Große Schiefkopfschrecke

Die Art des Monats September 2026

01.09.2026 von Dr. Jörn Buse in Kategorie : Art des Monats

In den letzten Jahren hat sich mit der Großen Schiefkopfschrecke (Ruspolia nitidula) im Nationalparkgebiet eine neue Heuschreckenart etablieren können. Erste Nachweise gelangen Ende August 2020 im Bereich Zuflucht und Schwarze Lache.

Die Tiere sind aufgrund ihrer Körpergröße bis über 30 Millimeter sehr auffällig und im Gelände gut bestimmbar. Meist dominiert eine grüne Körperfarbe. Charakteristisch sind der lange, schlanke Körper und der keilförmige Kopf. Die langen, schmalen Flügel überragen deutlich die Hinterknie und erreichen beim Weibchen sogar die Spitze der Legeröhre.

Die Große Schiefkopfschrecke ist in Südeuropa weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika über Portugal und Spanien bis in den Norden Frankreichs. Im Südosten ist die Art über den ganzen Balkan bis Griechenland und in die Türkei verbreitet. 

Im Zuge des Klimawandels hat sich die wärmeliebende Große Schiefkopfschrecke in den letzten 20 Jahren in Mitteleuropa rasant ausgebreitet. Dies trifft ebenfalls auf Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu. Auch im unmittelbaren Umfeld des Nationalparks treten seit wenigen Jahren vermehrt Funde auf.

Zum Zeitpunkt der ersten Funde in 2020 war nicht klar, ob reproduzierende Vorkommen im Höhengebiet existieren, da oft auch eingeflogene Tiere gefunden werden. Wiederholte Funde in den Folgejahren an den ersten Fundorten bestätigen die Sesshaftigkeit.

Im Zuge einer gezielten Nachsuche im Jahr 2025 konnten gemeinsam mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe über 20 Nachweise aus dem Nationalpark erbracht werden. Diese befanden sich in Höhenlagen zwischen 600 bis über 1000 Meter.

Wir konnten im Prinzip in allen Grünlandbereichen zwischen Alexanderschanze und Plättig sowie auch in den Tälern der Schönmünz und der Rotmurg Tiere nachweisen.

Die Art erscheint nun neben ihren feuchten Hauptlebensräumen, Pfeifengraswiesen und Rieden, auch zunehmend in trockeneren Lebensräumen mit hoch- und dichtwüchsigen (25 bis 50 Zentimeter) Strukturen, wo sie sich vermutlich zumindest zeitweise auch fortpflanzen kann. Zunehmend höhere Temperaturen und trockene Sommer scheinen die Große Schiefkopfschrecke zu begünstigen.

 

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