Rot-Eiche

Die Art des Monats November 2025

26.11.2025 von Dr. Stefanie Gärtner in Kategorie : Art des Monats
  • Die Rot-Eiche (Quercus rubra L.) wurde als Baum des Jahres 2025 ausgewählt. Wenn man Herbst spazieren geht, kann man sie an der ein oder anderen Stelle auch im Nationalpark entdecken, zum Beispiel im Tonbachtal. Durch ihre leuchtend rote Herbstfärbung hebt sie sich von den sonst eher gelben Tönen mitteleuropäischer Laubbaumarten ab (s. Abb. 1).

    In ihrer Heimat im Nordosten der USA und im südöstlichen Kanada trägt sie so ihren Teil zum „Indian Summer“ bei. Und in diesem Fall ist sowohl der wissenschaftliche Artname (rubra) wie auch der deutsche Name Rot-Eiche oder der englische Northern-Red-Oak einfach abzuleiten.

    Woran erkennt man die Art?

    Auch die Rot-Eiche zeigt typisch gelappte Laubblätter, die wir von mitteleuropäischen Eichenarten kennen. Allerdings lässt sich die Rot-Eiche kaum mit den heimischen Arten verwechseln. Die Blätter sind meist deutlich größer, mit einem langen Stiel und die Lappen sind außen nicht rund, sondern stark zugespitzt und gezähnt (Abb 2).

    An einem einzelnen Baum können die Blätter aber auch stark variieren. Je nachdem ob sie an der Baumkrone außen, in der Sonne wachsen oder im Innern, im Schatten. Die Sonnenblätter sind kleiner und stark eingebuchtet, die größeren Schattenblätter, die weniger bis kaum gebuchtet sind und die Lappen am Rand können nur durch Zähne markiert sein. 

     

    Die Bäume können in Nordamerika über 40 Meter hoch wachsen, in Mitteleuropa erreichen sie meist um 30 Meter mit einem Umfang von bis zu einem Meter. Die Rinde ähnelt eher der glatten Rinde der Buche und wird erst mit zunehmendem Alter und Umfang rissig (siehe Abb. 3).

    Männliche und weibliche Blüten wachsen zwar am gleichen Baum aber in getrennten Blütenständen. Zur Blütezeit im Frühjahr sind die männlichen Blütenstände als lang herabhängende Kätzchen erkennbar, dadurch können die Pollen vom Wind gut verbreitet werden. Die weiblichen Blüten sind unscheinbar und wachsen in Blattachseln, dort wo die Sprosse neu austreiben.

    Diese kugeligen Gebilde wachsen nicht in derselben Vegetationsperiode, unmittelbar nach der Bestäubung, zu Früchten aus, sondern erst im darauffolgenden Jahr. Die Entwicklung kann bis zu 18 Monate dauern.

    Die zweijährige Fruchtentwicklung ist ein Merkmal, das die Gruppe der Roteichen (im weiteren Sinnen) von den Weißeichen unterscheidet. Zu den Weißeichen, mit einjähriger Fruchtentwicklung, gehören die drei mitteleuropäischen Eichenarten Stiel-, Trauben- und Flaumeiche.

    Allerdings ist den genannten Arten gemeinsam, dass die Menge der Fruchtproduktion zwischen den Jahren stark variieren kann. Jahre mit sehr hoher Produktion werden auch als Mastjahre bezeichnet. Diese Benennung deutet auf die Nutzung der energiehaltigen Nußfrüchte, den Eicheln, hin (Abb 4). Schweine wurden in die Eichenwälder getrieben, um sie mit den Eicheln zu mästen.

    Die Eicheln sind schwer, daher ist die Nahverbreitung durch die Schwerkraft gegeben. In Nordamerika werden die Rot-Eicheln vor allem durch den Blauhäher (Blue Jay) und verschiedene Hörnchenarten verbreitet. Eichelhäher, die die Verbreitung der mitteleuropäischen Eichen hauptsächlich übernehmen, scheinen laut Literatur in geringerem Ausmaß bei der Roteiche beteiligt zu sein. Hier helfen vor allem Eichhörnchen nach.

    Wo wachsen Roteichen?

    In ihrem Ursprungsgebiet bildet die Roteiche mit weiteren Eichen- und Ahornarten, Eschen und Linden, Tulpenbaum, Amerikanischer Buche und Spätblühenden Traubenkirsche baumartenreiche Mischbestände, mit geringer Beteiligung von Nadelbaumarten wie Weymouthskiefer/Strobe, Hemlock oder Lebensbaum. Reinbestände kommen unter dieser reichartigen Gesellschaft (eher) nicht vor.

    Sie kommt in der Wiederbewaldung von Störungsflächen nach den Pionieren, braucht zwar Licht für ihr schnelles Jugendwachstum, ist aber schattentoleranter als die mitteleuropäischen Eichenarten. Das höchste Wachstum zeigt die Art auf tiefgründigen Böden ohne Wasserstau. Die Rot-Eiche kommt auch mit nährstoffarmen und sauren Böden zurecht. Auf Kalk im Boden reagiert sie mit chlorotischen Blättern.

    Warum wurde die Art ausgewählt und was bedeutet das für den Nationalpark?

    Die Rot-Eiche wurde prämiert mit dem Argument, dass sie unter den in Mitteleuropa durch Klimawandel veränderten Wachstumsbedingungen besser zurechtkommen würde als bisher heimische Arten. Vor allem das schnelle Wachstum, die geraden Stämme und die (bisher) geringe Anzahl an Wachstum beeinträchtigenden Arten (oft auch als „Schädlinge“ bezeichnet), überzeugt forstwirtschaftlich. Auch solitär in Stadt und Landschaft ist die Rot-Eiche zweifellos eine beeindruckende Erscheinung.

    Bisherige Studien zeigen, dass die Rot-Eiche unter anderem durch ihre hohe Schattentoleranz in der Jugend und ihrem schnellen Wachstum einen Vorteil gegenüber den mitteleuropäischen Eichen hat. Mit ihrem schwer zersetzbaren Laub kann die Waldbodenvegetation - vor allem die Moose - negativ beeinflussen werden. Das Laub hat auch einen starker Einfluss auf die chemischen Eigenschaften der Böden und damit auf die Zusammensetzung der Pilze wie auch Bodenfauna.

    Daher ist aus Naturschutz Sicht die Einbringung von neuen Arten in ein Ökosystem nicht ohne Risiken. Insbesondere ein Nationalpark ist ein kleiner Mosaikstein im globalen Bestreben, die biologische Vielfalt zu erhalten. Jeder Nationalpark trägt zur regionalen Vielfalt bei, um die globale Vielfalt zu erhalten. Weiterhin ist ein Nationalpark auch dazu da, zu beobachten, wie sich die Artengemeinschaften entwickeln und auf veränderte standörtliche Bedingungen reagieren. Aus diesem Monitoring können wir für die Forst- und Naturschutzpraxis außerhalb lernen.

    Hier könnte man entgegenhalten, auch die Zuwanderung von Arten ist ein natürlicher Prozess, den es zu schützen und zu beobachten gilt. Ja, das ist richtig, wenn es um Arten geht, die aus benachbarten Regionen - wie beispielsweise auf dem Mittelmeergebiet - einwandern. Die Migration von (Forstbaum-) Arten durch Menschen findet derzeit flächig intensiv statt. Daher können die Wechselwirkungen in bewirtschafteten Wäldern beobachtet werden.

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