Die Grinden brauchen Pflege
Die Grinden sind waldfreie Bergheiden mit Heidelbeeren, Wollgras, Heidekraut und Latschenkiefern. Herbe Schönheiten und ein einzigartiger Lebensraum für seltene Arten wie Wiesenpieper, Baumpieper, Alpine Gebirgsschrecke, Gelbbindiger Mohrenfalter, Kreuzotter und Auerhuhn.
Um die Grinden zu erhalten, muss geschuftet werden. Denn wo es Grinden gibt, wäre eigentlich dichter Wald. Wenn man nichts macht, verbuschen und verwalden die Grinden. Deshalb kamen am Samstag an die 70 Leute, ausgestattet mit Garten- und Heckenscheren, aber auch mit Motorsägen, um die Grinden zu pflegen. Die Grinden-Aktion gibt’s nun schon 60 Jahre.
Willi Seid vom Schwarzwaldverein wurde damals von seinem Lehrer zum ersten Mal zur Grindenpflege mitgenommen. Das ist Jahrzehnte her. Seither ist er dabeigeblieben. Im Kofferraum seines Autos liegen Motorsäge, Schutzausrüstung und Benzinkanister. „Vor 60 Jahren wurde noch nicht nach dem Motorsägenschein gefragt“, meint Willi grinsend. Dann macht er sich mit den anderen vom Sägetrupp im Gebiet Schurkopf über junge Fichten her, die sich auf der Grinde ausbreiten würden.
„Hier ist Baumpieper-Habitat“, erklärt Ranger Lukas Schmidt den übrigen Freiwilligen. „Faulbaum und Eberesche müssen weg. Und zwar alles, was weniger als einen Durchmesser von fünf Zentimetern hat. Und so tief wie möglich abschneiden. Aber passt auf wegen Kreuzottern.“
Der kleine Maximilian bekommt von seinem Vater noch eine extra Einweisung. „Die Spitze der Schere immer weg vom Körper halten.“ Ungeduldig meint der Sohnemann: „Können wir jetzt los?“
Die Grinden zwischen Alexanderschanze und Ruhestein gibt’s schon viel länger als den Nationalpark. Seit dem 14. Jahrhundert, manche Quellen sagen, seit dem 15. Jahrhundert. Jedenfalls wuchs damals die Bevölkerung rasant. Die Wohnhäuser waren aus Holz, nur Kirchen oder Burgen waren aus Stein. Der Bedarf an Holz war also gewaltig. Außerdem brauchte man Äcker und neue Weideflächen, um die Menschen satt zu kriegen. Die Weiden in den Tallagen reichten dafür nicht mehr aus. Deshalb wurden die Schwarzwald-Höhen gerodet, die Köpfe der Berge sozusagen – die Grinden.
Als die Stallhaltung in Mode kam, wurde die Grinden-Beweidung eingestellt. Schnell verbuschte ein Großteil der Grinden und wuchs zu. Von früher 2.000 Hektar sind heute nur noch ungefähr 200 Hektar übrig.
„Ich bin zum dritten Mal dabei. Es ist schön, was für die Natur zu machen“, sagt die elfjährige Marie. Dann gesteht sie ihrer Freundin Luisa: „Ich hab a bissle Angst vor Schlangen.“
Luisa nickt und meint: „Es macht trotzdem großen Spaß, wenn man eine gute Schere hat.“
Der 13jährige Jonas von der Bergwachtjugend ist zum zweiten Mal dabei und freut sich, dass er hier Zeit mit seinen Freunden verbringen kann.
Von den acht Freiwilligendienstlern des Nationalparks sind sechs gekommen, dazu noch die Waldjugend der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Kappelrodeck. Für Nachwuchs ist bei der Grindenpflege gesorgt.
„Mit Ziegen, Schafen und mit Schwarzwälder Hinterwäldlern, einer robusten Rinderrasse, sowie den Konik-Pferden werden die Grinden auch wieder beweidet, sagt Britta Böhr, die zusammen mit Berthold Reichle den Nationalpark leitet. Eigentlich lautet das Motto des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“. Trotzdem wird in die Grinden eingegriffen. „In der Kernzone wird die Natur weitgehend sich selbst überlassen“, erklärt Britta. „In der Managementzone, die etwa 25 Prozent des Nationalparks ausmacht, zu der die Grindenflächen gehören, kann der Mensch, wenn notwendig, auch langfristig eingreifen.“
Einer, der von Anfang an bei der Grindenpflege ist, ist Dieter Burkhardt. „Ich war damals bei der Bergwacht. Wir wurden zusammen mit dem Schwarzwaldverein Freudenstadt vom Landratsamt aufgerufen, uns um die Grinden zu kümmern“, erinnert er sich. Auch ein Vesper habe es immer gegeben, meistens im Schliffkopfhotel - vom Landratsamt finanziert. Dieter war fast jedes Jahr dabei. Er erinnert sich noch an die Zeit, als saurer Regen und Waldsterben große Themen waren. „Damals waren wir unsicher, ob wir noch Bäume fällen dürfen. Wir haben’s dann a bissle verstohlen g’macht. Es war uns wichtig, dass die Grinden erhalten bleiben.“ Auf das Vesper musste er übrigens auch dieses Mal nicht verzichten.
Beständige Unterstützer der Aktion sind unter anderem die Bergwacht, der Schwarzwaldverein, der Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e. V. und die Waldjugend der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Kappelrodeck. Auch die Juniorrangerinnen und Juniorranger sind mit dabei sowie die Freiwilligendienstler des Nationalparks – und viele Einzelpersonen.
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Zur Person
Iris Lemanczyk
Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.
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18.09.2026 um 13:51 Uhr von Gerda de Jong: