Immer der Sage nach

05.03.2026 von Iris Lemanczyk, Nina Blazon in Kategorie : Blog
  • Ist da jemand hinter uns? War da ein Schatten? Einbildung, oder doch Bruder Pauli, der Geist? Wir sind auf dem Sagenrundweg und bei den Allerheiligen-Wasserfällen unterwegs. Und Bruder Pauli hat es uns irgendwie angetan.

    Bruder Pauli war ein Mönch, der es mit den Gelübden nicht allzu genau nahm. Für einen guten Braten konnte er zum Wilderer werden. Dafür goss er Kugeln aus silbernen Kruzifixen. Vor Gottes Gericht wurde er bestraft und dazu verurteilt, in der Umgebung des Klosters Allerheiligen ruhelos als Geist umherzugehen. Fuhrleuten spielte er oft üble Streiche, besonders gern narrte er Heidelbeersucher.

    Nun, die Heidelbeer-Saison ist bereits vorbei, außerdem sind die Beeren im Nationalpark für die Tiere. Und um das Kloster Allerheiligen, wo wir mit unserer Tour beginnen, ist es an diesem Ferientag viel zu trubelig für einen Geist.

    Vom Kloster führt ein Kiesweg Richtung Engelskanzel. Schon nach wenigen Schritten sind wir dem Trubel am Kloster entkommen. Wir tauchen ein in den Wald aus Tannen und Buchen. Blätter flirren im Licht. Moos wächst in zigfachen Varianten. Bruder Pauli rührt sich nicht.

     

    Auf der Engelskanzel

    Wir erreichen die Engelskanzel. Was für ein wunderbarer Ausblick über den Schwarzwald. Von hier hören wir das Plätschern des Lierbachs oder besser, das Fallen des Wassers über die Kaskaden des Wasserfalls. Sehen können wir es nicht. Dafür sehen wir das Schild mit der Erklärung, warum die Engelskanzel Engelskanzel heißt.

    Die Sage

    Der Sage nach suchte ein Mädchen in den Wäldern Schutz vor marodierendem Kriegsgesindel. Doch die Söldner entdeckten das Mädchen. Just hier am Felsvorsprung kam sie nicht weiter, denn vor ihr lag die tiefe Schlucht, der Abgrund. Unter keinen Umständen wollte sie den Häschern in die Hände fallen. In ihrer Verzweiflung sprang sie. Aber sie stürzte nicht hinab, sondern Engel trugen sie über die Schlucht auf die andere Seite in Sicherheit. Deshalb der Name Engelskanzel.

     

    Ein beliebtes Ausflugsziel

    Einige solcher Schilder mit Sagen gibt es auf dem Weg hinab zu den Allerheiligen-Wasserfällen. Dort am Parkplatz herrscht ein Stimmwirrwarr aus Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und auch Hebräisch. Die Allerheiligen-Wasserfälle sind ein beliebtes Ausflugsziel.

    „Der Sagenrundweg wurde durch die Stadt Oppenau im Zuge der 800 Jahr Feier der Klosterruine Allerheiligen im Mai 1996 eröffnet“, berichtet Gunia Wassmer, Geschäftsführerin der Renchtal Tourismus GmbH.

    Auch sie geht den Sagenrundweg gerne. „Besonders schön finde ich die Strecke in den frühen Morgenstunden. Die Wasserfälle sind in ihrer Optik ständig im Wandel: Je nach Tages- oder Jahreszeit und natürlich auch je nach Wassermenge.“

     

    Mark Twain und der Wasserfall

    Wir sehen den Lierbach. Würde ein Kind einen Bach malen, würde er genau so aussehen. Selbst der Schriftsteller Mark Twain schrieb über den Lierbach und die Wasserfälle: „Ein durchsichtig klarer Gießbach schießt pfeifend talabwärts, und am unteren Ende windet er sich durch einen engen Spalt zwischen hohen steilen Klippen und stürzt dann über eine Folge von Felswänden. Hat man die letzte hinter sich, gewinnt man einen herzerfreuenden Rückblick auf die Fälle – in einer siebenstufigen Treppe aus schäumenden und glitzernden Kaskaden steigen sie auf und ordnen sich zu einem Bild, das ebenso bezaubernd wie ungewöhnlich ist.“

     

    Früher gab’s Leitern

    Und wirklich: Wildromantisch stürzt sich das Wasser in die Tiefe. Und wir stürzen uns auf die 250 Stufen, die wir nach oben kraxeln müssen. Bereits im 19. Jahrhundert gab es hier Leitern, um die Wasserfälle zu bestaunen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die jetzige Streckenführung mit Treppen gebaut. - Belohnt werden wir mit den wundervollen Ausblicken auf den Wasserfall.

    Oben angekommen begleitet uns der sanft plätschernde Lierbach bis zum Kloster. Irgendwie will Bruder Pauli auf sich aufmerksam machen. Obwohl?! Auf einem Schild soll Bruder Paulis Tun beschrieben werden. Doch ausgerechnet dieses Schild ist nicht mehr lesbar. Ist es Bruder Pauli etwa peinlich geworden? Oder hat er sich aus dem Staub gemacht?

    Wo der Sack liegenblieb

    Die letzte Sage finden wir bei der Klosterruine Allerheilgen: Herzogin Uta von Schauenburg wollte ein Kloster gründen. Als man sich über den Platz nicht einigen konnte, wurde ihr im Traum aufgetragen, einen Esel mit einem Sack Gold zu beladen und frei laufen zu lassen. Wo er den Sack abwarf, war das Kloster zu errichten. Auf der Höhe wurde der Esel müde und schüttelte seine Last ab, die ins Tal rollte. An der Stelle, an der der Sack liegen blieb, wurde das Kloster Allerheiligen erbaut.

     

    Schöne Tour

    Unser Fazit: Eine schöne, kurze, abwechslungsreiche Wanderung von knapp vier Kilometern. Man kann am Fuße des Wasserfalls, am Parkplatz der Allerheiligen-Wasserfälle starten oder aber bei der Klosterruine Allerheiligen.

    Alle Details zur Tour gibt es hier: Unterwegs im Nationalpark, Allerheiligen

    Kommentare

    Aktuell sind noch keine Kommentare vorhanden.

    Hinterlasse uns einen Kommentar:

    Verbleibende Zeichen: 600

    Zurück

    Zur Person

    Iris Lemanczyk

    Iris Lemanczyk

    Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.

     

    Fragen zum Thema?

    Nationalpark-Pressestelle

    Tel.: +49 7449 92998-14
    pressestelle@nlp.bwl.de

    Nina Blazon

    Nina Blazon

    Arbeitet mit Bloggerin Iris im Team und macht die Bilder und Videos für ihre Blogbeiträge.