Mit der Rangertour zum Wilden See: Wissen macht ah!

04.11.2021 von Oliver Gewald in Kategorie: Blog

Die Rangertour vom Ruhestein zum Wilden See ist nicht nur ein echter Hingucker – dank der fachkundigen Führung könnt ihr dabei sogar noch eine Menge lernen. Nationalparkblogger Oliver war mit der Kamera dabei

Langsam aber sicher kämpft sich die Herbstsonne durch die Baumkronen. Die Mütze, die ich eingepackt habe, wird schon nach den ersten Minuten überflüssig. Es ist ein herrlicher Sonntag im Oktober, den ich mir zusammen mit 18 anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die Rangerführung zum Wilden See ausgesucht habe.

Bei einem Blick in die Menge merke ich: Mit Sportschuhen, Jeans und einem handelsüblichen Rucksack bin ich außerordentlich schlecht ausgestattet. Ob man mir wohl ansieht, dass es meine erste Rangerführung im Nationalpark ist? Meine Mitstreiterinnen und Mistreiter, von acht bis ungefähr 60 Jahre alt, sehen jedenfalls deutlich besser vorbereitet aus.

Mit einem freundlichen, gut gelaunten „Hallo zusammen“ begrüßt uns Torsten Kohl. Der 46-Jährige ist hauptamtlicher Ranger im Nationalpark – und führt uns heute über das Euting-Grab hinab zum Wilden See. 8,5 Kilometer ist diese Tour lang – dabei legen wir ganze 270 Höhenmeter zurück. „Wobei wir den Großteil davon direkt am Anfang hinter uns lassen“, ergänzt er. Na dann – los geht’s!

Und tatsächlich: Der erste Aufstieg am Ruhestein hat es in sich. Mühsam schleppe ich mich die Serpentinen am Skihang nach oben – zugegeben, normalerweise drehe ich mich um diese Uhrzeit an einem Sonntagmorgen nochmal in meinem Bett um. Doch wer mit dem Ausblick am Euting-Grab in der Morgensonne belohnt werden möchte, muss eben auch ein bisschen leiden. Der neunjährige Jonathan, der mit seinen Eltern an der Tour teilnimmt, wirkt neben mir jedenfalls deutlich fitter als ich – und fliegt den Berg regelrecht hoch. „Wir wollen alle Nationalparks im Land besuchen“, erklärt seine Mutter Iris. Zuletzt sei die dreiköpfige Familie aus der Pfalz am Wattenmeer gewesen, nun also der Nationalpark Schwarzwald.

Auf dem Gipfel angekommen steht die erste Verschnaufpause an. Schließlich gibt’s hier direkt etwas zu sehen: „Wir stehen hier vor einer sogenannten Grinde“, erklärt Ranger Torsten Kohl. Das wirft Fragen in der Gruppe auf. Welchen Zweck haben diese Flächen? Und wieso werden sie als Grinde bezeichnet? Torsten Kohl beantwortet alle Fragen – und sorgt für den ein oder anderen Aha-Effekt bei uns. „Es gibt mit Sicherheit Fragen, die auch ich nicht beantworten kann“, erzählt er, als wir weiter in Richtung Euting-Grab laufen. „Wir Rangerinnen und Ranger haben hier im Nationalpark allerdings tolle Möglichkeiten, um uns fortzubilden. Und natürlich kann ich jederzeit meine Kollegen und Kolleginnen aus den Fachbereichen anhauen, wenn ich etwas wissen möchte.“

So kann uns Torsten Kohl wenig später auch von den Häutungsgewohnheiten der Ringelnatter berichten, als er vor der malerischen Kulisse des Wildseeblicks ein Exemplar aus Plastik (glücklicherweise!) durch die Reihen gibt. Als Schlangenphobiker versuche ich, meinen Blick eher auf die wunderschöne Landschaft hinter dem Ranger zu lenken – was mir bei diesem herrlichen Wetter auch ganz gut gelingt. Während im Tal der Nebel hängt, genießen wir hier die Herbstsonne – und das trotz der Geschichten über Schlangen im Nationalpark.

