Wo Europa richtig wild ist
Gibt es sie noch, die wirklich unberührte Natur in Europa? Und wenn ja, wie sieht sie aus und welchen Gefahren steht sie gegenüber? Antworten darauf gibt’s ab Dezember in „Wild Europe“, der neuen Ausstellung im Besucherzentrum am Ruhestein.
Sechs Nationalparks
Gezeigt werden Fotos aus sechs Nationalparks in Spanien, Italien, Österreich, Polen, Rumänien und Montenegro. Der Nationalpark Schwarzwald ist nicht dabei, aber ein „Schwarzwälder-Bub“ aus Löffingen und Freund des Nationalparks ist einer der Fotografen: Simon Straetker. Zusammen mit seinem Black Forest Collective haben sie das „Wild Europe“- Projekt entwickelt und umgesetzt. Falls es bei der einen oder dem anderen bei Simon Straetker klingelt… er ist auch Mitbegründer des Young Explorer Camps im Nationalpark.
Die Vielfalt der Wildnis
Doch zurück zur Ausstellung. „Uns war wichtig, die Vielfalt der europäischen Wildnis abzubilden. Daher haben wir sechs sehr unterschiedliche Regionen ausgewählt, die jeweils ein Thema oder eine Landschaft repräsentieren: In Nordspanien etwa begleiteten wir den Einsatz für die letzten Braunbären in den asturischen Bergen. In Rumänien dokumentierten wir die Urwälder der Karpaten und die Bedrohung durch illegale Abholzung. In Österreich drehten wir im Nationalpark Gesäuse mit Fokus auf die verborgene Welt der Insekten. Die Auswahl der Orte entstand teils aus unseren eigenen Wünschen, möglichst unterschiedliche Ökosysteme zu zeigen, teils durch Kooperation mit Partnern wie der Stiftung EuroNatur, die uns Kontakte zu lokalen Naturschutzprojekten vermittelt haben“, berichtet Simon.
Die Ausstellung ist eine Teamleistung vom Black Forrest Collective, zu dem unter anderem auch Sarah Ziegler, Joshi Nichell und Janis Klinkenberg gehören. „Jeder von uns hat in bestimmten Ländern fotografiert, je nach Spezialgebiet. Im Team haben wir etwa Spezialisten für Wildtierfotografie, für Landschaften oder Unterwasseraufnahmen“, sagt Simon.
Die Fotografinnen und Fotografen wollen die Schönheit unserer letzten wilden Landschaften zeigen und gleichzeitig deren Verletzlichkeit und Gefährdung. „Wir zeigen zum einen majestätische Braunbären, stille Bergseen, farbenfrohe Unterwasserwelten - das, was man sich unter unberührter Wildnis vorstellt. Gleichzeitig dokumentieren wir aber auch die Kehrseite: die Abholzung der Urwälder in Rumänien, das alarmierende Schwinden der biologischen Vielfalt und den Verlust endemischer Arten wie im Gesäuse in Österreich“, erklärt Simon.
Staunen und Nachdenken
Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur werden nebeneinandergestellt. Wir Besucher sollen nicht nur ins Staunen versetzt, sondern auch zum Nachdenken angeregt werden. Die eindrucksvollen Bilder sollen Bewusstsein wecken für die Dringlichkeit, diese Landschaften und Arten zu schützen. „Wir möchten, dass die Leute die Ausstellung verlassen und sagen: ,Wow, das war schön, das dürfen wir nicht verlieren.‘ Genau diese Verbindung von Faszination und Verantwortungsgefühl ist unser Anliegen.“
Fünf Jahre hat das Kollektiv an „Wild Europe“ gearbeitet - von der Idee bis zu den fertigen Fotos, zum Buch (das gibt es auch) und Filmen.
„Mich hat die Wildnis Rumäniens besonders begeistert“, schwärmt Simon.
„Die schiere Größe und Unberührtheit der Karpaten-Urwälder ist überwältigend. Ich erinnere mich, wie wir in einem Tal standen und ringsum nichts als Wald sahen. Keine Straße, kein Pfad. Gleich am ersten Tag habe ich zwei wildlebende Wölfe aus nächster Nähe gesehen. Dieses Erlebnis war ein Gänsehaut-Moment und hat mir gezeigt, welch anderes Level an Wildnis es dort gibt.“
Nicht nur die Wildnis wird in der Ausstellung gezeigt, sondern auch Menschen, die sich dafür einsetzen. „Deren Inspiration, zusammen mit der Magie der Wildnis sind mir am meisten im Gedächtnis geblieben“, meint Simon begeistert.
Forbes Liste
Im Gegensatz zu dieser Begeisterung gibt er sich bescheiden, wenn es um Preise geht. Im Jahr 2017 wurde Simon nämlich in die Forbes-Liste „30 Under 30 Europe“ in der Kategorie „Kunst“ aufgenommen. Das kann sich sehen lassen. „Ich war damals 23 und auf dieser Liste. Das war natürlich eine Ehre. Forbes hat damit meine Projekte gewürdigt. Titel sind toll, doch ich messe meinen Erfolg nicht daran. Den definiere ich eher dadurch, ob meine Arbeit einen positiven Impact hat.“
Schauen Sie sich die Ausstellung an und urteilen Sie selbst, ob Europa noch richtig wild sein kann. Und wie positiv der Impact bei Simons Arbeit ist.
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Zur Person
Iris Lemanczyk
Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.
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1 Kommentar
28.11.2025 um 14:47 Uhr von Grindenotti: