Nicht ärgern, wenn Wege gesperrt sind
Ärgern Sie sich, wenn Sie Banner mit Wegsperrungen im Nationalpark sehen? Wenn der Weg, den Sie sich ausgesucht haben, gesperrt ist? Vor allem im Winter, aber auch während der Fortpflanzungszeit. Denn der Nationalpark ist ein Großschutzgebiet, hier soll sich die Natur großflächig selbst überlassen sein. „Die Wegsperrungen sind nur ein Instrument, um größere Flächen zu beruhigen, indem man sämtliche zuführenden Wege eines Bereichs, den man schützen will, sperrt“, erklärt Arne Kolb, gebietsleitender Ranger am Schliffkopf. Denn Wege sind wie Störungsbänder, die durch den Lebensraum der Wildtiere führen.
Von den Wegen sehen wir meistens keine Tiere, aber die Tiere nehmen uns wahr. Die meisten Wildtiere haben Angst vor Menschen und reagieren mit Flucht. Es kann passieren, dass man sie aufscheucht und das gar nicht mitbekommt.
Wildtiere brauchen Ruhezonen
„Viele Tiere kommen gut mit Kälte und Nahrungsknappheit im Winter zurecht. Jedoch nur dann, wenn sie ihre Ruhe haben. Dann brauchen sie weniger zu flüchten und verbrauchen weniger Energie. Werden sie zu oft gestört, verbrauchen sie zu viel Energie, die sie nicht mehr auffüllen können.“
Besonders störungsempfindlich ist das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn. „In den benachbarten Vogesen ist es bereits ausgestorben. Wollen wir dies im Nationalpark verhindern, gilt es, nicht nur die Wintereinstände, also die Bereiche zu schützen, die sie im Winter aufsuchen, um dort Schutz und Nahrung zu finden. Auch die Balzplätze und die Bereiche, in denen die Auerhühner ihre Brut aufziehen“, erläutert Arne Kolb. Deshalb sind manche Wege bis in den Frühsommer gesperrt.
Lernfähige Tiere
Es gibt auch Tiere, die lernfähig sind und merken, dass von Besuchern auf Wegen keine Gefahr ausgeht. Sie halten die Menschen aus. Aber nur, wenn sich Besucher berechenbar verhalten und auf den Wegen bleiben. Das ist beispielsweise bei Rothirschen der Fall. Sie sind zwar nicht bedroht, aber im Nationalpark sehr scheu und nur nachts unterwegs. „Das entspricht eigentlich nicht ihrer Natur“, so Kolb. Sie sollen sich wieder wohler fühlen. Dann sind sie auch tagsüber unterwegs und hoffentlich wieder für Besucher sichtbarer.
Sobald sich allerdings einige Wenige nicht an die Sperrungen halten, verpufft dieser Gewöhnungseffekt. „Diese wenigen Uneinsichtigen stören also unverhältnismäßig stark. Für viele Tiere bedeutet dies Stress. Sie fliehen oder weichen aus, wodurch sich ihr Lebensraum schmälert“, erklärt Arne Kolb.
Wichtige Rückzugsgebiete
Deshalb ärgern Sie sich bitte nicht, wenn Wege gesperrt sind, sondern freuen Sie sich, dass die Wildtiere ihre Rückzugsgebiete haben. Der Nationalpark soll und will auch die Rückkehr von Arten ermöglichen, die hier noch nicht fest beheimatet sind, es aber immer wieder versuchen. Dazu gehört der seltene Schwarzstorch, der auf ruhige Waldgebiete mit Wasser angewiesen ist.
Kurzfristige Sperrungen
Wenn wir schon bei Sperrungen sind – es gibt nicht nur die saisonalen, sondern auch kurzfristige. Die tauchen auf, wenn es um Gefahren oder Hindernisse geht, etwa durch Sturm angebrochene Äste oder querliegende Bäume, die nicht ohne weiteres überklettert werden können. Um sich nicht ärgern zu müssen, wenn der Weg, den Sie sich ausgesucht haben, gesperrt ist, lohnt sich vorab ein Blick auf die Wegsperrungskarte: https://www.nationalpark-schwarzwald.de/erleben/unterwegs-im-park/wegesperrungen
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Zur Person
Iris Lemanczyk
Bloggt im Auftrag der Nationalparkverwaltung aus dem Nationalpark Schwarzwald.
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1 Kommentar
04.11.2025 um 14:33 Uhr von Grindenotti: