Erlebnispfade begeistern die Gäste
Befragung zum Naturerleben und zur Erlebnisqualität auf dem Lothar- und Spechtpfad
Der Lotharpfad ist seit langem einer der meistbesuchten Orte des Nationalparks. Rund jeder zweite Gast war bereits dort und auch die Wiederbesuchsrate ist sehr hoch. Seit 2024 wurde der Lotharpfad um den Spechtpfad erweitert und damit ist eine weitere Attraktion im Nationalpark entstanden. Beide Pfade können innerhalb kurzer Zeit gelaufen werden und ermöglichen Einblicke in den Wandel des Waldes nach dem Sturm Lothar im Jahr 1999. Viele der Gäste beschreiben ihren Besuch der Pfade als ein „faszinierendes“ und gleichzeitig „kurzweiliges“ Erlebnis. Doch was genau macht die Faszination der Besuchsklassiker des Nationalparks aus und was können wir daraus für die Besucherlenkung lernen?
Eine Studentin der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg, Anna Koch, hat sich mit dem Thema genauer beschäftigt und für ihre Bachelorarbeit 234 Gäste im April und Mai 2025 befragt. Zudem hat sie die Laufroute der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer mit GPS-Trackern aufgezeichnet. Die wesentlichen Erkenntnisse wollen wir in diesem Blogbeitrag aufgreifen.
Was motiviert die Gäste und was macht das Naturerleben auf den Pfaden so besonders?
Das Naturerlebnis spielt als Besuchsgrund eine zentrale Rolle. Neben Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen (68 %) und aktiv zu sein (63 %), ist das Natur- und Landschaftserleben das ausschlaggebende Motiv für die Mehrheit der Gäste (87 %). Und erfreulich ist, dass diese Erwartung während des Besuchs auch erfüllt wird. Mehr als 9 von 10 Personen (94 %) vergaben für ihr individuelles Naturerlebnis auf den Pfaden zwischen 89 und 100 Punkte (Skala 0 - 100). Welcher Pfad dabei aufgesucht wird, spielt für die Einstufung des Erlebnisgrades keine Rolle. Fragt man genauer nach, ergibt sich, dass die Gäste Natur vor allem über visuelle Sinneseindrücke (55 %), also über das Wahrnehmen von Bäumen, Wurzeltellern und anderen Naturphänomenen und Naturmaterialien, erleben. Auch der Gehörsinn (22 %) spielte eine zentrale Rolle, beispielsweise durch das Lauschen des Vogelgesangs. Viele Gäste berichteten auch, dass sie von der Regenerationsfähigkeit der Natur nach dem Sturm Lothar sehr beeindruckt sind. Bemerkenswert ist, dass die Gäste trotz einer geringen Aufenthaltsdauer auf den Pfaden eine intensive Naturerfahrung machen können und somit sehr gut Abstand zum Alltag (83 %) gewinnen können.
Wie zufrieden sind die Gäste?
Dass das Naturerleben einen Einfluss auf die Zufriedenheit hat, die überwiegend als hoch einzustufen ist, ist unbestritten. 96 % der Gäste waren mit ihrem Besuch sehr zufrieden oder zufrieden, während nur 4 % ihren Besuch als neutral einschätzten. Es gab weder unzufriedene noch sehr unzufriedene Teilnehmer. Insgesamt kann man jedoch erkennen, dass die Besucher des Lotharpfades etwas unzufriedener waren als die Besucher des Spechtpfades. Besonders positiv wurden die zahlreichen Sitz- und Rastmöglichkeiten und die Bohlenwege hervorgehoben. Etwas schlechter wurden die Plattformen und Aussichtspunkte sowie die Beschilderung bewertet. Das Naturerleben wurde vor allem durch den Verkehrslärm der Schwarzwaldhochstraße, das hohe Besuchsaufkommen bzw. das Verhalten anderer Besucher beeinträchtigt.
Welches Verbesserungspotential gibt es aus Gästesicht?
Auf die Frage, welche zusätzlichen Infrastrukturen sich die Besucher wünschen, gaben 57,9 % der Befragten Toiletten und 22,5 % mehr Informationen zur Natur, z. B. über Informationstafeln, an. Vor allem zu den typischen Tier- und Pflanzenarten des Nationalparks, zu Sturmwürfen und dem Sturm Lothar, zur natürlichen Waldentwicklung und Naturverjüngung wünschten sich viele Besucher mehr Auskünfte. Weitere Verbesserungsvorschläge umfassten eine optimierte Beschilderung und das Aufstellen von Orientierungstafeln auf den Pfaden.
Wie lange und wohin bewegen sich die Gäste auf den Pfaden?
Durch die Daten der GPS-Tracker konnte festgestellt werden, dass 53 % der Teilnehmer beide Pfade sowie 20,7 % nur den Lotharpfad und 24,2 % nur den Spechtpfad gingen. Im Durchschnitt verbrachten die Besucher dort etwa 1,25 Stunden und legten eine Strecke von 2,38 km zurück. Vor allem am Einstieg der Pfade sowie an den Sitzgelegenheiten, Mitmachstationen und dem Aussichtspunkt am Spechtpfad befanden sich die Hotspots mit besonders hohem Besuchsaufkommen (siehe Abbildung 2). Die einzelnen Wegabschnitte waren relativ gleichmäßig ausgelastet. Die Nebenwege, mit welchen der Spechtpfad abgekürzt werden konnte, wurden jedoch weniger begangen. Es kam außerdem zu sehr wenigen Verletzungen des Wegegebots.
Abbildung 1: Verweildauer der Besuchenden auf dem Lothar- und Spechtpfad
Es gibt zwei häufige Bewegungsszenarien auf den Pfaden (siehe Abbildung 2). Die Gäste gehen entweder zuerst den Spechtpfad und dann den Lotharpfad in ausgeschilderter Richtung (Szenario A) oder sie gingen zuerst den Spechtpfad und dann am Aussichtspunkt über das Wegesegment 11 auf den Lotharpfad über (Szenario B). Um die Hotspots auf dem Spechtpfad zu entzerren, könnte dieses Bewegungsszenario B sowie eine Attraktivitätssteigerung des Lotharpfades durch eine neue, auf die Natur angepasste thematische Ausrichtung als neue Option für die Beschilderung der Pfade in Betracht gezogen werden. Außerdem wünschten sich die Besucher eine verbesserte Beschilderung, die den Rückweg zum Parkplatz anzeigt und den Übergang von Specht- auf Lotahrpfad auf Wegsegment 11 genauer darstellt.
Abbildung 2: Bewegungsszenarien der Besuchenden des Lothar- und Spechtpfades
Zusammenfassend können wir feststellen, dass es generell eine hohe Zufriedenheit mit dem Besuch der Pfade gibt, aber an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht. Orientierungstafeln, eine eindeutige Beschilderung und mehr Informationen über die heimische Natur können dazu beitragen, dem Besucher ein optimales Besuchserlebnis zu bieten.
Dieser Blogbeitrag basiert auf einer Textvorlage von Anna Koch und wurde mit Unterstützung von Mareike Garms veröffentlicht.
Weitere Nachrichten
Hinterlasse uns einen Kommentar:
Zur Person
Dr. Mareike Garms
Besuchermonitoring, Besucherbefragung
Tel.: +49 7449 92998 352
mareike.garms@nlp.bwl.de
Kommentare
Aktuell sind noch keine Kommentare vorhanden.