Die passen zusammen – Britta und Berthold, die Doppelspitze
Sie ist Biologin, er ist Förster. Sie stammt aus Rheinhessen, er aus dem Allgäu. Sie mag Buchen, er mag Lärchen. Sie ist von Anfang an im Nationalpark, er ist der Neue. Sie hat zwei Töchter, er hat zwei Söhne. Sie heißt Britta Böhr, er heißt Berthold Reichle. Zusammen leiten sie seit Oktober 2025 den Nationalpark. Wie geht das? Das möchte ich von den beiden wissen.
Nationalpark ist für mich…
Es ist einer dieser heißen Tage. Wir sitzen auf Totholz-Baumstämmen im Wald, hier ist es sehr viel kühler als an der Straße. Ich bitte die beiden, den Satz zu ergänzen: Nationalpark ist für mich… die Vielfalt von Natur und Menschen (Britta) … einzigartig und unser biologisches Erbe (Berthold).
Kennengelernt haben sich die zwei schon lange bevor sie die neue Doppelspitze wurden. „Das war in Karlsruhe bei einem Austausch über Großschutzprojekte“, meint Berthold, der zuvor im Umweltministerium für Schutzgebiete zuständig war. Britta schüttelt den Kopf. „Nein, das war früher. Am Telefon. Damals dachte ich schon, dass wir einen echt guten Draht haben.“
Den guten Draht kann ich spüren. Der gute Draht ist wichtig bei der Abstimmung der Aufgaben und im Miteinander, das sich auch auf die Stimmung im Nationalpark niederschlägt. „Wir wollen Menschen mitnehmen, denn Naturschutz gibt es nicht ohne Menschen. Nur wenn wir die Menschen für die Natur begeistern, funktioniert Naturschutz“, betont Britta. Menschen mitzunehmen, sehen sie als eine ihrer zentralen Aufgaben. Wie schwer das ist, zeigt sich auch bei der Erweiterung des Nationalparks um rund zehn Prozent oder etwas mehr als 1000 Hektar. Nicht alle in der Region sind davon hellauf begeistert.
Bringt Begeisterung mit
Fürs Entfachen der Begeisterung scheint Berthold der Richtige zu sein. „Ich bin ein Brückenbauer, ich verstehe meistens beide Positionen und kann beide Seiten abbilden“, sagt er. Durch seine Arbeit in Bergwäldern in Deutschland und in der Schweiz habe sich die Faszination für Wildnis tief in seiner Seele festgesetzt. Als Förster kennt er aber auch die Belange der Waldbesitzer. Und als ehemaliger Leiter des ,Haus des Waldes‘ in Stuttgart weiß er, wie wichtig es ist, Menschen für die Natur einzunehmen.
„Bergwälder, Förster, Haus des Waldes, Ministerium… In meinem Berufsleben gibt es die verschiedensten Schritte, die alle auf einen Punkt zulaufen. Der Nationalpark ist dieser Punkt, dies ist meine Traumstelle“, schwärmt er.
Britta, die seit 2014 im Nationalpark tätig und seit 2021 stellvertretende Leiterin ist, freut sich über „das Frische von außen, über die andere Perspektive. So gibt es keine Möglichkeit, betriebsblind zu werden“. Als Biologin und Förster kommen sie von fachlich unterschiedlichen Seiten, sie haben andere Spezialisierungen. „Aber wir bilden das gesamte Aufgabenspektrum ab“, meint Britta.
Viele Gespräche
Wie die umfangreichen Aufgaben aufgeteilt werden, hat sich in vielen Gesprächen rauskristallisiert. Schnell war klar, dass sie ihre Arbeit nicht durch Abteilungen splitten wollen, sondern durch Themen, die in allen Teams und Abteilungen verankert sind. „So kann niemand gegen den anderen ausgespielt werden“, sagt Berthold. Natürlich kümmert er sich mehr um Forstthemen und ums Wildtiermanagement. Britta hatte zuvor bereits Schwerpunkte in der regionalen Entwicklung und beim Tourismus. Um die Verwaltungsthemen kümmern sich beide. Während Britta allerdings mehr den Haushalt im Blick hat, ist es bei Berthold eher das Personal.
