Sammeln, forschen, bewahren

Partnerschaft zwischen Nationalpark und Naturkundemusem

28.06.2024 von Iris Lemanczyk, Nina Blazon in Kategorie : Blog
  • Nach der Partnerschaft zwischen Karlsruher Zoo und Nationalpark, möchte ich nun eine weitere Zusammenarbeit vorstellen: zwischen dem Naturkundemuseum in Karlsruhe und dem Nationalpark Schwarzwald. Eine Zusammenarbeit zwischen PilzspeziaIisten, zwischen Dr. Flavius Popa vom Nationalpark und Dr. Markus Scholler vom Naturkundemuseum.

     

    Pilze, Pilze, Pilze

    Das Naturkundemuseum hat nämlich was, was der Nationalpark nicht hat: ein Pilzherbarium. Eine beeindruckende Sammlung von 115 000 Pilzbelegen. „Herbarien dienen der Bestimmung, Benennung und Beschreibung. Pilze und Insekten müssen offiziellen Sammlungen übergeben werden, damit die Funde fachgerecht und transparent hinterlegt sind“, erklärt Flavius Popa, der für die Bestandsaufnahme der Pilze im Nationalpark zuständig ist.

     

    Das Karlsruher Herbarium wird seit 2003 von Markus Scholler als Kurator betreut. „Wir trocknen, sterilisieren, präparieren und fotografieren sie, geben sie in Datenbanken ein und deponieren sie geordnet alphabetisch nach wissenschaftlichen Namen in speziellen Schränken. “, sagt Scholler. „Auch wenn sie getrocknet hässlich aussehen, so sind sie unter dem Mikroskop sehr schön, weil die mikroskopischen Merkmale nach Trocknung erhalten bleiben.“

    Da im Nationalpark viele Pilze gefunden werden, auch bisher unbekannte, werden diese als Belegmaterial aufbewahrt, die gesamte Sammlung wird dann im Museum deponiert.

     

    Schon 2013, also noch vor der Gründung des Nationalparks, bis ins Jahr 2019 wurden im damaligen Bannwald „Wilder See“ Pilze erfasst. An dem Projekt waren Fach- und Freizeitmykologen aus Deutschland und Frankreich beteiligt. Sie konnten am Wilden See 723 Pilzarten nachweisen. 723 – welch gewaltige Menge! Darunter Pilze, die auf Tannenzapfen oder Stöcken leben. Auch diese Pilzsammlung ist im Karlsruher Herbarium hinterlegt.

    Pilze werden nicht um des Sammelns aufgehoben. „Herbarien haben zahlreiche Funktionen. Früher dienten die Belege der Demonstration, etwa bei Vorlesungen an der Universität“, erläutert Scholler. Sie dienten der Beschreibung neuer Arten und der Dokumentation der Häufigkeit und Verbreitung von Arten.

    Dank neuer Techniken können Belege heute noch vielfältiger genutzt werden, beispielsweise für die Dokumentation von Umweltveränderungen. Ich erinnere mich noch gut an den Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986. Konnte man Pilze noch essen? Was konnte man überhaupt noch unbedenklich essen? Das fragte man sich nach dem Reaktorunfall. Mit Hilfe von Pilzherbarien konnte nachgewiesen werden, dass die Cäsium-Konzentration in Pilzen vor dem Unfall geringer war.

     

    Methodische Fortschritte

     „Heute werden taxonomische und ökologische Untersuchungen häufig durch DNA-Sequenzanalysen unterstützt. DNA kann man heute problemlos aus Herbarmaterial extrahieren und sequenzieren, was auch von vielen externen Wissenschaftlern genutzt wird, die Belege ausleihen. Durch die methodischen Fortschritte haben Herbarien sehr stark an wissenschaftlicher Bedeutung gewonnen“, erklärt Scholler.

    Gemeint sind etwa Umweltforscher, die mit Hilfe dieser Sammlungen Umweltveränderungen aufzeigen können. Und zwar nicht nur über ein paar Jahre, sondern langfristig.     

    "Herbarien sind sozusagen das Gedächtnis der Artenforschung", sagt Flavius Popa. "Indem wir unseren Teil beitragen, sind auch die Daten aus dem Nationalpark Schwarzwald weltweit verfügbar - das ist wichtig, damit die aktuellen Nachweise von Arten mit Daten aus der Vergangenheit, aber auch der Zukunft verglichen werden können."

     

    Übrigens, sowohl Scholler als auch Popa gehen privat in die Pilze. Markus Scholler jedoch nur für wissenschaftliche Zwecke. Er nennt spontan seinen Lieblingspilz: den nicht essbaren Tannenfeuerschwamm. „Er ist schön anzusehen, hat verschiedene Formen, ist variabel und mehrjährig.“

    Ich habe mir den Pilz im Internet angeschaut. Man muss wahrscheinlich ein Pilz-Fan sein, um den Tannenfeuerschwamm als „schön“ zu bezeichnen. Wobei… da er so viele verschiedene Formen und Farben hat, gibt es auch für meinen Geschmack den ein oder anderen schönen Tannenfeuerschwamm.

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    Iris Lemanczyk

    Iris Lemanczyk

    Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

     

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    Nina Blazon

    Arbeitet mit Bloggerin Iris im Team und macht die Bilder und Videos für ihre Blogbeiträge.