art des Monats Juni 2026
Ein Profiteur des Prozessschutzes
Die Weidenmeise (Poecile montanus) ist in Mitteleuropa ein weit verbreiteter Standvogel, gehört aber insgesamt, was ihre Lebensraumwahl anbelangt, zu den anspruchsvolleren Meisenarten. Am häufigsten besiedelt sie feuchte, unterholzreiche Laub- und Mischwälder mit einem hohen Anteil an Weich- (z.B. Weiden, Erlen und Birken) und Totholz. In höheren Lagen kommt sie auch in lichten, totholzreichen Nadelwäldern vor.
Sie ist etwas kleiner als die Kohlmeise, hat eine graubraune Grundfärbung und ähnelt stark ihrer Zwillingsart, der Sumpfmeise.
Die Weidenmeise und die Sumpfmeise sind am besten durch ihre Rufe und Gesänge zu unterscheiden (Audiodateien mit Kopfhörer anhören empfohlen):
Die Weidenmeise ist eine der wenigen Meisenarten, die ihre Bruthöhle selbst baut. Dafür benötigt sie morsche Baumstämme und Äste, in die sie die kleinen Höhlen hacken kann. Manchmal nutzt sie dabei auch die Vorarbeit von Spechten. Weidenmeisen sind generell monogame Vögel und verpaaren sich ein Leben lang. Das Nest besteht aus tierischer und pflanzlicher Wolle, Federn, Moosen und morschen Holzspänen. Während der Brutzeit ernähren sie sich hauptsächlich von kleinen Insekten, deren Larven, Spinnentieren und anderen Wirbellosen. Baum- und Kräutersamen werden das ganze Jahr über aufgenommen, spielen aber im Winterhalbjahr eine größere Rolle. Wie die meisten einheimischen Meisen sammelt die Weidenmeise Vorräte und versteckt sie unter der Baumrinde oder zwischen Moosen und Flechten.
Die Weidenmeise besiedelte den Nordschwarzwald erst nach dem Orkan „Lothar“ im Jahr 1999. Davor war das Gebiet zu fichtendominiert, totholzfrei und aufgrund der gezielten Bewirtschaftung auf Nadelhölzern sehr arm an Weichhölzern. Nach dem Sturm entwickelten sich auf den großen Freiflächen totholzreiche, naturnah wachsende Mischwälder mit den Sukzessionsbaumarten Birke, Vogelbeere und Salweide. Mit dem zunehmenden Alter dieser Pioniergehölze besiedelte die Weidenmeise nach und nach die Hochlagen des Nordschwarzwalds und somit auch den Nationalpark. Aktuell beobachten wir eine Arealausdehnung und eine deutliche Bestandszunahme dieser Art, was die positiven Veränderungen der Waldstruktur widerspiegelt. Ob das langfristig so bleibt, hängt auch davon ab, ob durch Störereignisse wie Sturm und Borkenkäfer neue Lebensräume entstehen.
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Zur Person
Esther Del Val Alfaro
Forschungs-Konzeption, Vertebraten-Monitoring und Artenschutz
Tel.: +49 7442 180 18 270
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