Ruhe reinbringen
Ein Ziel ist es – neben der Umsetzung der Nationalparkerweiterung, dem Mitnehmen der Menschen und dem Fortschreiben des Nationalparkplans - mehr Ruhe reinzubringen. „Nach zwölf Jahren auf der Überholspur, mit vielen Ideen und Projekten, wird es Zeit für mehr Ruhe im Nationalpark“, meint Britta. Und Berthold fügt hinzu: „Wir wollen, dass die Region noch mehr sagt: ,Das ist unser Nationalpark.‘ Das geschieht durch Zuhören, durch Gespräche, aber nicht durch Unruhe.“
Etwas Unruhe kam durch die neuen Jobs in ihre Familien. Sowohl Britta als auch Berthold haben zuvor in Teilzeit gearbeitet. „Parkleitung funktioniert nicht in Teilzeit“, sagen sie unisono. Berthold konnte sich darauf einlassen, weil seine Zwillinge bereits 21 sind. Brittas Töchter sind noch jünger, aber sie sorgen dafür, dass die Mama abschalten muss, sobald sie daheim ist.
„Gibt es bei all der Harmonie auch Gegensätze?“, frage ich die beiden. Sie überlegen lange, dann meint Britta: „Gegensätze nicht wirklich, vielleicht eher stärkere Ausprägungen: Ich bin in der Kommunikation eher sachlicher, er eher emotionaler.“ Das habe ich nicht erwartet.
Berthold schaut auf die Uhr. Der nächste Termin steht an. Zum Schluss frage ich, ob sie schon mal gemeinsam im Nationalpark gewandert sind. Einfach so. Sie schauen fast verdutzt. Einfach so? Dazu war bisher noch keine Zeit, denn immer ist irgendwo eine Sprechstunde von Anwohnern, an der sie teilnehmen, oder ein Meeting zur Umsetzung der Erweiterung oder eine Arbeitsgruppe oder, oder, oder…
Britta Böhr
Dr. Britta Böhr kommt aus Rheinhessen. Sie hat Biologie, Schwerpunkt Tropenökologie studiert und über die „Ökophysiologie von Flechten“ promoviert.
Sie arbeitete in Freiburg an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, koordinierte strategisches Nachhaltigkeitsmanagement, später die Entwicklung der Waldnaturschutzkonzeption der Landesforstverwaltung. Beim Nationalpark war sie Leiterin der Fachbereiche Nationalparkplanung, regionale Entwicklung und Tourismus. Seit 2021 stellvertretende Leiterin und seit Oktober 2025 zusammen mit Berthold Reichle Leiterin des Nationalparks. Die 48-Jährige lebt mit Mann und ihren zwei Töchtern in Hausach.
Berthold Reichle
Berthold Reichle stammt aus Wangen im Allgäu, ist ausgebildeter Förster und Bergführer. Mehrere Jahre war er beim Bergwaldprojekt in Bergwäldern der Schweiz und Deutschlands tätig. Im Forstamt am Bodensee konnte er zudem jahrelange Erfahrung als Förster sammeln. Danach leitete er 21 Jahre das Haus des Waldes in Stuttgart und hat die Waldpädagogik in Baden-Württemberg mitetabliert. Als stellvertretender Referatsleiter im baden-württembergischen Umweltministerium war der 60-Jährige für Schutzgebiete zuständig. Er lebt mit seiner Frau in Stuttgart – und mittlerweile unter der Woche in Seebach.
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Hier können Sie sich "Die passen zusammen – Britta und Berthold, die Doppelspitze" vom 28. August 2026 herunterladen.
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Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.
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