Wie wird eigentlich Forschung kommuniziert?

03.06.2026 von Iris Lemanczyk in Kategorie : Blog
  • Wie viele Arten leben im Nationalpark? Welche Lebensräume benötigen die Arten? Was passiert mit der Natur, wenn der Mensch sich weitgehend raushält? Was bewirkt ein Nationalparkbesuch? Mit all diesen Fragen und natürlich noch vielen mehr beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Nationalpark. Ihre Forschungsergebnisse werden nicht nur dokumentiert und sind für das Fachpublikum in Fachzeitschriften zu lesen. Die Ergebnisse sollen auch für alle Interessierten und für Behörden zugänglich und verständlich sein. Aber wie wird denn die Forschung vermittelt?

    „Wir Wissenschaftler sind so in unserer Materie drin und haben meist unser eigenes Vokabular. Es ist gar nicht so einfach komplexe Inhalte so herunterzubrechen, dass sie möglichst für alle verständlich sind. Das ist oft auch mit starker Vereinfachung verbunden“, erklärt Dr. Flavius Popa. Der Pilzexperte leitet das Referat Biodiversitäts-Monitoring und Forschungsnetzwerk. „Gleichzeitig ist es mir ein Anliegen, dass die Menschen verstehen, was wir hier so machen.“ Diese Transparenz stärkt das Vertrauen in die Forschung und das ist essentiell für unsere Arbeit.

     

    Jede Menge Fragezeichen

    Er erinnert sich noch gut an seine erste Veranstaltung im Nationalpark. Es war eine interne Fortbildung für die Ranger. „Schnell stand ich einer Gruppe mit Fragezeichen überm Kopf gegenüber, die kaum ein Wort verstanden hatte und völlig überfordert war. Es ist schon eine Herausforderung, beidem gerecht zu werden - der ,Fachwelt‘ und eher ,Fachfremden‘. Ich weiß ja, wie meine Kolleginnen und Kollegen in der Forschungscommunity denken, welchen Wissensstand sie haben. Um bei einer Führung verstanden zu werden, bei der eine ganz gemischte Gruppe vom Kind bis zum Rentner mitläuft, muss ich einiges weglassen, anders ausdrücken oder vereinfachen. Und gleichzeitig macht es natürlich auch unheimlich Spaß, meine Begeisterung für die Pilzwelt, die entstehende Wildnis und alles, was damit zusammenhängt, weiterzugeben.“

    Art des Monats

    Flavius und seine Kolleginnen und Kollegen überlegen sich genau, an wen sich was richten soll. Für Leute wie mich, die interessiert, aber keine Wissenschaftler sind, gibt es zum Beispiel auf Social Media oder hier im Blog die „Art des Monats“. Kurz, knapp und verständlich wird eine Art vorgestellt, wie hier im Beispiel die Weidenmeise.

    „Art des Monats“ oder auch „Arten mal anders“ gibt’s auch auf Instagram

     Hier erfährt man etwa, dass das Harz der Waldkiefer zum Abdichten von Booten oder Fässern genutzt wurde. Und, dass sie ein wahrer Glücksbaum für Auerhühner ist, wenn diese im Winter deren Nadeln futtern.

    „Das sind sozusagen kleine Appetithappen. Wer mehr wissen mag, kann auch im Forschungsblog tiefer einsteigen. Und wer richtig eintauchen möchte, kann die Links zu den Originalpublikationen dort finden und lesen“, empfiehlt Flavius. Der Forschungsblog findet sich hier: www.nationalpark-schwarzwald.de/nationalpark/blog/

     

    Die Sache mit der Socke

    Die Artikel sollen für alle gut verständlich sein. Deshalb bitten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erst mal bei Kollegen mit anderen Themenschwerpunkten um Feedback. Trotzdem bleibt es immer eine Gratwanderung, was und wieviel an Information im Blogartikel bleibt und wie einfach und anschaulich die Ergebnisse dargestellt werden können. „Einer meiner Betreuer an der Uni hat ‚Ektom‘ – eine Symbiose zwischen Pilzen und Bäumen – erklärt, wie ne Socke, die man über den Fuß stülpt.“ Dies ist zwar sehr vereinfacht, aber ein Bild, das Flavius bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

     

    Was wünscht ihr euch?

    Natürlich gibt es auch Vorträge, Messen, Forschungsbroschüren und -bände (zum Beispiel in der PDF-Mediathek des Nationalparks oder im Bereich Forschung & Dokumentation auf der Webseite), Führungen, Workshops, Tagungen, bei denen Forschungen vorgestellt werden. So müsste sich für jedes Interesse und jeden Wissensstand etwas finden.

     

    Zum Schluss würde Flavius und mich interessieren, was kommt bei euch an? Was von dem Angebot nutzt ihr? Was wünscht ihr euch? Schreibt uns doch in die Kommentare.

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    Iris Lemanczyk

    Iris Lemanczyk

    Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

     

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