Laufkäferdaten zeigen Trends über ganz Deutschland
Großflächiger Rückgang von Laufkäfern
Massive Rückgänge in ganz Deutschland
Laufkäfer sind in unseren Ökosystemen wichtige Konsumenten (Räuber und Samenfresser), aber auch als Beutetiere in der Nahrungskette von Bedeutung. So leben geschätzt bei uns beispielsweise zwischen 20.000 und 70.000 Laufkäfer pro Hektar Wald.
Für 383 Laufkäferarten konnten Trends auf nationaler Basis berechnet werden: 52% der Arten zeigen einen signifikanten Rückgang und 22% der Arten nehmen über die letzten 36 Jahre in der Fläche zu. Alle restlichen Arten weisen ebenfalls negative, wenn auch schwächere, Tendenzen auf.
Interessant ist dabei: Gefährdete und ungefährdete Arten nehmen in gleicher Stärke ab.
Zu- und Abnahmen nah verwandter Arten
Am stärksten sind wohl die Arten offener Lebensräume und der Küsten betroffen. Große, waldbewohnende Laufkäferarten sind am wenigsten betroffen.
Aber auch hier ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Selbst eng verwandte Arten zeigen sehr unterschiedliche Trends: Der Große Striemenläufer (Molops elatus), eine zentraleuropäisch-montan verbreitete Art für deren Erhalt Deutschland eine hohe Verantwortlichkeit besitzt, verzeichnet starke Rückgänge. Im Nationalpark Schwarzwald hat die Art noch Vorkommen auf über 6 % der untersuchten 210 Monitoringflächen.
Viel häufiger im Nationalpark (15% der Flächen) und in Deutschland ist der Braunfüßige Striemenläufer (Molops piceus). Von ihm gibt es trotz ähnlicher Lebensweise eine Zunahme zu verzeichnen.
Ähnlich verhält es sich auch bei nah verwandten Großlaufkäfern: Der Dunkelblaue Laufkäfer (Carabus intricatus) erobert im Moment die höheren Lagen des Schwarzwalds und nimmt wahrscheinlich bedingt durch die Klimaerwärmung auch bundesweit zu (Abb. 1). Der Bergwald-Laufkäfer (Carabus sylvestris), eine Charakterart submontaner und montaner Lagen des Schwarzwalds, nimmt im Bestand auf nationaler Basis deutlich ab.
Offene Lebensräume stärker schützen und naturnah entwickeln
Große Schutzgebiete, wie die Nationalparks und Biosphärengebiete, können angesichts ihrer Flächengröße viele Arten schützen. Beispielsweise kommen über 62 Arten mit bundesweit negativem Trend auch im Nationalpark Schwarzwald vor (Abb. 2).
Für den Schutz von Wäldern ist in den letzten Jahrzehnten viel getan worden. Die neue Studie zeigt aber auch deutlich, dass Arten der offenen Lebensräume, Moore (Abb. 3) und der Küsten am stärksten betroffen sind. Lebensraumverbessernde Maßnahmen, effektiveres Management und neue Schutzgebiete sollten also vorrangig in dieser Kulisse erfolgen.
Durch ein einheitliches, standardisiertes Monitoring, wie es im Nationalpark bereits seit fast 10 Jahren praktiziert wird, kann die weitere Entwicklung beobachtet werden. Dadurch lassen sich konkrete Maßnahmen zum Schutz der Laufkäferfauna und weiterer Arten planen und realisieren (evidenz-basiertes adaptives Management).
Referenzen:
Chowdhury, S., Bowler, D.E., Boutaud, E., Bleich, O., Bruelheide, H., Buse, J., Engel, T., Gebert, J., Grescho, V., Gürlich, S., Harry, I., Jansen, F., Klenke, R.A., van Klink, R., Winter, M., Bonn, A.: Widespread decline of ground beetles in Germany. Diversity and Distributions 31: e70112. DOI: https://doi.org/10.1111/ddi.70112.

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