„Das ist auf dieser Tour sicher der schönste Ort“, pflichtet Torsten Kohl bei. „Mit der Grindenlandschaft auf der einen und dem sich öffnenden Schönmünztal auf der anderen Seite vermischen sich hier zwei Landschaftsformen.“ Das sorgt auch dafür, dass die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht stillhalten können: Es werden fleißig Fotos geknipst.

Nachdem jeder ausgiebig den Blick genossen und per WhatsApp seine Freunde und Verwandte, die bei dieser Inversionswetterlage im nebligen Tal sitzen, neidisch gemacht hat, geht es weiter. „Es folgt der interessanteste Teil der Tour“, kündigt Torsten Kohl an. Noch ahne ich nicht, was mir damit bevorsteht. Vorbei an einem imposanten Baum, von dem früher ein Auerhahn die Besucher des Gebietes angegriffen und regelrecht terrorisiert hat (eine wahre Geschichte!), geht es nun hinab in Richtung Wilder See. Der Weg wird schmaler – und trotz eines Hinweisschildes, das vor einem schwierigen Abstieg warnt, bereue ich mein Schuhwerk zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das soll sich jedoch gleich ändern.

„Wir sind heute eben nicht nur auf Forst-Highways unterwegs“, scherzt Torsten Kohl, als wir uns auf den kleinen, engen Serpentinen gen Wilder See schlängeln. Unter Baumstämmen hindurch oder über den einen oder anderen Felsvorsprung zu klettern, bringt langsam auch meine Sportschuhe an ihre Grenzen. Während ich mir jeden Meter, den ich dem Wilden See näherkomme, hart erarbeiten muss, flitzt erneut Jonathan an mir vorbei. Wenn wir ihm freien Lauf lassen würden, wäre er wahrscheinlich einige Minuten vor uns am Ziel. Stattdessen muss er hin und wieder ungeduldig den Blick nach hinten werfen, wenn sich Mutter Iris und Vater Gunnar gemeinsam mit mir über die Felsvorsprünge schwingen – stets begleitet von Ranger Torsten.

Je näher wir dem See kommen, desto mehr Baumstämme stellen sich uns in den Weg. Mit jedem Meter eine Spur wilder! Gleichzeitig blitzt das Ziel immer wieder zwischen den Bäumen hervor: In der Morgensonne strahlt uns der Wilde See bereits an. Nur noch ein paar Mal klettern und ein paar Pfützen ausweichen – meine Schuhe sind leider auch nicht unbedingt wasserdicht – dann sind wir da!

Geschafft! Da ist er endlich, der Wilde See. Verrückt, wie klein dieser noch ausgesehen hat, als wir vom Euting-Grab ins Tal blickten – und wie groß er nun erscheint. Trotz des anstrengenden Abstieges ist an eine Pause nicht zu denken: Viel mehr sind wir mit ausgiebigem Staunen beschäftigt. Während die Baumkronen von der Morgensonne angestrahlt werden, reflektiert der See diese einmalige Kulisse sogar noch. Ob es wohl ein schöneres Örtchen für einen Kaffee gibt? Wohl kaum.

Nach einer knappen halben Stunde ist Torsten Kohl schon wieder voll in seinem Element. Auch er hat die Pause genutzt – und in aller Ruhe den Blick über den Wilden See schweifen lassen. „Hier arbeiten zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Das ist ein Privileg“, erzählt er. Kein Wunder: Was für andere ein Sonntagsausflug ist, ist für ihn Berufsalltag. „Die Aha-Momente, die wir Ranger auslösen, sind das Schönste an so einer Führung.“ So macht er sich direkt nach der Pause daran, den Unterschied zwischen der Fichte und einer Tanne zu erklären – oder die Frage zu beantworten, wie der Wilde See überhaupt entstanden ist.

Während die Gruppe ihre Tour über die Darmstädter Hütte fortsetzt, verabschiede ich mich still und leise. Ich werde mich den steinigen Weg, den wir vorhin mühsam heruntergeklettert sind, wieder nach oben kämpfen – um rechtzeitig für den nächsten Blogbeitrag wieder am Ruhestein zu sein. Denn an jenem Sonntag findet auch die Besucherzählung im Nationalpark statt. Was es damit auf sich hat? Ihr erfahrt es im nächsten Blogbeitrag!

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Oliver Gewald

Bloggt im Auftrag von Kresse & Discher für den Nationalpark Schwarzwald.


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