Wasseramsel, der Tauchspezialist unter den Singvögeln
Die Art des Monats Februar 2026
Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist ein etwa 17 bis 20 Zentimeter großer Singvogel. Sowohl die Männchen als auch die Weibchen haben einen rotbraun gefärbten Kopf und eine rotbraune Unterseite. Typisch sind ihr auffälliges weißes Brust- und Kehlgefieder sowie ihre weißen Augenlider, die sich deutlich von ihrem dunkelbraunen Gesicht abheben.
Die Wasseramsel kommt im Nationalpark an allen größeren, klaren und schnell fließenden Gewässern vor. So findet man sie beispielsweise beim Allerheiligen-Wasserfall, im Langenbach- und Schönmünztal und an der gesamten Murg und ihren Nebenbächen.
Sie ist ein Standvogel und bleibt meist ganzjährig in ihrem Territorium, so lange die Gewässer nicht völlig zufrieren. Bereits im Spätwinter (Ende Februar/ März) markiert die Wasseramsel ihr Brutrevier. Ihr Verhalten ist in dieser Hinsicht ungewöhnlich flexibel, da sie ihre Kommunikationsstrategie an die Lautstärke ihres Lebensraumes anpassen kann. Wenn sie merkt, dass ihr Gesang durch das laute Rauschen des Wassers übertönt wird, setzt sie auf Sichtbares und versucht, durch visuelle Signale wie häufigem Wippen des Körpers und Blinzeln mit den strahlend weißen Augenlidern, potenzielle Partner anzulocken oder Rivalen auf sich aufmerksam zu machen. Ihr großes, kugelförmiges Nest aus Moos baut die Wasseramsel in Felsnischen oder Erdlöchern in Rutschhängen, manchmal auch in Wurzeltellern, die sich immer unmittelbar über dem Fließgewässer befinden müssen. Oft brütet sie auch unter Brücken und in für sie bereitgestellten Nistkästen.
Die Wasseramsel ist der einzige europäische Singvogel, der nicht nur gut schwimmen, sondern auch sehr gut tauchen kann. Ihre Tauchgänge dauern in der Regel nur wenige Sekunden, können aber bis zu einer halben Minute betragen. Sie ist perfekt an das Leben am und im Wasser angepasst. Ihr Gefieder ist besonders fest und pelzdaunenreich, wodurch es eine hervorragende Wärmeisolierung bietet. Zudem wird es mithilfe der großen Bürzeldrüse regelmäßig mit einer öligen Flüssigkeit eingefettet, sodass es nach den Tauchgängen sofort wieder abtrocknet. Dank eines besonders guten Akkomodationsvermögens der Augen können Wasseramseln sowohl über als auch unter Wasser scharf sehen. Ihre Augen sind unter Wasser durch eine halbtransparente Nickhaut geschützt, und die Ohröffnung ist durch eine Hautfalte verdeckt. Im Gegensatz zu anderen Vögeln sind die Knochen der Wasseramsel weniger stark luftgefüllte (pneumatisiert). Das somit erhöht Gewicht ermöglicht ihr, beim Tauchen den Boden zu erreichen. Mit ihren kräftigen Beinen kann sie sich in der Strömung unter Wasser festhalten. Die Flügel sind kurz, abgerundet und flexibel. Mit Ruderbewegungen, die durch eine starke Brustmuskulatur unterstützt werden, kann sich die Wasseramsel optimal unter Wasser fortbewegen.
Das Vorkommen der Wasseramsel ist ein Indikator für eine gute Wasserqualität, da sie nur Lebensräume mit sauberem, klarem Wasser besiedeln kann, in denen sie ausreichend Nahrung (Köcherfliegen, Eintagsfliegen, Steinfliegen oder kleine Krebstiere) findet. Lebensraumzerstörung durch Flussbegradigungen, verbaute Ufer sowie Wasserverschmutzung stellen daher die Hauptgefährdungsfaktoren für diese Art dar.
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Zur Person
Esther Del Val Alfaro
Forschungs-Konzeption, Vertebraten-Monitoring und Artenschutz
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