Schwarzwaldverein: Partnerschaft mit jungem Hüpfer

19.06.2026 von Iris Lemanczyk, Nina Blazon in Kategorie : Blog
  • Ein ganz junger Hüpfer ist der Nationalpark im Vergleich zum Schwarzwaldverein. Gerade mal auf zwölf Jahre bringt es der Nationalpark, während der Schwarzwaldverein auf über 160 Jahre zurückblicken kann. Trotzdem sind die beiden Partner, denn sie verbindet einiges, zum Beispiel die Leidenschaft für die Natur des Schwarzwaldes.

     

    „Der Schwarzwaldverein ist als anerkannter Naturschutzverband dem Schutz und der nachhaltigen Entwicklung der Natur- und Kulturlandschaft im Schwarzwald verpflichtet“, erklärt Meinrad Joos, seit 2019 Präsident des Vereins. Wobei es „den“ Schwarzwaldverein eigentlich nicht gibt, denn er lebt von seinen Ortsvereinen. Mehr als 200 gibt es davon – auch über den Schwarzwald hinaus. Die östlichste Gruppe besteht in Konstanz, die nördlichste in Heidelberg, sogar in Basel gibt es einen Schweizer Ortsverein.

    „Unsere Aktivitäten haben zum Ziel, Natur, Landschaft und Kultur gemeinschaftlich zu erleben. Besonders das Wandern spielt eine große Rolle“, erklärt Präsident Joos. Die einzelnen Ortsvereine bieten Wanderungen und Radtouren mit zertifizierten Wanderführern für Mitglieder, aber auch für Gäste an.

    Um sich nicht zu verlaufen, gibt es im Schwarzwald einheitliche Markierungen und Schilder. Beides stammt vom Schwarzwaldverein. Um die 24 000 Kilometer Wanderwege sind ausgeschildert. 24 000 – Wahnsinn! Die Wegewarte gehen zweimal im Jahr ihre Wegstrecke ab, schauen, ob die Schilder zu sehen und die Wege frei sind. „Kleine Reinigungsarbeiten, etwa Brombeeren zurückschneiden, das erledigen die Wegwarte gleich an Ort und Stelle“, sagt Joos.

    Aber nicht mehr im Nationalpark. Um die Instandhaltung der Wanderwege im Nationalpark kümmern sich jetzt die Rangerinnen und Ranger. „Die Markierungen und Beschilderungen machen unsere Wegewarte in guter Zusammenarbeit mit dem Nationalpark“, betont Joos.

    Auch die ersten Wanderkarten entstanden durch den Schwarzwaldverein. Damals, 1886, gab es noch zwei Schwarzwaldvereine, den württembergischen und den badischen. Ich, als Württembergerin, freue mich ein bisschen, dass die Württemberger die ersten Wanderkarten herausbrachten. Die Badener kamen erst im Jahr 1893 hinterher.

     

    Sorge unbegründet

    Der Schwarzwaldverein kümmerte sich schon lange vor der Gründung des Nationalparks um das Gebiet. Darum war mancher auch in Sorge, welche Auswirkungen die Gründung des Nationalparks haben könnte. Schließlich sind einige Wege im Wegenetz gesperrt worden. Und Wanderungen in einer Gruppengröße, in der der Schwarzwaldverein unterwegs ist, müssen im Nationalpark angemeldet werden. „Es gab Befürchtungen, dass so eine Anmeldung zeitfressend sein könnte. Vielleicht würden Genehmigungen sogar untersagt“, erinnert sich Joos. Doch die Befürchtungen haben sich zerschlagen. „Wenn wir mit Wandergruppen unterwegs sind, ist für uns klar, dass wir die Heidelbeeren und Pilze im Nationalpark nur anschauen.“

     

    Im Beirat

    Ein bisschen darf der Schwarzwaldverein auch den Nationalpark beraten, hat er doch einen Sitz im Beirat. Das ist ein Gremium von Expertinnen und Experten, die die Nationalpark-Verwaltung in allen fachlichen Fragen unterstützt. Interessengruppen der Region, von Naturschutzverbänden über Verbände aus Forst- und Holzwirtschaft, Tourismus, Sport, Landwirtschaft und Kirchen können hier ihr Expertenwissen einbringen.

    Alles in allem ist Meinrad Joos mit der Kooperation zufrieden. „Aber die Zufriedenheit ist nicht im Maximum“, gibt er unumwunden zu. „Als Forstmann habe ich schon einige Fragezeichen, wenn ich die großflächigen Bereiche kahler Fichtenbestände sehe. Es sollte nicht so wie im Harz werden“, erklärt er. Dort gibt es jede Menge toter Fichten, nur deren kahle Silberstämme ragen wie gewaltige Zahnstocher empor.

    Deshalb geht auch sein Wunsch für den Nationalpark in diese Richtung: „Ich wünsche dem Nationalpark, dass er so alt wird wie unser Verein. Dabei soll er möglichst immer von einer lebendigen grünen Farbe begleitet werden.“

     

    Über den Schwarzwaldverein:

    1864: Gründung in Freiburg als „badischer Verein von Industriellen und Gastwirten“ zum Zweck, den Schwarzwald und seine angrenzenden Gegenden besser bekannt zu machen“. Bei der offiziellen Gründung waren 66 Personen anwesend.

    1867: umbenannt in „Badischer Schwarzwaldverein“

    1884: der „Württembergische Schwarzwaldverein“ wird in Stuttgart gegründet

    1900: Westweg von Pforzheim nach Basel wird eingerichtet

    1906: erster vergeblicher Versuch der Zusammenlegung

    1910: Hornisgrinden-Turm fertiggestellt

    1933: der Reichswanderführer bestimmt, dass es in jedem Landschaftsgebiet nur einen Wanderverein geben darf und fordert eine Fusion

    1934: Zusammenlegung der beiden Vereine zum Schwarzwaldverein, insgesamt 25 800 Mitglieder

    1953: Kampf um Erhalt der Wutachschlucht, die aufgestaut werden sollte

    70er Jahre: Aktionen gegen das Waldsterben

    1989: 92 450 Mitglieder

    1994: Anerkennung des Schwarzwaldvereins als Naturschutzverband nach § 29 Bundesnaturschutzgesetz

    2000: Jubiläum 100 Jahre Westweg

    2010: 110. Deutscher Wandertag 2010 im Schwarzwald und in Freiburg, ausgerichtet vom Schwarzwaldverein.

    2014: Der Schwarzwaldverein feiert sein 150jähriges Gründungsjubiläum unter dem Motto „150 Jahre wegweisend!“

    2019: Auf seiner 150. Hauptversammlung in Konstanz beschließt der Verein eine neue Satzung und ein neues Leitbild.
    Im September feiert der Verein „25 Jahre Anerkennung Naturschutzverband“

    2025: Jubiläum 125 Jahre Westweg

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    Iris Lemanczyk

    Iris Lemanczyk

    Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

     

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    Nina Blazon

    Arbeitet mit Bloggerin Iris im Team und macht die Bilder und Videos für ihre Blogbeiträge.