Lieblingstour Tonbachtal

Eine von drei rollstuhltauglichen Touren

01.10.2026 von Iris Lemanczyk in Kategorie : Blog

Gretchen ist aufgeregt. Für die Dackelhündin gibt es jede Menge unbekannter Gerüche. Während Gretchen schnuppert, macht sich Frauchen Sandra Olbrich bereit für die Tour im Tonbachtal. Ihre Assistentin Sarah holt den Rollstuhl aus dem Kofferraum, montiert Geländereifen und Ziehgerät an den Rollstuhl. Heute begleite ich Sandra zum ersten Mal im Gelände und bin gespannt, wie sie das Tonbachtal erlebt. Die Tour gehört zu den „Touren Leicht“ im Nationalpark.

„Diese Touren sind leichter zugänglich. Sie haben vergleichsweise besser befahrbare Wege mit weniger Steigungen“, erklärt Sandra, die Beauftragte für Inklusion im Nationalpark ist. Bisher gibt es drei solcher Touren, weitere sind in Arbeit. Die bisherigen drei sind der Spechtpfad, am Schliffkopf und im Tonbachtal.

Die Touren findet ihr hier: Touren leicht im Nationalpark Schwarzwald

Die Lieblingstour

Wir sind im Schatten der Fichten unterwegs. „Von den drei Touren ist die Tonbachtour meine Lieblingstour“, gesteht Sandra. „Das Tal ist lieblich, abwechslungsreich, ein bisschen abgelegen und es gibt eine Behindertentoilette bei der Rangerstation.“ Natürlich haben auch die anderen beiden Touren ihre Reize: „Der Spechtpfad ist toll für Familien und am Schliffkopf gibt’s herrliche Aussichtspunkte.“

 

Fichten ritzen

Wir sehen eine Fichte, der eine Art Tannenbaum in den Stamm geritzt wurde. Fichten wurden früher angeritzt, um Harz zu gewinnen. Eigentlich schützt das Harz den Baum vor Feinden oder schließt Wunden. Aber für die Schwarzwälder war das „Gold des Waldes“ ein Zubrot in kargen Zeiten. Denn Harz brauchte man zur Herstellung von Gummi. Den Herzögen, den früheren Besitzern der Wälder, passte dies überhaupt nicht. Sie verboten das Harzen.

Unerreichbare Bank

Wir kommen an einer roten Aussichtsbank vorbei, die etwas erhöht liegt. Gretchen zieht neugierig Richtung Bank. Sandra schüttelt nur den Kopf und meint: „Die ist für Rollstuhlfahrer und für Leute mit Rollator unerreichbar.“

Stimmt. Genauso die Schutzhütte. Bei einem Regenguss würde Sandra kaum den Hügel hochkommen und wenn doch, dann wartet schon das nächste Hindernis: Zwei für sie unüberwindbare Stufen führen zur Überdachung.

Aber heute ist keine Wolke am Himmel. Der Weg führt leicht aufwärts. Gretchen ist aufgeregt und gleichzeitig etwas scheu, sie sieht und riecht nämlich zum ersten Mal Hirsche - im Wildgehege. Das Gehege liegt im ehemals königlichen Forst- und Jagdrevier, heute gehört es zum Nationalpark.

An der Rangerstation

Die Rangerstation ist heute geschlossen, aber immer donnerstags sind dort Rangerinnen und Ranger, um Besuchende zu informieren und deren Fragen zu beantworten. Heute ist Dienstag. Viel mehr als die Rangerstation interessiert Sandra sich für das Toilettenhaus mit Rampe für Rollstuhlfahrer. Sie zückt einen Meterstab und misst die Türbreite. „90 Zentimeter sind gut, um mit dem Rollstuhl durch die Tür zu kommen“, meint sie.

Bisher ist Sandra immer denselben asphaltierten Weg zurückgerollt. Die Tour funktioniert aber auch als Rundtour, allerdings nicht auf Asphalt, sondern auf Schotter. Sandra will den Weg heute austesten, Gretchen ist sowieso begeistert. Farne flankieren unseren Weg, wir hören den Tonbach plätschern. Junge Buchen und Tannen wachsen dort, wo der Borkenkäfer alte Fichten gefällt hat.

