Vesperdose statt Verpackungsmüll

Was passt für unterwegs und was vespert die Rangerin?

05.05.2026 von Iris Lemanczyk in Kategorie : Blog
  • Ich treffe mich mit Rangerin Friederike Schneider-Reif am Wildnispfad. Im Nationalpark unterwegs zu sein, gehört quasi zu ihrer Jobbeschreibung. Natürlich hat Rike ein Vesper dabei. Sie setzt sich auf einen Stein – Bänke sind nicht so ihrs – öffnet ihren Rucksack und zeigt, wie ihr Vesper aussieht.

    „Die Edelstahldose begleitet mich schon seit dem Abi“, sagt Rike. Darin liegt ein Vollkornbrötchen mit Aufstrich, beides selbstgemacht. Eine Serviette trennt die Apfelschnitze vom Brötchen. „Den Apfel schneide ich vorab in Stücke, dann muss ich mich nicht um den Apfelbutzen kümmern. Denn Wegwerfen ist keine Option.“

    Regional und saisonal

    Rike achtet beim Einkauf auf Regionalität, das sorgt für kurze Transportwege - und auf Saisonales. Klar, jetzt im Frühjahr hängen keine Äpfel an den Bäumen, aber „dies sind Lageräpfel von unseren Bäumen“. Als Energielieferant dienen ihr Nüsse. Die Walnüsse hat sie zuvor schon geknackt und in ein Döschen gepackt.

     

    Was nicht eingepackt werden soll

    Wir haben uns natürlich nicht zufällig getroffen. Es ist abgesprochen, dass ich für das Trash-Vesper zuständig bin, um zu zeigen, was nicht so gut ist. Ich hab mich für eine Packung Käsestangen und für saure Gummibärchen entschieden. Um noch was Gesundes beizusteuern, hab ich eine Banane mitgebracht – und Wasser, aber in der Plastikflasche.

    Keine Abfalleimer

    Bei den Käsestangen verdreht Rike die Augen. „Das geht gar nicht. Null Nährwert und jede Menge Verpackungsmüll.“ Es gibt keine Mülleimer im Nationalpark, man muss die Verpackung also wieder mitnehmen.

    Herumliegender Müll ist nicht nur im Nationalpark extrem störend. „Es nimmt für andere das Naturerlebnis. Außerdem braucht es extrem lange Zeit, bis Müll vergeht“, betont Rike.

     

    Sieben Jahre für eine Kippe

    Zum Müll gehören auch weggeworfene Zigarettenkippen, über die die Rangerin besonders wütend wird. Sieben Jahre braucht es, bis so eine Kippe abgebaut ist. Zigarettenkippen sind hochgiftig und gelten eigentlich als Sondermüll. Sie enthalten unter anderem Arsen, Blei, Nikotin und krebserregende Substanzen. Eine einzige Kippe kann 40 bis 60 Liter Grundwasser verunreinigen. Und sie schadet den Tieren. Vögeln etwa, die die Stummel für den Nestbau benutzen. „Die hochgiftigen Substanzen können den Nachwuchs schädigen, sogar zum Tod führen, wenn der daran knabbert“, ärgert sich Rike.

    Wer macht den Müll weg, der achtlos weggeworfen wird? „Wir! Wir haben meistens Mülltüten dabei und sammeln das Zeug ein.“ Es gibt auch die Cleanup days, da können sich Besucherinnen und Besucher am Müll sammeln beteiligen. Und natürlich können alle immer Müll einsammeln und mitnehmen.   

    Gegen die Gummibärchen, die ich mitgebracht habe, hat Rike gar nicht so viel einzuwenden, außer natürlich zu viel Zucker und, und... Auch hier wenig Nährwert. „Wenn ich so was Süßes brauche, dann würde ich mir zwei, drei mitnehmen, aber nicht die ganze Packung. Sonst kann es sein, dass ich die komplett verputze.“ - Ich fühle mich ertappt und Rike fügt hinzu: „Der Zucker pusht kurz, aber danach kommt das Zuckerloch.“

    Na ja, dass die Plastikflasche nicht gut ankommt, war eh klar. Wobei, so ganz verteufelt Rike sie nicht. Bei längeren Strecken, wenn sie Gewicht sparen möchte, lässt sie die Glasflasche daheim und greift zu einer BPA-freien Plastikflasche, die wiederverwendet werden kann. BPA steht für Bishphenol A, einer industriellen Chemikalie.

     

    Den Hund vorab füttern

     Rike hat zwei Hunde, die auch mit ihr im Nationalpark unterwegs sind. „Die füttere ich vorher und nachher.“ Bei Gebietskontrollen hat sie an Vesperplätzen öfter schon Leckerlis für Hunde gefunden. „Man sollte darauf achten, dass nichts runterfällt oder übrigbleibt. Denn das Hundefutter essen dann Dachs, Fuchs oder Wolf. Das verändert das Tierverhalten, denn sie verbinden den Menschengeruch danach mit Essbarem.“

    Von Vesper- und Leckerli-Resten kommen wir schnell zu Papiertaschentüchern, die bis zu fünf Jahre die Landschaft verschandeln – und die gerne nach dem Pinkeln benutzt werden. Aber das ist eine andere Geschichte…

     

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    Iris Lemanczyk

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    Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

     

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