Abenteuer vor der Haustür – Wie funktioniert das Young Explorer Program?
Vor einigen Jahren durfte ich Jane Goodall, die kürzlich verstorbene Schimpansenforscherin, interviewen. Jane schwärmte von Jugendlichen rund um den Globus, die sich für Umwelt- und Naturschutz engagieren. Damals kannte ich das „Young Explorer Program“ noch nicht, sonst hätte ich ihr davon vorgeschwärmt. Eine von den „jungen Entdeckern“ ist Luisa Wiggers. Sie steht stellvertretend für viele engagierte junge Menschen.
Luisa kommt aus Steinfurt, einer Kleinstadt bei Münster in Westfalen. „In der achten Klasse haben wir Tierschutz durchgenommen. Daraufhin wurden viele von uns vegetarisch. In der Elften gab‘s des Projektkurs ‚Schule der Zukunft, nachhaltig und fair‘. Es ging zum Beispiel um Dachbegrünung oder nachhaltige, faire Schulkleidung. Davon angeregt habe ich mich immer stärker für solche Themen interessiert“, berichtet die mittlerweile 21-Jährige, wie sie ihr Thema fand.
Zum ersten Mal
Mit 18 entdeckte sie auf Instagram das Young Explorer Camp im Nationalpark Schwarzwald. Sie bewarb sich, wurde genommen und war zum ersten Mal ohne Eltern unterwegs. „Ich kannte niemanden, anfangs war ich nervös. Aber dann erlebte ich dort eine krasse Woche, ich hab die Natur auf besondere Weise kennengelernt. Ich hab Natur und Wildnis gespürt. Der Nationalpark ist für mich zu einem besonderen Ort geworden.“
Offene Türen
Echte Abenteuer liegen direkt vor der Haustür, dafür braucht es keine Fernreisen – dies war die Idee eines jungen Teams um den Fotografen David Lohmüller und den Filmemacher Simon Straetker, sowie Anne Poggenpohl, Saskia Bauer und Viola Taubmann. Im Jahr 2014, also schon im ersten Jahr, war der Nationalpark zentraler Partner. Das Young Explorer Camp wird vom Nationalpark und vom Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald gefördert. „Wir sind auf sehr offene Türen gestoßen“, erinnert sich Simon.
Schwarzwald und Wandern
„Durch das Camp bin ich wieder mehr zum Wandern gekommen“, sagt Luisa. „Als Kind war ich mit meiner Familie schon auch im Wanderurlaub, aber irgendwann wollten wir lieber an den Strand. Durch das Camp hab ich auch gesehen, wie schön Deutschland ist. Und…, dass ich was bewirken kann.“
Das jährliche, kostenfreie Camp für die 16 Jugendlichen zwischen 16 und 19 ist die Eintrittskarte in die Community, danach arbeiten die jungen Entdecker ganzjährig in Projekten weiter. Eine Gruppe engagiert sich beispielsweise für mehr Wildnis in urbanen Lebensräumen.
Das Mentoring führen frühere Camp-Jahrgänge durch, so bleibt Wissen im Netzwerk und jede Generation trägt es weiter. Das Camp wird seit 2017 von Alumnis, also früheren Campteilnehmern organisiert. Und auch dieses Jahr findet das Camp wieder statt – die Bewerbung läuft bereits.
Svenja Fox vom Nationalpark ist fast immer beim Camp dabei. „Mir gefällt das Engagement seitens toller junger Menschen. Junge Menschen leiten junge Menschen an, das ist so wertvoll. Nach zehn Camps habe ich eine tiefe Verbundenheit zu vielen in der YEP-Community. Es ist ein Privileg, sie begleiten zu dürfen und zu erleben, wie aus Jugendlichen über die Jahre engagierte, mutige, selbstbewusste junge Erwachsene werden, die sich für unsere Zukunft einsetzen. Und das in ihrer Freizeit.“
So wie Luisa, die zum Presse-Team der jungen Entdecker gehört. Mit dabei ist auch Wencke, die in Groningen studiert und Frieda, die ein Jahr in Polen war und jetzt nach Freiburg zieht, und Anisa. Die vier sehen sich meistens in Zoom-Meetings oder sie kommunizieren über die Plattform „Slack“, in der alle Gruppen der Young Explorer ihre Ordner haben. Es gibt ein vierköpfiges Kernteam, das den Überblick hat, natürlich ein IT-Team, Fundraising, eine Gruppe, die das Festival an Pfingsten organisiert, eine, die sich um die Nachtreffen kümmert und, und, und. Belohnt wurde das Engagement mit dem Deutschen Jugend-Naturschutzpreis und dem Landesnaturschutzpreis 2024.
Der Schwarzwald war ausschlaggebend für Luisas Studienort: Karlsruhe. Dort studiert sie Kommunikation und Medienmanagement – und hat den Nationalpark in der Nähe. Weil die Anreise mit Zug und Bus aber dauert, will sie ihre Eltern motivieren, im Schwarzwald zu wandern. Natürlich mit ihrer Tochter.
Ein Netzwerk von Naturbegeisterten
Simon, der Mitinitiator, war neun Mal beim Camp dabei. Er fasst das Young Explorer Program so zusammen: „Was als Film- und Fotoprojekt im neu gegründeten Nationalpark begann, ist heute ein Alumni-getragenes Netzwerk mit jährlichem Camp, starken Partnern und an die 150 jungen Menschen, die Naturbegeisterung in konkrete Projekte umsetzen.“
Jane Goodall wäre begeistert.
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Zur Person
Iris Lemanczyk
Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.
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