Es geht bergab, Sandra muss ordentlich bremsen. Ich bin den Weg schon mal gegangen, könnte aber nicht sagen, wie steil der Pfad wird, wie der Belag ist oder wo wir den Tonbach wieder queren. Sandra achtet auf den Belag und all das andere. Sie scheint die gesamte Rundtour auf Rollstuhltauglichkeit zu scannen. Ihr Fazit: Ein wunderschöner, abwechslungsreicher Weg durch das stille und verwunschene Tonbachtal. Die Tour ist gut mit dem Rollstuhl zu fahren. Sandra empfiehlt eine Ziehhilfe, also ein Handbike oder ein akkubetriebenes Vorspannrad, um den einen oder anderen Anstieg leichter zu nehmen - und um die Landschaft genießen zu können.

 

Schon bevor wir das Auto erreichen, ist Gretchen fix und fertig und fährt bei Sandra auf dem Schoß mit. Im Auto schläft der kleine Dackel sofort ein.

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7 Kommentare

01.10.2026 um 09:18 Uhr von Gerda de Jong:

Schwarzwald, Nationalpark
Hallo Iris, ich lese immer gerne Deine Beiträge vom Schwarzwald, da ich am Fuß des Schwarzwaldes wohne, in Offenburg. Vielen Dank und herzliche Grüße Gerda de Jong
Antworten

01.10.2026 um 09:18 Uhr von Gast:

Grindenpflege
Hallo Iris, ich möchte mich Gerda anschließen. Auch ich lese deine Beiträge über den Nationalpark total gerne, sie sind informativ und lesenswert geschrieben. Herzliche Grüße, Nici
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01.10.2026 um 17:17 Uhr von Gast:

Auch als Rollstuhlfahrer hat man Lust auf den Nationalpark
Sehr gut, das dieses Thema aufgegriffen wird! Es gibt viele Menschen im Rollstuhl die auch Lust auf einen Ausflug haben und so wenige Möglichkeiten wo mitgedacht wird (liest man ja auch im Beitrag....Thema Schutzhütte falls Regen, Sitzgelegenheit) Es kann nur besser werden :)
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03.10.2026 um 13:58 Uhr von Jochen:

Rollstuhltaugliche Tour
Wichtiges Thema - gut und klar geschrieben. Danke, Iris! Viele Grüße
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05.10.2026 um 09:35 Uhr von Gast:

Drei Rollstuhltaugliche Touren
Hallo Iris, die drei Touren finde ich super, auch für "alte Wanderer".Ich muss es einfach mal probieren. Danke für die schönen Tipps. LG Gerda
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05.10.2026 um 11:13 Uhr von Gast:

Rollstuhltaugliche Tour
Das fand ich super interessant, so eine Wanderung einmal aus Sicht eines Menschen mit Behinderung zu lesen. Ich werde jetzt mit neuem Blick das nächste Mal durch den Wald gehen. Toll, dass es dieses Thema hier so gut aufbereitet zu lesen gibt! LG Ina
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13.10.2026 um 14:31 Uhr von Grindenotti:

Langenbachtour im Sonnenglanz
Seit dem Lückenschluss beherbergt der NLP eine weitere sehr schöne rollstuhltaugliche Runde: Ab Parkplatz Zwickgabel geht´s einfach dem offenbar immerzu im Sonnenlicht tanzenden Langenbach entgegen (diese Wirkung hat er im frühen Frühling bis in den späten Herbst), vorbei an staunenden Heckrindern, bis hinüber zum Forsthaus Auerhahn. Dieses bietet einen ebenen Zugang zum Restaurant. Ganz sportliche wie Sandra können dann auch entlang der Gegenseite des Langenbachs eine komplette Runde zurück nach Zwickgabel drehen, vorbei an der NLP-Schreinerei, die auch die Vesperbänke des NLP herstellt.
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Zur Person

Iris Lemanczyk

Iris Lemanczyk

Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

 

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